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hing, beide Patriziers Söhne aus Augsburg ; der erste als Beichtvater, der zweiteals Hofprcdiger und Hofcaplan. Diese erhielten ihre Wohnung in dem Hause desfürstlichen Kammerherrn Johann Rummel, die Speisen aber und andere Bedürfnissebezogen sie von Hof aus. Sowohl der alte Herzog als dessen Gemahlin behandeltendie Jesuiten aber sehr herablassend und als sie am heiligen Christtage zur Tafel gela-den wurden, erlaubte ihnen der Herzog, sich zu bedecken und die alte Herzogin gingeinmal, als sie dieselben auf dem Wege unter dem Hospersonalc bemerkte, eigens aufsie zu, reichte Jedem die Hand und unterhielt sich mit ihnen sehr freundlich.
In der heiligen Christnacht hielt Welser den Gottesdienst in einem Zimmer derHerzogin Magdalena, wobei sie und ihr Gemahl das heilige Abeittmahl empfingen.Diesen Gottesdienst besuchten nun ermuthigr die wenigen Katholiken, die noch in derStadt vorhanden waren, aber auch mehrere Protestanten. Die Würde und die Feierdeö katholischen Gottesdienstes bewog bald fünf Personen, darunter ein angesehenerMann mit acht Kindern, zum Rücktritte zur katholischen Religion Da indeß der allefür seine Religion sehr eifernde Herzog dieß erfuhr, verbot er augenblicklich den Besuchdieses Gottesdienstes, die Katholiken aber flehten die Herzogin Magdalena um Ver-wendung an und da sich diese auf ihren Ehevertrag berief, so ließ eS der edeldenkendeHerzog wieder zu. Hier in diesem Saale nun blühte still und unlemerkt, wie imSaale der Apostel vor der ersten feierlichen Berkündung des ChristenlhumeS, die fürdas Herzogthum Neuburg wiedergeborne katholische Religion, gepflegt durch daS junqeFürstenpaar, gepflanzt in die Herzen der Unterthanen durch die zwei Apostel Weiserund Reihing, und ausgebreitet in der Folge durch ihre Mitarbeiter und Nachfolger.
Doch nicht lange währte der Aufenthalt des jungen FürstenpaarcS. Theils dieLage der Jülichschen Angelegenheiten, theils der Wunsch, iu religiöser Hinsicht nichtmehr gehindert zu seyn, waren die Ursachen, daß MagdalenenS Gemahl seinen Aufent-halt in Neuburg zu verändern wünschte. Die Hcrzogthümer Jülich, Cleve und Berg,die in der Folge an Neuburg kamen, waren lange Zeit der Zankapfel zwischen diesemHause und dem Hause Brandenburg. Um diesen Streit zu schlichten, sahen es dieEltern Wolfgang Wilhelms selbst gerne, daß er sich in diese Lande begab. Er reistedaher nebst seiner Gemahlin und den zwei Jesuiten Ende Decembers 1613 dahin ab,obgleich es der Churfürst von Köln gar nicht gerne sah, daß seine Schwester sichjetzt schon dahin begebe. Die Reise ging über Gcislingen, wo Reihing öffentlichpredigte, durch Schwaben, Hessen, nach Köln und Ende Januar langten sie in Düssel-dorf an.
MagdalenenS Aufenthalt in Düsseldorf . Oeffentlicher Uebertrittihres Gemahles zur katholischen Religion. Rückkehr nach
Neu bürg.
In Düsseldorf aber warteten Wolfgang Wilhelms und seiner Gemahlin sehrunangenehme Auftritte. Die Brandenburgischc Partei, aufgebracht über die neue Ver-bindung, wollte sogar Magdalenen die Aufnahme in das Schloß verweigern, welcheVerweigerung doppelt unangenehm seyn mußte, da beide besitzende Fürsten das Schloßgemeinschaftlich bewohnten. Es ist fast unglaublich, wie sehr sie der Pfalzgräfin daöDaseyn zu erschweren suchten. Dessen ungeachtet, obgleich gewarnt, unterließ Mag-dalena keinen Tag in die heilige Messe zu gehen, aber eö war dieß mit vielen Ge-fahren verbunden; ja als sie am grünen Donnerstage zur heiligen Communion in dieKirche ging, und in Andacht versunken auf den Knieen lag, wurde durch ein Fenster aufsie geschossen, doch ohne Schaden; denn die Kugel traf eine Säule. Magdalenawurde durch diesen Mordversuch keineswegs erschreckt — „da der Himmel selbst für siesorge" — sprach sie, und kehrte noch am selben Tage Nachmittags und am andern Tagein dieselbe Kirche wieder und wohnte dem öffentlichen Gottesdienste mit aller Andachtbei. So hemmte die Gefahr ihre Frömmigkeit nicht, sondern entflammte sie vielmehr.
Lä'ngit schon hatte sich aber ihr Gemahl nach Rettung aus seiner drückentenLage gesehnt und da er nun den Hof seiner Eltern verlassen hatte, so war er auch