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Die Eröffnung der Mission in Schönthal am Sonntag den 18. Mai war durchden Himmel sehr begünstigt. In aller Frühe zogen an diesem schönen Frühlingslagezuerst einzelne kleinere Parteien von Gläubigen, bald darauf große, schön geordneteProccsfionen unter Gesang und Gebet in das herrliche Gotteshaus ein. Um 9 Uhrwurden die hochwürdigen Väter Missionäre durch die Geistlichkeit vom Pfarrhause indie Kirche begleitet. Nachdem Decan Longner von AmrichShausen am Hochaltäredas Veni erestor Spiritus angestimmt und das Kirchengebet gesprochen hatte, begrüßteer im Namen der CapitelSgeistlichkeit und ter katholischen Gemeinden die ehrwürdigenVäter in kurzer Ansprache. Eingangs verbreitete er sich über Gründung des K ostcrSSchönthal durch den tapfern Ritter Wolfram von Bebenburg unter Mitwirkungder edlen Familie v. Berlichingen. Der Stifter übergab das Kloster den geistlichenSöhnen des heiligen Bernhard, 12 Cistercienser aus dem Kloster Maulbronn Durchdiese frommen Ordensmänner wurde Cultur und Gesittung in der ganzen Umgegendverbreitet und das zwar schon von Natur freundliche Thal erst recht zum schönenThale . Nachdem das Kloster lange verwaist gestanden, treten heule freudig begrüßtdrei Ordensmänner aus der Gesellschaft Jesu ein, um neues geistiges Leben anzufachen^.Wer sollte sich hiebei nicht an die Worte des Apostels Paulus erinnern, welche der-selbe dem Propheten Jcsaia entnommen: „Siehe, wie lieblich sind die Füße derer,die da Frieden verkündigen und die freudige Botschaft vom Guten bringen." Rom .10, 15, coll. Jes. 52, 7. Er hieß sie deßhalb willkommen und sprach die HoffnungauS, daß die heilige Mission die Eiskruste des Unglaubens und der Gleichgiltigkeit,welche vielfach herrschen, sprengen werde; daß unter GotteS Beistand die edlen Be-mühungen der hochwürdigen Missionäre im scheuen Thale und auf dessen freundlichenHöhen die Himmelsblumen des Gesetzes, der Hoffnung und Liebe aufsprossen unddie Früchte deS heiligen GeisteS: Liebe, Friede, Freude, Geduld, Sanflmuth, Mäßig-keit nnd Keuschheit sichtbar werden sollen. Hierauf hielt Pater Roder die erste Rebe.Eingangs sprach er seine Freude darüber aus, daß das Volk der Franken , von demihm längst bekannt sey, daß ein guter religiöser Kern in ihm wohne, sich so zahlreichbei der Mission cinfinde und den religiösen Sinn durch die musterhafte Ordnung, inwelcher dasselbe unter Gebet und Gesang in dieses Gotteshaus eingezogen, beur-kundet habe. Er hoffe, daß der religiöse Eifer auch an den andern Tagen derMission nicht erkalten werde, worin er sich nicht getäuscht hat. Mit Umgehung deSgewöhnlichen Thema'S von der Mission begann er sogleich mit seiner bekannten feurigenund begeisterten Beredtsamkeit die erste Reihe der Vorlräge über die ernsten Wahr-heiten deS Christenthums. Wer durch die ernsten und beredten Vorträge dieserals Redner längst bekannten, für die heilige Sache so begeisterten Männer nichtgerührt und erschüttert wird, der muß wahrlich ein steinhartes Herz haben. Ergrei-fend war auch die Rede deS jungen P. Smeddink, dieser edlen Nathanaelöseele,über den Tod, so wie auch die katechetischen Vorträge desselben über die zehn Gebote,die Bekehrung deS Paulus:c., welche durch ihre Einfachheit, Popularität und Herz-lichkeit sehr ansprachen. Den Schluß dieser Reihe bildete die Marienpredigt, und dieentsprechende Empfehlungsfeier, welche durch den schönen Gesang und eine ProcessiondeS schon bestehenden Jungfrauenbunds von Berlichingen erhöht wurde. Wahrhafterhebend und tröstend ist die große Ausdauer des Volkes. Obgleich schon am Mon-tag wieder kalte regnerische Witterung eintrat und der Regen fast ununterbrochen fort-dauert, so findet sich dasselbe doch täglich in großer Anzahl ein und hört die MisstonS-vorträge mit größter Aufmerksamkeit an, sich kaum Zeit nehmend, einige Nahrungund Erfrischung zu sich zu nehmen. Nur die Wirthe, hohe Rechnung ohne die Gästefür sich machend, sind unzufrieden, weil sie den gehofften Absatz nicht finden. Diebeilige Misston wurde durch keinerlei Unordnung bisher gestört. Auch die Protestantenbetheiiigten sich zahlreich bei derselben. (D. VolkSbl.)
Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen. VerlagS-Jnhaber: F. E. Krem er.