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kluger Weise da nach, wo sie vermöge ihrer Wärme und Innigkeit für ihre Religion,deren ein weibliches Gemüth nnr immer sähig ist, lieber gesprochen hätte. Nun aberübrigt unS noch, ihre schönen Tugenden und wesentlichen Züge zur Bezeichnung undGesinnung der Lebensweise dieser erhabenen Fürstin näher kennen zu lernen, getreu,wie sie sich bei ihr ausprägten.
MagdalenenS Kenntniß der Religion und GotteSliebe.
Der unermüdliche Eifer in Verbreitung ihres Glaubens war die Folge gründ-licher Kenntniß und tkfer Verehrung der katholischen Religion, von welcher dieseweise Fürstin öfters äußerte, daß der Glaube an Christi Lehre entweder aus katholi-schem, oder durchaus auf gar keinem Grunde beruhen könne. — Ihren frommen gott-verehrenden Sinn sprach sie oft durch den schönen Wunsch aus: „O daß ich EinenMenschen kennete, der die neue Kunst verstünde, allen Sterblichen Kenntniß Gottesund hohes Gefühl für die Religion einzuflößen!" Zum steten Beweise ihrer Gesin-nungen und zu ihrer fortwährenden Ermunterung verfaßte sie selbst eine Formel deskatholischen Glaubensbekenntnisses in lateinischer Sprache, trug sie auf Vergamentgeschrieben immer bei sich, und befahl, dieselbe nach ihrem Tode als ein sprechendesDenkmal des Glaubens mit ihrem Leichnam in den Sarg zu legen. Da jedoch diefromme Fürstin wohl wußte, daß der Glaube an Gott, das Wissen der geoffenbartenWahrheiten dem Gemüthe vor Gott noch keinen Werth gibt, wenn er sich nicht inWort und That beweist, so strebte sie auch unermüdet darnach, ihren Glauben insLeben übergehen zu lassen, ihr Herz zu veredeln und den Tempel des heiligen Geistesimmer mehr mit Tugenden zu bereichern und zu schmücken.
Die Summe dcö göttlichen Gesetzes: „Gott lieben über alleS und ihm allein inLiebe dienen," war auch die Summe ihrer Wünsche und der Gegenstand ihres uner-müdeten Bestrebens. Sie trachtete den höchsten vollkommensten Grad der Tugendenzu erreichen, gemäß welchen sie, ohne Rücksicht auf Belohnung oder Strafe, Gott nur darum lieben wollte, weil er Gott und das unendliche, vollkommenste, besteGut ist. — In der Ueberzeugung und im Gefühle der Wahrheit, daß das Wesenwahrer Liebe in Uebereinstimmung der Gesinnungen und im EinSseyn mit Gott bestehe,suchte sie sich mit ihm stets inniger zu vereinigen, ihren Willen im Kleinen wie imGroßen, im Angenehmen wie im Unangenehmen, Gott zu unterwerfen und gleichsamfür sich willensloS, jedem leisesten Winke deS Gesetzes und der Gnade zu folgen.Daher ihre Heldengröße im Dulden deS Unangenehmen und Schweren, das sie beider damaligen Lage des Landes, bei der herrschenden Religionsverschiedenheit, beiöftern geheimen Machinationen gegen ihren Gemahl und die Regierung, bei eigener,öfterer Kränklichkeit u. f. w. oft genug traf. In den letzten vier Jahren ihres Lebensbrachte sie es in der Verläugnung ihres eigenen Willens so weit, daß sie vorzüg-lich unangenehme Vorfälle und Beschwerden für besondere Wohlthaten und Gunstbe-zeugungen GolteS ansah, und oft in Einem Tage wohl hundertmal ihre kindlicheErgebung in Gottes Willen erneuerte, wie mehrere mit geheimen Chiffern geschrie-bene Aufsätze in ihrer Schreibtafel bewiesen. So sprachen es alle Schritte und TritteMagdalenenS auch laut auS, daß der Glaube, wie er in der christlichen Kirchegelehrt und geübt wird, die Quelle ist, auS welcher alle edeln und großen Thatenhervorgehen, denen auch der Weltgeist seine Achtung nicht versagen kann, wie derLebenSlauf MagdalenenS darthut.
(Fortsetzung folgt.)