Ausgabe 
11 (22.6.1851) 25
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ten demselben an. So langte man bei der Kirche an, die ganz mit schwarzen Tüchernausgeschlagen war, auf welchen sich verschiedene Sinnbilder und Inschriften, die sichauf die Verstorbene bezogen, befanden. Im Chor der Kirche war ein prachtvollesTrauergerüste errichtet, das auf acht Säulen ruhte und beinahe die Höhe der Kircheerreichte. Neben demselben standen auf Pyramiden mehrere Kronen, Wappen undsinnbildliche Darstellungen der Tugenden der Verewigten. Auch war das Ganze aufsGlänzendste erleuchtet und gewährte dem Auge einen äußerst imposanten Anblick.Nun begann das Todten-Officium, langsam und düster ertönte dabei der Psalmen-gesaug der zahlreichen Priester. Nach dessen Beendigung hielt der Bischof von Augs-burg als Ordinarius den eigentlichen Gottesdienst, unter welchem die übrigen Bischöfeund Prälaten das heilige Versöhnungsopser darbrachten. Auf denselben folgte dierührende und inhaltreiche Trauerrede, welche der Hosprediger P. Leonhard Creder, einein sehr geachteter Redner, hielt. Diese ließ dem allgemeinen Verlangen nach derHerzog drucken und sie fand reißenden Absatz, so wie auch die Inschriften sehr stark gesuchtund abgeschrieben wurden. Der ganze prächtig veranstaltete Trauerapparat war keines-wegs leereö Gepränge, er errinnerte an einen großen, allgemeinen, unersetzlichen Ver-lust, erneuerte das Schmerzgefühl, erschütterte die Herzen aller Anwesenden und feuch-tete aller Augen mit Thränen. Als am folgenden Tage der Gottesdienst eben so wiean dem vorhergehenden abgehalten war, so begab man sich in die Fürstengrust hinab.Besonders rührend und ergreifend war nun der Anblick, wie die versammelte Volks-menge tief in der Seele gerührt sich zu der Grabstätte der Seligen drängte, aber eSdurfte Niemand hinabgehen, außer die anwesenden Fürstenspersonen, die infulirtenHäupter und jene Jesuiten , die als Leichenträgcr bestimmt waren. Man stelle sich dieEmpfindungen des Bischofes von Regensburg vor, der vor zehn Jahren in Gegen-wart eben dieser Fürstin diese Gruft eingeweiht hatte. Als man zu dem Sarge kam,verrichtete der Bischof von Augsburg die gewöhnlichen Kirchengebete, die von den An-wesenden beantwortet wurden, und die Jesuiten trugen die Leiche auf ihren Schulternan den für sie bestimmten Platz. Einfach und bescheiden, wie sie im Leben gewesen,ist auch ihr Grab: ein kleines früher zugemauertes Gewölbe linker Seits des Gruft-Altares, vor welchem früher die aus braunem Marmor verfertigte Statue der heiligenMagdalena mit der Aufschrift:Uic jscet NgZäalona bavsra lulläatri'x", die gegen-wärtig in der Kirche oben zur linken Seite des Hochaltares ober ihrem Grabe ist,aufgestellt war. Lange wurde der Sarg, da eine Mauer vor dem Gewölbe aufgeführtwurde, vermißt. Erst im Monate October 1819 wurde derselbe entdeckt. Er istvon polirtem Zinn und enthält auf seinem Deckel folgende Inschrift: .MsZclslensKuilkelmi V et kengtse utriusczus Lsvsrise «Ziioum lllis, Wolsgsngi (-uilnelmi dom.?sl. vsv. 5ul, Lliv. Nont vueis eonjux, «sts Uonsollii snno AII)l.XXXVII IV Aon.lul. Obiit pie et caltwlice Neoburgi vsnudium 3imo NVLXXVIII VII Lsl.0et." *) Ober der Inschrift ist ein Kreuz, unter derselben ein Todtenkopf eingegraben.

Ihr Herz aber behielt einbalsamirt in einem silbernen Gefäße ihr Gemahl inseinem Kabinete bei sich. In Folge seines letzten Willens kam dasselbe nach seinemTode 1653 ebenfalls in die Gruft der Hofkirche zu Neuburg mit folgender Inschrift:

VVoI.fssnZVs VVIl.köImVsprlnLeps neobVrgensIs pstrlaset soLletstl lesV Lor plosllectV I.eZ»t. **)

Es ist jedoch nicht mehr daselbst vorhanden, sondern befindet sich nebst den Ein-geweiden in einer Flasche von Zinn mit der Aufschrift: Lor et visoera Nanse NsZ-

-) Magdalena, Tochter Wilhelm V. und Renatas, Herzogs von Ober- und Niedcrbayeru,Gemahlin Wolfgang Wilhelms, Pfalzgrafen bei Rhein, Herzogs von Bayern, Jülich , Clcve, Berg.Geboren zu Mimchen 153S den 4. Juli, fromm und katholisch gestorben -u Neuburq an der Donau 1623 am 25. September. / > »

-) Wolfgang Wilhelm Herzog zu Neuburg widmet dem Vaterlande und der Gesellschaft Jesu mit frommem Gefühle dieses Herz 16SS.