Eilfter Jahrgang.
Sonntags-Beiblatt
zur
Augsburger PoMtung.
SS. Juni 2S 1851.
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Magbalena
Herzogin von Bayern , PfalzgrSfin bei Rhein zc.
von
Carl August Boehaimb, Caplan in Neuburg a, D.(Schluß.)
Magdalenens Mittel zur Frömmigkeit.
Die Mittel, durch welche sie zu einer so hohen Stufe von Frömmigkeit undGeistesgröße sich emporschwang, nahm sie theils aus den Vorschriften des Evangeliums,theils von ihrem gottergebenen Herzen und dem damals herrschenden streng religiösenZeitgeiste. Vor allem bestrebte sie sich ihre natürlichen Anlagen, ihre Neigungen,auch die geheimsten, ihr Herz immer näher kennen zu lernen. Zu dieser Selbstkennt-niß gelangte sie durch ernste Betrachtung der Religionswahrheiten, Beobachtung ihrereigenen Gesinnungen, Reden und Handlungen, und durch tägliche Ablegung der Ge-wissenSrechenschast, die sie mit Strenge und Genauigkeit vornahm. Sie zeichnete sichin eigenen Chiffern die entdeckten Fehler, die gemachten Vorsätze und religiös morali-schen Grundsätze auf, die sie öfter durchlas, um sich stets zu bewahren, zu kräftigen,zu erneuern und ihre Fehler nach und nach aus der Seele mit ihren Wurzeln zu ver-tilgen. Aus diesem Streben zeigte es sich, daß es ihr hiebei um wahre Besserung zuthun sey. Mit aller Strenge bestraste sie an sich jede geringe Abweichung von diesenGrundsätzen und oft hörte man sie seufzen, daß sie noch so weit vom Ziele wahrerLiebe und der Vereinigung mit Gott entfernt sey!
Auch ihre guten Thaten prüfte sie, ob sie nicht menschlicher Sinn oder einegeheime Nebenabsicht befleckt habe, und erkannte mit aller Bescheidenheit dieselben alseine Gabe von Gott an.
Als Grundlage christlicher Frömmigkeit erkannte sie überhaupt die Demuth an.Sie war weit entfernt sich stolz zu erheben und mit dem Geiste Jesu zu vertraut,als daß sie nicht die Nothwendigkeit dieser Tugend eingesehen hätte. Daher floh sieauch Eigenlob wie eine giftige Schlange, und wenn man in ihrer Gegenwart sich lob-würdig über sie äußerte, so umflog eine edle Schamröthe ihr Angesicht und gab denWunsch zu erkennen hierüber zu schweigen. Alles Gute, womit sie die wohlthätigeHand deS Schöpfers ausgestattet hatte, und alle schöne Handlungen suchte sie so vielmöglich geheim zu halten. Woher anders diese Erscheinung als von ihrer Demuth?und aus dieser nämlichen Quelle floß ihre Herablassung und Freundlichkeit gegen alleMenschen ohne Unterschied des Standes oder der Geburt. Als ein Beweis ihrerDemuth mag auch gelten, daß sie jedes Jahr am grünen Donnerstage zwölf armenFrauen die Füße wusch, sodann ihnen eine Mittagtafel bereitete, sie dabei bediente