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und doch war derselbe so rein und heilig, daß sie oft mit sichtbarer Rührung sagenkonnte: So sehr ich meinen Sohn liebe, so würde ich doch wünschen, ihn nichtgeboren zu haben, wenn ich wüßte, daß er Gott und der Religion untreu würde.Auch auf ihrem Sterbebette noch besorgt, ihn zu einem würdigen und glücklichenRegenten zu bilden, gab sie ihm noch kurz vor ihrem Tode mit unerschütterlicherStandhaftigkeit die schönsten Lehren. Die nachmalige Regierung Herzog Philipp Wil-helms zeugte noch von den Grundsätzen und der vortrefflichen Bildung, welche erunter der Leitung einer in jeder Hinsicht so verehrungswürdigen Mutter erhalten hatte.Schon in seinem eilften Jahre gab er in einem freundschaftlichen Gespräche den schö-nen Grundsatz zu erkennen: „Lieber einer kleinen Provinz würdig vorstehen, als einstüber die Negierung eines großen, mächtigen Reiches Gott Rechenschaft ablegen!"
Man bewunderte auch an ihr die kluge Aufmerksamkeit und Sorge, welche siedem Betragen ihrer Dienerschaft widmete, und die unwandelbare Sorgsalt, womit siedie Furcht Gottes und die Liebe zur Tugend bei ihnen unterhielt. Stets drang sieauf ein rechtschaffenes, tadelloses Betragen derselben. Fehler gegen die Sittlichkeitblieben ihrer sonstigen Nachsicht und Duldsamkeit ungeachtet nie ungerügt. Alles,was immer nur den Frieden stören konnte, suchte sie zu verbannen und deßhalb dursteNiemand mit Wort oder in der That beleidigt, niemand verleumdet oder verschwärztwerden. Im höchsten Grade billig, gütig und gerechtigkeitslicbend dachte und sprachsie selbst von Jedem nur Gutes, schien fremde Fehler nicht zu kennen, und wie sieselbst nie davon redete, so durfte es auch Niemand anderer wagen, der Ehre einesAndern auch nur im Geringsten zu nahe zu treten. Dagegen fand aber das redlicheGeständniß eines begangenen Fehlers und das Versprechen der Besserung sichere undschleunige Vergebung, ja die huldvolle Fürstin achtete es nicht unter ihrer Würde,selbst um Vergebung zu bitten, wenn sie besorgte, im Rügen eines Fehlers zu großeStrenge bewiesen zu haben. Dafür ehrten sie auch alle, die in ihren Diensten stan-den, wie ihre Mutter, während sie auch von ihr wie Kinder geliebt wurden. Kurzder sprechendste Beweis ihrer unermüdeten Sorge, Liebe und Wachsamkeit sür ihreUntergebenen war die allgemeine Aeußerung: „daß dieser Hof in Hinsicht der dortherrschenden Sittlichkeit und Religiosität mehr einem Kloster als einem weltlichenPalaste gleiche" und wie man die Tugenden am Hofe des Kaisers Theodosius prieß ,so konnte man auch diesem Hofe hiebei die gleiche Achtung nicht versagen. Ihremütterliche Theilnahme und Liebe umschloß auch vorzüglich alle Arme und Hilfsbedürf-tigen, die einen der wichtigsten Gegenstände für ihr forschendes Auge bildeten undgerade hiebei ist einer der wichtigsten und auffallendsten Züge ihres Bildes vorhanden.Sie spendete ihre Gaben entweder selbst oder durch Andere, wodurch es erst rechtbekannt wurde, daß das jährliche Almosen, welches sie nicht nur katholischen, son-dern auch den protestantischen Armen ohne Unterschied ertheilte, von wahrhaft fürst-licher Freigebigkeit zeugte. Hierin glich sie einer ächten barmherzigen Samariterin,die nicht darauf sah, ob der Arme ihres Glaubens sey oder nicht sie ließ es dabeibeweiiden, daß sie um Gotteswillen angesprochen wurde, und daß der HilfsbedürftigeMensch und ihr Nächster sey. Alles wurde hiebei oft zu Hilfe angerufen; wo bedeu-tende Hilfe und Unterstützung nöthig war, da nahm sie fürbittend ihren Gemahl oderandere fürstliche Personen in Anspruch. Oft^ wünschte sie mehr Einkommen zu besitzen,um mehr Elend lindern zu können, und erinnerte an-daS alte Sprichwort sich gerne:„daß man durch Almosengeben nicht arm werde."
Außerordentlich war auch ihre Aufopferung für die Kranken. Nicht seltenbesuchte sie arme Kranke, brachte ihnen Trost durch Religionsgrunde, Gelduntcrstützungaus ihrer Privatcafse, Speisen, die sie gleich einer zweiten Landgräfin Elisabeth vonThüringen mit eigener Hand bereitet hatte, und wenn sie selbst nicht gehen konnte,so sandte sie auf die edelmüthigste Weise es durch Andere. Durch eine solche groß-müthige und beharrliche Thätigkeit, verbunden mit ihren Gaben, trug Magdalena sürdie Bedürfnisse der armen verlassenen Kranken Sorgfalt und eS ist hiebei nicht möglichalle Handlungen ihrer unerschöpflichen Wohlthätigkeit und Hilfe aufzuzählen.