Ausgabe 
11 (8.6.1851) 23
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dessen Titel am wenigsten erwarten sollte, nämlich: aus Richard Wagner'S Entwurf zur Organisation eines deutschen Nationaltheaters fürdaö Königreich Sachsen." Darin liest man unter obiger Aufschrift folgendenAufsaß:

Soll die katholische Kirchenmusik uiiter den bestehenden Zeitstimmungen zumalin der katholischen Hofkirche zu DreSven mit gerechtem Ansprüche erhalten werden,so muß sie die fast gänzlich verloren gegangene Würde religiöser Erhabenheit undInnigkeit wieder erhalten. Papst Marcellus wollte im löten Jahrhundert dieMusik gänzlich auö der Kirche verweisen, weil die damalige scholastisch - speculativeRichtung derselben die Innigkeit und Frömmigkeit des religiösen Ausdruckes bedrohte.Palestriiia rettete die Kirchenmusik vor der Verbannung, indem er diesen nöthigenAusdruck ihr wieder verlieh; seine Werke, so wie die seiner Schule und des ihm zu-nächst liegenden Jahrhunderts schließen die Blüthe und höchste Vollendung katholischerKirchenmusik in sich: sie sind nur für den Vortrag durch Menschenstim-men geschrieben. Der erste Schritt zum Verfall der wahren katholischen Kirchen-musik war die Einführung der Orchester-Instrumente in dieselbe; durch sie und durchihre immer freiere und selbstständigere Anwendung hat sich dem religiösen Ausdruckein sinnlicher Schmuck aufgedrängt, der ihm den empfindlichsten Abbruch thut und vondem schädlichsten Einfluß auf den Gesang selbst wurde; die Virtuosität der Jnstru-mentalisten hat endlich den Sänger zu gleicher Virtuosität herausgefordert, und balddrang der weltliche Operngeschmack vollständig in die Kirche ein; gewisse Sätze desheiligen TerteS wie: Lariste eleison, wurden zu stehenden Texten für opernhafteArien gestempelt, und nach dem italienischen Modegeschmacke ausgebildete Sänger zuihrem Vortrage in die Kirche gezogen.

Der Zeit, in der diese gänzlich verderbte und entweihte Richtung zur herrschen-den geworren war, gchört die Einrichtung eines katholischen HofgoltesbiensteS inDresden an; von diesem AusgangSpuncte hat sich die Kirchenmusik in der hiesigenkatholischen Hoskirchc ausgebreitet, in dieser weltlichen Richtung sortgebildet. DurchHerbeischaffung kostspieliger Sänger wurde den Komponisten die Aufgabe gestellt, aufdie Ausbeutung und Verwendung dieser Talente bedacht zu seyn, und sämmtlicheKirckencomposilionen, welche gegenwärtig noch den verwendbaren Vorrath für denmusikalischen Gottesdienst ausmachen, gehören bis auf ein,eine, hier und da und inden einzelnen Theilen zerstreute, Ausnahmen, dieser mit Recht jetzt als verwerflichund den gesunden religiösen Geist geradezu verhöhnend erkannten Geschmacksrichtungan. AlS nächstes Mittel zur Abhilfe könnte vorgeschlagen werten, fernerhin VaSRepertoir der Kirchcnmusikstücke selbst sergfältig aus solchen Composttionen auszuwäh-len, welche jener schlechten Richtung am wenigsten angehören Seitdem die Kirchen-musik durch Einführung der Orchester-Jnstrumente im Allgemeinen von ihrer Reinheitverloren hat, hal'en nämlich nichts d»sto weniger die größten Tonietzer ikrer ZeitKirchenstücke verfaßt, die an und für sich von unaemeinem künstlerischen Werthe sind:dem reinen Kirchenstyle. wie es jetzt ihn wieder herzustellen auS so vielen Gründenan der höchsten Zeit wäre, gehören auch diese Meisterwerke dennoch nicht an; sie sindabsolute musikalische Kunstwerke, die zwar auf der religiösen Basis aufgebaut sind,viel eher aber zur Aufführung in geistlichen Concerten, als während des Gottesdien-stes in der Kirche selbst sich eignen, namentlich auch ihrer großen Zeitdauer wegen,welche den Werken eines Cherubini, Beethoven ic. die Aufführung während deSGottesdienstes gänzlich verwehrt. Wollten wir nun, indem wir aber immer noch aufvolle.Reinheit der Kirchenmusik Verzicht leist! ir, diese Meisterwerke der Komposition,z. B. durch Kürzungen, zu dem Gebrauch in unserer katholischen Hofkirche Herrichten,so entstünde in der Räumlichkeit unseres Chores selbst ein unüberwindliches Hinderniß,Der Raum, der für die Aufstellung des Orchesters und Chores unS gegeben ist,würde ohne einen gänzlichen Umbau und somit ohne Zerstörung der architektonischenAnlage des ganzen Schiffes, nickt in dem Maaße erweitert werden können, daß eineder nothwendigen Stärke des Orchesters entsprechende (für diese Composttionen aber