Ausgabe 
11 (22.6.1851) 25
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den er an seine in Höchstädt residirende Mutter schrieb, am Besten hervor. Derselbelautet:

Durchlauchtige Fürstini

Euer Gnaden sind mein Söhnlicher Gehorsam und was ich in schuldigerTreue mehr Liebes und Gutes vermag, jederzeit zuvor.

Gnädigste, geliebte Frau Mutter! Euer Gnaden kann ich aus hochbeküm-mertem Herzen klagend nicht verhalten, daß mir gestern von meinen zu Neuburg hinterlassenen Räthen Bericht zugekommen, daß den 24. dieß sich mit meinerweiland freundlichen, herzliebsten Gemahlin, der durchl. Fürstin Frau MagdalenaPfalzgräfin bei Rhein, in Bayern , zuJülich, Eleve und Berg Herzogin, Gräfinzu Veldenz, Sponheim der Mark Ravensberg und Wörs, Frau zu Rauhcnstein,geborne Pfalzgräfin bei Rhein, Herzogin in Ober- und Niederbayern , ziemlichlang verharrter Leibesschwachheit, ein gar zu gefährlicher Zustand sich angelassenund daß darauf Ihr Liebden, den folgenden Tag, als sie noch vorher gebeichtet,auch der heiligen Sacramente des Altares und der letzten Oelnng theilhaftiggeworden, diese Welt gesegnet und hoffentlich in die ewige Freude ihren Einganggenommen. Als ich dann den Allmächtigen bitten unv hoffen will, seine Allmachtwerde Ihrer Seele in Gnaden mildiglich pflegen und ihren Leib an dem großenTage neben mir und Allen, so im rechten Glauben und christlicher Liebe gottseligdahin sterben, eine fröhliche Auferstehung zu dem ewigen Leben verleihen. Undweil ich hier eine solche tugendhafte und heilige Fürstin und Ehegenossin zeitlichverloren, deren Gottesfurcht, Verstand und Tugenden allgemein bekannt sind,und der liebe Gott mir zu meinem höchsten Troste fünfzehn Jahre gegönnt hat,so haben Euer Gnaden leicht zu ermessen, wie schmerzlich mir solcher Verlust,da ich ihrer gottseligen und getreuen Anwohnnng nun auf dieser Welt beraubtseyn muß, sehr zu Herzen gehe. Dabei ich mich doch mit dem tröste, daß, obwohlder neidige Tod auf dieser Welt mich solcher gelreuen Gemahlin beraubt hat,dennoch derselbe nicht so mächtig seyn kann, mich der gewünschten und fröhlichen,auch Allen im rechten Glauben und in der Liebe des Nächsten absterbendenChristen, der versprochenen und von Christus selbst erworbenen Zusammenkunft,so ich in dem ewigen Leben, Freud und Herrlichkeit hoffe, zu berauben. DenAllmächtigen von Herzen bittend, daß er mich und Allen zu ihm gefälliger Zeiteine selige Nachfahrt verleihen und inmittels mich und meinen lieben Sohn, sodieses allzufrühen Absterbens halber betrübt ist, mit seinem starken Troste beistehenund das schwere Kreuz und Herzenleid tragen und überwinden helfe; auch michund alle, also auch Euer Liebden vor dergleichen und andern leidigen Zuständenund Beschwerden mildiglich bewahren und des ausgestandenen schweren Leides inanderweg erfreuen möge. Welches Euer Gnaden ich im Söhnlichen Gehorsamealso anfügen wollte, Deren ich mich zu beharrlicher mütterlicher Huld nebst denMeinigen gehorsamst empfehle

Düsseldorf , den 30. September 1628

gehorsamer Sohn

Wolfgang Wilhelm , Pfalzgraf.

Im Monate Juli des folgenden Jahres 1629 kam der Herzog nach Neuburg und gleich nach seiner Ankunft am 8. Juli wurden die Leichengottesdienste für seineverstorbene Gemahlin mit größter Feierlichkeit gehalten. Ein langer trauervoller Zugbewegte sich am genannten Tage still und langsam von der Residenz aus durch dieHauptstraße der Stadt nach der Hofkirche; der ganze Hof, die Bischöse Heinrich vonKnöringen von Augsburg, Johann Christoph von Westerstetten von Eichstädt undAlbert Törring von Regensburg, so wie die Reichsprälaten von St. Ulrich in Augs-burg und von Kaisheim , nebst einer ungemcin großen Anzahl naher und serner Geist-lichen, dann die Gesandten der fürstlichen Verwandten und eine unzählige Mengetheilnehmender und gerührter Menschen aus a-llen Ständen von nahe und ferne wohn-