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und reichlich beschenkt entließ. Dieß hatte seinen Grund in der Freude, die ihr Herzübergoß, und diese wie ihr ganzer Charakter in der Liebe zu Gott und ihren Näch-sten, wovon dasselbe voll war.
In diesem uncrmüdeten Streben nach Vollkommenheit, wohin sie der Geist Gottesmächtig trieb, kräftigte sie sich besonders durch herzlichen, beinahe ununterbrochenenUmgang mit Gott und nicht minder durch mündliches Gebet, dem sie täglich einegeraume Zeit widmete. Täglich zweimal wohnte sie der heiligen Messe bei, und ob siemit Geschäften überhäuft, ob sie krank war oder ans Reisen sich befand, kein Tagverging, den sie nicht mit Anhörung der heiligen Messe begonnen hätte, täglich betetesie die Marianischen Tagzeiten. Die heilige Communion empfing sie alle Wochen mitsichtbarer Rührung und Ehrfurcht, so daß sie dabei zu glühen schien vor Andacht,und sich diese reichlich in den Herzen der Anwesenden ergoß und gar mancher, in demdie Andacht erloschen war, nur sie ansehen durfte und dann voll Andacht wurde.So übte sie durch ihr Beispiel einen mächtigen, wenn auch stillen Einfluß auf An-dere aus.
Diesen innern Geistesübungen half sie auch durch äußere strenge Abtodtung nach.Auch das Fleisch, dachte sie, das sich so gerne gegen das Geistesgesetz empört, mäßegeschwächt werden und deßhalb zähmte sie ihren Körper, obgleich er ohnehin etwasschwächlich war, durch Fasten. Als sie ihrer Gesundheit wegen einmal in der FastenFleisch genießen mußte, ersetzte sie dieß durch eine unbeschreibliche Mäßigkeit in Speisund Trank. Auch durch andere Bußwerke, selbst mit der Geißel, züchtigte sie ihrenLeib, so daß ihr Beichtvater ihren Eiser bezähmen mußte.*)
Eine besondere Freude gewährte ihr das Wallfahrten an jene Orte, an denenGott seine Gnaden oft auf vorzügliche Weise spendete. So begab sie sich alle Frei-tage nach einander, selbst bei ungünstiger Witterung, nach Joshofen, woselbst einKreuzpartikel verehrt wird, ja mitunter sogar mit durchlöcherten Schuhsohlen. Auchin entferntere Orte z. B. nach Altötting , St. Salvator, auf das Lechfeld f)wallte sie und schenkte daselbst ein prachtvolles von ihr selbst gesticktes Meßgewand.Dabei achtete sie nicht der ungünstigen Witterung oder anderer Unbequemlichkeitenund verrichtete ihre Andacht zur unbeschreiblichen Erbauung aller Anwesenden. Umaber jenen Damen, die sie hiebei begleiteten, die Beschwerlichkeiten solcher Fußreisen zuerleichtern, unterhielt sie dieselben, wie sie denn überhaupt nichts lieber als vongöttlichen Dingen redete, mit frommen Gesprächen, die sie mit angenehmer Hulduud Freundlichkeit mit ihnen wechselte und durch ihre Andacht auch die AndachtAnderer weckte.
Liebe und Verehrung der seligsten Jungfrau und Mutter Gottes Maria ist allenfrommen Seelen eigen, so daß man sie wohl für einen nothwendigen Zweig wahrerGottseligkeit ansehen kann. Auch dieser Zug frommer Seelen sticht in dem Gemäldeihrer Tugenden besonders hervor. In jedem Anliegen war Maria ihre Zuflucht. Anihren Festtagen war sie immer unter den Ersten in der Kirche, empfing die heiligeCommunion und ließ sich weder durch Kälte, noch durch andere Umstände abhalten,dem Gottesdienste bis zum Ende beizuwohnen, wobei ihre Andacht und ihr GebetseifcrJedermann auffiel.
*) Zwar können Geißelstreiche keinen Menschen eigentlich heiligen, wenn aber in der Vorzeitfromme Menschen ihren Leib in scharfer Zucht hielten, um ihn desto gewisser zum Gehorsam gegenden Geist zu zwingen, so mochte es wohl Gott wohlgefällig seyn. Selbst Paulus der erleuchteteWeltapostcl schreibt in seinem I. Briefe an die Colosser: „Ich züchtige meinen Leib und bezähme ihn,damit ich nicht, indem ich andern predige, selbst verwerflich werde."
*") JoShofcn, ein am linken Donauufer gelegenes Pfarrdorf, Bisthums Eichstädt, eine Stunde vonNeuburg entfernt. Die auf einem Felsen hart an der Donau gelegene Kirche ist in weiter Ferneersichtlich und besitzt einen Partikel des heiligen Kreuzes, zu dem früher stark gewallfahrtet wurde.
St. Salvator oder „Unser Herr", ein bei Hngolstadt gelegenes Psarrdorf imBisthume Eich-städt, mit einer früher stark besuchten Wallfahrt.
Lechfeld, ein ober Augsburg in Schwaben gelegenes Dorf mit einem 16L4 gestifteten Fran-ettctmkrklester und einer stark besuchten Wallfahrt z» Maria Hilf.