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bereit, die Bedingung dieser Rettung und Befreiung durch öffentliche Abl.'gung deskatholischen Glaubensbekenntnisses zu erfüllen, woran ihn bisher nur sein, für seineKonfession im höchsten Grade eifernder Vater abgehalten hatte. Am 25. Mai 1614,als am DreifaltigkeilSfe ste, begab er sich in einem feierlichen Zuge in die Kirche undlegte unter dem Hochann e daS katholische Glaubensbekenntniß mit lauter Stimme abund empfing nebst seiner Gemahlin aus den Händen des WeihbischofeS Theodur Riphinvon Köln die heilige Comn^union und die heilige Firmung, und ließ später die Be«weggründe seiner Rückkehr du'rch den Druck öffentlich bekannt machen.
Das Gerücht von dem .Uebertritte des Pfalzgrafen war nun auch seinem Vaterzu Ohren gekommen und eine .Gesandtschaft brachte ihm die Bestätigung desselben.Voll' Entsetzen würdigte sie der alte Bater kaum einer Antwort, sandte aber seinem Sohneeine Glaubensformel der Augsburgs Konfession zum Unterzeichnen, bei deren Durch-lesung Wvlfgang Wilhelm ausrief: „ewig werde ich nicht unterzeichnen, eher meinemNacken das Schwert!" Ja er ging sogar damit um, ihn zu enterben, als den Greisplötzlich der Tod durch einen Schlagfluss 5ahin raffte am 12, August 1614.,
Sobald die Jüiichschen Angelegenheiten mebr geordnet waren, beschloß Wolf«gang Wilhelm nach Neubnrg zu reisen und hielt in Begleitung seiner Gemahlin, dieer nach München vorausgeschickt hatte und von da zurückgekehrt war, am 21t. Hornung1-615 daselbst seinen feierlichen Einzug. AIS nunmehriger Landcsfürst hielt er esseiner Würde gemäß, ein eigenes Gebäude für den katholischen Gottesdienst zu bestim-men und wählte hiezu die fürstliche Hoftapelle.
Von der Kraft und Wahrheit des allen kacholischen Glaubens lebhaft durch-drungen, kannte der Herzog nun beim An ritte seiner Regierung nichts Wichtigeres,als Stadt und Land zu dem alten verlasstnen Glauben zurückzuführen; ein Unterneh,men, das sowohl großen Muth als tiefe Weisheit und unerschütterliche Standhaftig,keit erforderte. Aber sein frommer Wahlspruch: „In Gott mein Trost" begeisterte ihnfür das große Werk, und da diesem Fürsten Wahrheit, Gerechtigkeit und Religionunendlich heilig und ehrwürdig waren, so hielt er sich verpflichtet, die Wahrheit inden Herzen seiner Unterthanen wieder geltend zu machen, durch Ueberzeugung, dieGerechtigkeit durch eine billige Restitution zu üben, und der verdrängten und entstell«ten katholischen Religion wieder Gelegenheit zu verschaffen wohlthätig einzuwirken, unddaß sie in ihrer wahren Gestalt wieder kennen gelernt werden könnte. Er erließdaher ein Edict, das allen Unterthanen erlaubte, zur katholischen Kirche zurückzukehren,und wendete alle Mühe an, die Gemüther für diese Religion wieder empfänglich zumachen, und dem Begonnenen Wachsthum und Gedeihen zu verschaffen. Wenn erhiebei auch hie und da einige strenge Mittel sich erlaubte, so lag dieß in den dama-ligen Zcitverhältnissen.
Hiebei unterstützte ihn seine Gemahlin Magdalena mit einem Eifer und einerBescheidenheit, welche selbst Protestanten die größte Bewunderung und Verehrungabnöthigten. Durch Bitten und Ermahnungen, nicht bloß auS einem empfindsamenHerzen überströmend, sondern vorzüglich auf Vernunft« und ReligionSgründe gestütztvorgetragen, suchte sie ihre Untergebenen zum alten Glauben zurückzuführen. Indieser Absicht sprach sie öfter mit ihnen über Religivnsgegenstände, besuchte besondersgefährliche Kranke, ließ sich sogar ein paarmal, da sie selbst wegen Kränklichkeit zumGehen zu kraftlos war, zu ihnen tragen, um sie zur Kenntniß und Huldigung derWahrheit zu bringen, wie dieß z. B. bei einer kranken Wöchnerin der Fall war.Des Herzogs Tante, die gefährlich krank darnieder lag, beschwor sie kniend mit demBiloe dcö Gekreuzigten in der Hand und brachte sie gleichsam durch einen frommenZwang zur Annahme der kacholischen Religion. So se.hr sie jedoch hiebei dem Drängeihres Herzens folgte bei Jenen, die sie zu gewinnen mit Grund hoffen konnte, sosorgfältig vermied sie jedes Gespräch über Religionsgegenstände, wenn sie vorher sah,daß Gründe und Bitten keine Ueberzeugung gewähren und nicht die gewünschte Wirkungja etwa gar Unwillen hervorbringen würden. — Ja um so vorzüglicher sie von derkatholischen Religion überzeugt war, um so mehr vermied sie jeden Zwang, und gab