Ausgabe 
11 (8.6.1851) 23
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gekleidet, ebenfalls zu Pferd. Ihm zur Rechten ritt der Herzog Maximilian vonBayern, mit dem Orden deS goldenen Vließes umhängen, und zur Linken der Chur «fürst von Köln in Schwarz gekleidet, beide Brüder der Braut. Herzog Wilhelm V.von Bayern und Herzog Philipp Ludwig von Neuburg , die Väter der Verlobten,fuhren in einem schonen Staalswagen hinter dem Bräutigam. Hierauf kam in einemüberaus prachtvollen Wagen die Braut, ebenfalls in Silberatlas gekleidet und beiihr die Gemahlin Herzog Maximilians, Elisabeth, die Gemahlin Herzog Albrechts,Mechtilde und die Mutter der Braut, Renata.

Neben diesem Wagen ritten die zwei Psalzgrafen August und Friedrich, Brüderdes Bräutigams, den Beschluß machte eine lange Reihe von Wagen mit den vor-nehmsten Damen des° bayerischen und pfälzischen HofeS.

In der Kirche angelangt verrichtete der Bischof von Eichstädt, Johann Christophvon Westerstetten, mit vieler Einfachheit den TrauungSact. Die Fürsten brachten ihreGlückSwünsche dar, man sang das Te Dcum und Magnificat und die kirchliche Feierhatte ein Ende. Alles war mit größter Delicatefse und Schonung für die AnverS-glänbigen angeordnet gewesen.

In derselben Ordnung, in der man zur Kirche gezogen war, bewegte sich dannauch wieder der Zug zur Residenz. Am Tage nach der Trauung hielt der Hospre-diger Herzog Philipp Ludwigs in dessen Vorzimmer eine Predigt über den Text:ES ist nicht gut, daß der Mensch allein sey", welcher Rede alle Fürsten beiwohnten.Gleich darnach wurde die reiche Ausstattung der Braut, so wie die Brautgeschenke,worunter besonders die deS bayerischen HofeS sehr werthvoll waren, den Verlobtenüberreicht. Die übrigen drei Tage wurden durch Bälle, Ringelrennen und andereLustbarkeiten verherrlicht. Am 15. November wurde von Seiten deS JesuitencollegiumSdurch die Studenten ein Schauspiel unter dem NamenMauritius Kaiser im Orient"aufgeführt, welcher theatralischen Vorstellung siebzehn Fürstenpersonen beiwohnten undder Aufführung ihren vollsten Beifall zollten. Vor allem aber wurde daS herrlicheOrchester bewundert, auf welches München schon damals stolz seyn konnte.

Nach Beendigung dieser Festlichkeiten begaben sich am 19. November die Neu-vermählten, wovon Wolfgang Wilhelm bereits das 35ste Lebensjahr, seine GemahlindaS 26ste Lebensjahr erreicht hatte, nebst den andern neuburgischen Fürstenspersonen,denen sich auch der Churfürst Ferdinand von Köln, so wie Herzog Albrecht nebstseiner Gemahlin angeschlossen hatten, nach Neuburg zurück, woselbst noch einige Fest-lichkeiten gegeben wurden, biS sich auch diese Gäste entfernten.

In Folge deS bayerischen Erbfolgekrieges, der mehr mit der Brandfackel alsmit dem Schwerte geführt wurde, entstand durch den AuSspruch deS Reichstages zuCöln Im Jahre 1505 die Pfalzgrasschaft oder wie man es jetzt gewöhnlich nennt,das Herzogthum Neuburg . Der erste Regent deS Landes war der Herzog OttoHeinrich. Sein glänzender Hofstaat, sein Sinn für Künste und Wissenschaften, seineprachtvollen Bauten standen aber in keinem Ebenmaaße zu den beschränkten Einnah-men deS Landes und so kam eS nahe zur Veräußerung desselben. Willkommenwar ihm daher die neue Lehre und mit hastigem Eifer führte er dieselbe ein, welchemsodann alles Katholische weichen mußte. Mit demselben Eifer und Ausdauer verfolg-ten seine beiden Nachfolger die Herzoge Wolfgang und Philipp Ludwig durch eineReihe von 70 Jahren dieselbe Bahn, so daß jedes andere Glaubensbekenntniß im Landestrenge verboten wurde.

AuS diesem läßt sich nun leicht abnehmen, wie es um die katholische Religionim Herzogthum Neuburg stand, als Magdalena mit ihrem Gemahle daselbst anlangte.ES gab nur noch einzelne Katholiken und diese waren eS nur heimlich.

Dein geschlossenen Ehevertrage gemäß, nach welchem Magdalena die freie, öffent-liche Ausübung ihrer Religion zugestanden war, wurde ihr in dem obersten Stockeder Residenz ein Gewölbe eingeräumt, welches von dem Bischöfe von Eichstädt, derihnen von München aus nachgefolgt war, eingeweiht wurde. In ihrem Gefolgebefanden sich nun auch zwei Jesuiten , nämlich P. Anton Welser und P. Jakob Rei-