Eilfter Jahrgang.
Sonntags-Beiblatt
zur
Augsburger Pojheitung.
^t.^slZllf ikH Ztt ,^i?!'kli^ Kkvn l'HttMsMi!?» ltNiiA
L9. Juni M^- 2«. ^851.
Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige AbonncmentsvrcisM kr., wofür es durch alle königl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kann.
Amsterdam , 3. Juni. Unter diesem Datum hat das „Univers" Briefe auSHolland erhalten, welche Ereignisse der traurigsten Art verkünden. Wir bedauern,fügt das angezogene Journal hinzu, daß das Gesetz des Unterzeichnens unS nichterlaubt, sie so mitzutheilen, wie wir sie empfangen haben. Indem wir sie jedoch zuden unsrigen machen, wollen wir zuerst beiläufig bemerken, daß die folgenden Mit-theilungen aus einer Quelle fließen, welche allen Glauben verdient. Es ist eine aus-gemachte Thatsache, und in Holland selbst hegen viele in den politischen Angelegen-heiten erfahrene Männer keinen Zweifel mehr, daß im Schooße des holländischen Pro-testantismus eine große Arbeit vorgenommen wird, deren Ziel sehr einfach, wennauch die Art und Weise, wie man dasselbe zu erreichen sucht, sehr mannigfach ist.Man will nämlich den Katholicismus vernichten, oder ihn zum wenigsten so knechten,daß seine gänzliche Zerstörung — so schmeichelt man sich — nach einiger Zeit nichtausbleiben kann. Die großen Begünstiger dieses Unternehmens sind jedenfalls diegeheimen Gesellschaften, aber sie sind eS nicht allein. Zuvörderst wollen wir einigeSymptome andeuten, welche das verrathen, was im Rathe der Rädelsführer, dieder Haß gegen Rom fast verzehrt, vorgeht; hieraus kann man ungefähr schließen,welches Loos man den Katholiken der Niederlande zu bereiten sucht. Lassen wir aberdenen Gerechtigkeit widerfahren, welchen diese gebührt. Man wird sich wahrscheinlichwundern, wenn wir behaupten, daß dem liberalen Ministerium und einer großenAnzahl von Männern, welche die liberale Partei in den Generalstaaten repräsentiren,besonders die Achtung der holländischen Katholiken gebührt. Hier ist die Mehrzahlder Mitglieder der liberalen Partei weit entfernt, so absolut zu verfahren, weder inihren Grundsätzen, noch in ihren Bestrebungen, noch auf sonst irgenv eine Weise.Ueber das Ende, welches der Liberalismus im absoluten Sinne nimmt, kann mansich keine Illusionen machen. Die in jenen Ländern, wo der absolute Liberalismuszur Herrschast gelangt ist, gemachten Erfahrungen haben es gezeigt, wenn die Theo-rien es auch nicht bezeugten. Der Liberalismus der holländischen Regierungsparteiist von diesem jedoch himmelweit verschieden. Durch den Einfluß des Charakters derNation modificirt und gemäßigt, ist der Liberalismus in den Niederlanden sehr gelinde,und strebt durchaus nicht nach der Verwirklichung der unsinnigen Träumereien derStaatssuprematie, welche ihn in andern Ländern überall auszeichnen. Die Bestre-bungen eines niederländischen Liberalen gehen, im Allgemeinen genommen, dahin,den Boden von den alten oligarchischen Institutionen zu säubern, welche der prote-stantischen Herrschaft allein nützten, und die dieselbe um jeden Preis fortwährenderhalten wissen wollte. Das Benehmen deS Ministeriums und der ministeriellen Parteiin den Kammern läßt ebenfalls hoffen, daß sie den Wünschen der Katholiken Gerech-