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Richter zu erscheinen, mit Gott aus und empfing dasselbe mit aller Inbrunst undAndacht, so wie die heilige Oelung.
Hierauf betete der Priester bald lateinisch, bald deutsch ihr vor und sie ihmnach. Manchmal unterhielt sie sich mit ihrem gekreuzigten Erlöser oder seiner jung-fräulichen Mutter, sprach den Namen Jesus ost mit sichtbarer Rührung aus, umfingund küßte mit Innigkeit öfters das Sterbekreuz, faltete ihre Hände auf die Brustund antwortete noch mit vollem Bewußtseyn auf den Versikel: „Lsto turris tortiw-cliriis! » kaeis inimiei."
So oft der Priester von Ergebenheit in Gottes heiligen Willen sprach, antwor-tete sie Amen, und zum Beweis ihrer letzten Aufopferung in den göttlichen Willenrief sie nochmals mit schwacher Stimme: Amen, Amen, neigte das Haupt und eswar geschehen. Ohne einen harten Zug, ohne Todeskampf wie es schien, entschliefsie sanft am 25. September 1628 Abends 7 Uhr an einem Sonntage uud ihre Seeleerschien vor dem Richterstuhle des Gekreuzigten, den sie ihr ganzes Leben hindurch sosehr geliebt hatte. Hiemit war die Tochter nach Versluß von zwei Jahren ihremVater in das Grab gefolgt.
So endete die beste Fürstin ihre Pilgerfahrt durch dieses Leben im einundvierzig-sten Jahre ihres Lebens und im fünfzehnten ihres Ehestandes. Stets strenge gegensich, wohlthätig gegen Andere, demüthig und bescheiden bei ihrer Größe; Hohen undNiedrigen höchst liebens- und verehrungswürdig, gegen Alle gütig und wohlwollend,kurz wie sich ein bewährter Zeuge ihres Lebens ausdrückt, eiu vollendetes Bild christ-licher Tugend (wie es nur einem Menschen möglich), das von der Mit- und Nach-welt wohl bewundert und nachgeahmt, aber nicht leicht erreicht werden kann. Dieschönste Lobrede auf den Tod der Verklärten war die allgemeine Trauer, die ihr Todverkündete. Kaum war nämlich ihr Hinscheiden bekannt, so brach Alles in Thränenaus. Die Armen und Nothleidenden jammerten laut durch die Straßen: O Gott,unsere Mutter ist hinweg! Unter dem Hofe aber, der um die Sterbende in dumpferWehmuth zusammengeströmt war, hörte man nur Eine Stimme, daß sie noch keinenMenschen gesehen hätten, der so fromm und christlich gestorben sey, wie Magdalena.Jeder wollte nun Lobredner der erblaßten Tugend seyn und erzählte die edlen Hand-lungen der Fürstin und offenbarte was er wußte und unzählige Werke kamen nun andas Licht, die ihre Bescheidenheit mit dem Schleier der Verborgenheit bedeckt hatte.Wenn aber der Tod nur eine Geburl zum ewigen Leben ist und der Christ nicht stirbt,sondern göttliches Leben in sich hat, kann man da nicht sagen, daß Magdalena indemAugenblicke, als sie das irdische Leben beschloß, erst recht angefangen habe zu leben?
Am 8. Oktober wurde ihr Leichnam, nachdem er fünfzehn Tage lang ausgesetztwar, in einem schwarzen religiösen Kleide, das sich die Selige bei Lebzeiten selbst ver-fertigt hatte, in Gegenwart des Prinzen Philipp Wilhelm (ihr Gemahl befand sichnoch in den Niederlanden), auf den Schultern der Jesuiten , unter den üblichen Leichen-gebräuchen und dem lauten Klagen uud Thränen der Hofleute und Einwohner derStadt, deren Jammern und Schluchzen sich in den düstern Ton der Kirchenglockenvermengte, in die Fürstengruft der Hofkirche gebracht.
Herzog Wolfgaug Wilhelm, den dringende Angelegenheiten in Düsseldorf zurück-hielten, da er von der bedenklichen Lage ihrer Krankheit in Kenntniß gesetzt wurde,ließ als ihr zärtlicher Gatte alles aufbieten, um sie beim Leben zu erhalten, und hättenmenschliche Pflege und Sorgfalt die Kranke retten können, sie hätte gewiß nicht soschnell im Grabe modern müssen. Er ließ in den Kirchen, im Waisenhause, in denKrankenhäusern um Wiederherstellung ihrer Gesundheit beten, aber es war vergebens,sie genas nicht mehr. Als er nun die Nachricht über den großen Verlust seiner Ge-mahlin erhielt, wer schildert die Trauer dieses Fürsten? Dem größten Schmerze sichüberlassend war er hierüber ganz untröstlich und beweinte bitter unter einem Stromevon Thränen diese musterhafte Frau, die ihm beständig so liebevoll zugethan war.Jetzt erst erkannte er den erlittenen unersetzlichen Verlust in seiner ganzen Größe. Dergroße Eindruck, den dieser Todesfall auf ihn machte, geht aus nachstehendem Briefe,