Ausgabe 
11 (15.6.1851) 24
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die für ein Frauenzimmer seltenen Kenntnisse. Nicht nur verstand sie gründlich undsprach geläufig die italienische, französische, spanische und lateinische Sprache, sondernauch iu der Kirchen- und Weltgeschichte war sie sehr erfahren, sprach gründlich davon,so daß jene, die ihre Aeußerungen hörten, oft behaupteten, Neuburgs Herzogin besitzeeinen solchen Grad von Weisheit, daß sie ein ganzes Land zu beherrschen im Standewäre; besonders beliebt, sowohl bei ihrem Gemahl als auch bei Allen, die sie näherkannten, machte sie sich durch ihre Bescheidenheit, Ungeachtet ihrer tiefen Einsichtenund mannigfaltigen Kenntnisse, war sie keineswegs stolz darauf, sondern fragte oftum Rath, hörte bei jeder Gelegenheit gerne die Meinungen Anderer und unterwarfsich unbedingt, vorzüglich in Gewissenssachen, dem Rathe ihres Beichtvaters.

Wie sie als Gattin ihre Pflichten treu erfüllte, so auch als Mutter. Gewißdas schönste Geschenk, das ein Weib dem Vaterlande machen kann, sind wohlgesitteteKinder, welche angeleitet und eingeübt sind ihre Pflichten gegen Gott und die Mit-menschen zu erfüllen, nnd durch ihre persönliche Auszeichnung zum Nutzen und From-men des Vaterlandes beizutragen; dieselbe Gabe legte als Opfer auf ten Altar desVaterlandes auch Magdalena nieder. Es war der erste Landtag, den ihr Gemahlim Jahre 1615 zusammenberufen hatte. Von ihm ließ sich wegen der von ihremGemahle gemachten Veränrerungen wenig Gutes erwarten. Um nun ein günstigcsResultat zu erzielen, hatte Magvalena nicht nur selbst viel gebetet, sondern auch sogaran andern Orten, z. B. in Jngolstadt, beten lassen. Der Landtag ging glücklichvorüber und zum Schlüsse desselben gebar sie am 24. Nov. 1615 zur höchstenFreude ihres Gemahles einen gesunden Prinzen. Dieser wurde vom Bischöfe vonAugsburg, Heinrich von Knöringen , am St. Nikolaustage getauft und ihm der Na-men seiner Taufpathen Philipp III. Königs von Spanien und Wilhelm V. Herzogsin Bayern beigelegt. Auch während des Wochenbettes bewies die fromnK Herzoginihren religiösen Sinn, indem sie von ihrem Lager aus täglich die heilige Messe an-hörte, welche ihr Beichtvater in einem anstoßenden Zimmer lesen mußte, was auchsonst immer geschah, wenn sie krank darnieder lag.

Die in jeder Hinsicht vortreffliche Mutter sorgte mit rastlosem Eifer für diegute Erziehung ihres Sohnes und da ihr Herz so ganz an Gott und der Religionhing, so drang sie auch vorzüglich auf religiöse Bildung. Schon im dritten Jahrelegte der Prinz Philipp Wilhelm eine öffentliche Probe seiner glücklichen Fortschrittein dieser Hinsicht ab. AIs nämlich am 21. Oktober 1613 die Hofkirche in Neuburg eingeweiht wurde, empfing er die heilige Firmung, nach welcher Handlung er sogleichbei mehreren dürftigen Personen die Pathenstellen übernahm. Hiebei betrug er sichmit so sichtbarer Andacht und Anstand, daß er den Bischof und die Anwesenden, diebis zu Thränen gerührt wurden, in das größte Erstaunen setzte. Als der Prinz indas sechste Lebensjahr ging, übergab sie ihn dem Pater Christoph Brandts zur Gei-stes- und Herzensbildung, Philipp Ludwig machte auch unter der Leitung dieses ge-schickten und rechtschaffenen ManneS so glückliche Fortschritte, daß er nach allem Rechtemit einem Preise öffentlich beschenkt wurde und schon in seinen frühesten Jahren sichdie ungetheilte Liebe, Verehrung und Bewunderung aller, die ihn kannten, erwarb.Unter Thränen der Freude bemerkten die Eltern besonders, als der Prinz in seinemzehnten Lehensjahre in einem Schauspiele mit den Studirenden auftrat, wie sein Herzund Geist, so wie sein äußerer Anstand zu den schönsten Hoffnungen berechtigten, diesie gleich beim Uebertritte in die Jünglingsjahre zu ihrem größten Troste erfüllt sahen.

In rühmlicher Harmonie mit den Grundsätzen des Lehrers bestrebte sich diefrommliebende Mutter zu gleicher Zeit, ihrem Prinzen vorzüglich Liebe und Hochach-tung gegen die Religion und Lust zum Gebete einzuprägen. Wenn, wie es damalsöfter geschah, eine Procession gehalten wurde, und sie selbst wegen Krankheit dieselbenicht begleiten konnte, so mußte ihr Sohn von dem eine Stunde entfernten Jagd-schlosse Grünau, wo er sich damals öfters aufhielt, in die Stadt eilen, um demBittgange beizuwohnen, und dann erst war es ihm erlaubt zur Tafel zu kommen.Ihre zärtliche Mutterliebe suchte sie öfters unter dem Schleier des Ernstes zu bergen,

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