Ausgabe 
11 (22.6.1851) 25
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Dessen ungeachtet aber glaubte sie keineswegs, wie bisweilen weibliche Religio-sität zu glauben pflegt, daß in jenen unaufhörlichen Uebungen, im Beten und Ka-steien das ganze Wesen der christlichen Frömmigkeit und Vollkommenheit bestehe, nein,die meiste Sorgfalt verwendete sie, wie es alle ihre Schritte aussprachen, auf dieinnere Pflege der Tugend und jenen Dingen recht nachzukommen, die vom göttlichenGesetze oder vom heiligen Evangelium selbst vorgeschrieben sind. Die Wahrheit desapostolischen Grundsatzes:die wahre Frömmigkeit ist zu allem nütze," zeigte sich auchbei ihr im vollsten Lichte; denn sie war stets heiter und fröhlich und so viele Zeit sieauch den Uebungen der Andacht weihte, versäumte sie doch ihre zeitlichen Geschäftekeineswegs.

Magdalenens Krankheit, Tod und Begräbniß.

Sprach die fromme Fürstin ihre hohen Tugenden so deutlich in ihrem Leben aus,so mußte wohl ihr Sterben dieselben noch mehr bewähren und anschaulich machen.Hier am Sterbebette zeigen sich ihre Tugenden im hellsten Lichte und in der schönstenEinigung. Hier wird man erst den Geist, der in ihr wohnte, in seiner ganzen Eigen-thümlichkeit kennen lernen.

Nicht ungeprüst wollte der Herr seine Dienerin lassen und stellte sie daher aufeine strenge Probe, ob sie auch mit ihm leiden und als ein reines Gold befundenwerden könnte. Schon im Monate August des Jahres 1627 ward sie von einemhitzigen Fieber befallen, welches eine langsame Auszehrung zur Folge hatte und ihreGeduld und Gottergebenheit auf eine strenge Probe setzte. Dreizehn Monate langlitt sie, aber mit unermüdeter Geduld und Standhastigkeit, und ihr ausharrender, hei-terer Muth ging bis zum Erstaunen.

Anfangs hatte die Krankheit nichts sehr Beunruhigendes, endlich aber fühlte sie,daß die Gefahr immer näher komme und daß die Stunde ihrer Auflösung herannahe.Wie sie bisher bei allen Gefahren männliche Unerschrockenheit bewies, so verrieth sieauch jetzt, nachdem sie von den Aerzten und ihrem Beichtvater die Nothwendigkeit zusterben vernommen hatte, nicht die geringste Furcht. Beinahe lächelnd vernahm siedie Botschaft ihrer baldigen Auflösung und sprach zu ihrem Beichtvater:Ich fürchtemich nicht vor dem Tode, daher glaube ich, daß ich bald sterben werde." Man hörtekeinen Seufzer aus ihrem Munde, sie hatte das Cruzifirbild vor sich und in der Fülledes Trostes, den sie aus dieser Quelle sog, schien sie körperliche Leiden wenig zuachten. Ein neuer Beweis, daß der Geist Jesu die wahre Quelle der Heiterkeit sey.

Um nun daö irdische Leben mit so heiligem Sinne zu beschließen, als sie esgeführt hatte, entschlug sie sich aller irdischen Gedanken, Sorgen und Besuche und ihrGeist versank immer mehr in das Vorgefühl des Ewigen. Selbst der Anblick ihreseinzigen geliebten Sohnes, Philipp Wilhelm , den kindliche Ehrfurcht, Liebe und Dank-barkeit fast nicht vom Sterbebette der theuersten Mutter ließen und Thränen der Weh-muth ihm auspreßten, konnte ihre Standhastigkeit nicht erschüttern. Er erhielt noch vonihr den letzten mütterlichen Segen und Ermahnungen. Was sie ihrem Gemahle, dersich nothwendiger Angelegenheiten wegen in Düsseldorf befand, noch zu sagen wünschte,übertrug sie ihm und ihrem Beichtvater. Letzterm trug sie noch besonders zwei Sachenauf. Erstlich, daß er die Formel des katholischen Glaubensbekenntnisses, welche sieselbst geschrieben und beständig bei sich trug, auf ihre Brust lege und mit ihrem Leich-name sie in die Gruft gebracht werde; zweitens aber, daß ihr Leichnam unter Gebetder Geistlichen und des Volkes, ohne Lobrede oder rauschendes Gepränge, in allerStille in die Hofkirche gebracht werde. Jetzt verlangte sie, daß beide im Gebete sichmit ihr unterhalten sollten. Man betete den Rosenkranz , die Marianischen Tagzeiten,Litaneien und Sterbgebete. Am 25. September zur gewöhnlichen Stunde des Abend-essens sprach sie nochmal mit männlicher Standhastigkeit:Jetzt wird Zeit zumAbendessen, ich möchte nochmals das heilige Abendmahl empfangen." Sie söhnte sichnochmal durch daö heilige Sacrament der Buße, um möglichst rein vor dem ewigen