Ausgabe 
11 (29.6.1851) 26
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sie dieselben aufrecht, bestärken nnd beschützen sie. So ist es denn gekommen, daßriese Gesellschaften, welche ursprünglich aus prolestaulischen Predigern zusammengesetztwaren, welche den Verlust ihrer Revenuen noch mehr befürchteten, als den FortschrittdeS KatholiciSmnS, Leute ohne Glauben und Gesetz, denen der katholische Glaubeund die katholische Moral Schrecken einjagt, nun auch eine große Anzahl hochstehen-der Personen in ihrer Mitte zählten. ES ist dieses wohl zu bemerken, denn diesePersonen bekleiden hohe Aemter, nähern sich dem Könige, und sind seine vertrautenFreunde; sie suchen ihre eigenen Gesinnungen dem Herzen deS Königs mitzutheilen,und daS wird früh oder spät die traurigsten Folgen hervorrufen, nicht allein für dieDynastie, sondern für das ganze Land. Diese Folgen lassen sich mit Bestimmtheitvorhersehen, wenn man bedenkt, was sich unlängst in der Hauptstadt zugetragen hat.Der König gab bei seinem zeitweiligen Aufenthalte in dieser Stadt verschiedenen Per-sonen und Deputationen Audienz. Für die Deputation der protestantischen Predigerwußte er kaum genug höfliche Worte zu finden, und munterte sie auf zum Kampfe,den sie mit den Katholiken aufgenommen hätten. Dagegen wurde die Deputation derkatholischen Geistlichkeit, welche aus den achtbarsten Priestern der Hauptstadt zusam-mengesetzt war, kalt und auf eine so abstoßende Weise empfangen, daß in Zukunftder katholische Priester seines Charakters wegen wird Anstand nehmen müssen, sichzu den königlichen Audienzen zu begeben, in der bloßen Absicht, den König zubegrüßen. Traurige und gefährliche Wirkungen des Einflusses, den Leute, die durchdie beklagenswcrthcsten Leidenschaften geblendet sind, auf ihn ausüben. Das Mini-sterium und die Majorität, welche dasselbe in den Kammern unterstützt, sinv eben so,wie die Katholiken, den geheimen protestantischen Gesellschaften und den Rationalisten,die den Eifer für den Protestantismus vorschützen, nm ihren Haß gegen die Katho-liken zu verbergen, ein Gegenstand des Abscheues. Denn sie haben keine Hoffnung,daß der Premierminister Herr Thorbecke mit ihnen jemals gemeinsame Sache machen,oder daß er ihre Bemühungen, die protestantische Suprematie wieder herzustellen, undden Geist der Verfolgung zu erneuern, unterstützen wird. Herrn Thorbecke und seinenFreunden scheint nichts mehr am Herzen zu liegen, als Allen gerecht zu seyn, denProtestanten sowohl, als auch den Katholiken. Das mißfällt den geheimen Gesell-schaften, und daher wird die Abneigung derselben gegen Herrn Thorbecke und seineCollegen von Tag zu Tag größer. Der Haß dieser unglücklichen Sectirer ist daSgrößte Lob, welches man dem gegenwärtigen Ministerium und seinen Freunden in derKammer zollen kann. Wir haben schon bemerkt, daß Leute, die wegen ihres Unglau-bens die Anhänger deS ausgeprägtesten Liberalismus seyn müßten, sich im Gegen-theile den absolutesten Monarchisten zugesellen. Diese, nämlich die orthodoxen Prote-stanten, die Anhänger der Artikel der Synode von Dortrccbt, Freunde der vor derEmancipation der Katholiken im Jahre 1793 gegebenen Berfassuug, sind weit entfernt,die Hilfe, welche die rationalistischen Protestanten allen denen zu leiste» scheinen, diemit ihnen die politische und sociale Unterdrückung der Katholiken so sehr anstreben, zuverschmähen. In der Religion, in der Politik, in den socialen Ansichten haben sieuntereinander Nichts gemein, kein Band, welches sie aneinander fesselt; aber der Haßgegen den Katholicismus macht alle Zwistigkeiten verschwinden, er ist daS gemeinsameTerrain, auf dem sich die entgegengesetztesten Geister erkennen und die Hand reichen.Kann man nun glauben, daß sie bald dasselbe Banner aufpflanzen, und daß die inso vielen Beziehungen unversöhnlichen Feinde nochmal den Befehlen desselben FührersFolge leisten werden? Wir befürchten eS. Die Orthodoren sprechen von den gehei-men Gesellschaften mit der größten Schonung, und scheinen die Bestrebungen dersel-ben so viel als möglich eher zn rechtfertigen, als zn verdammen. Nach dem Geständ-nisse einer großen Anzahl von Protestanten ist der Chef der geheimen Gesellschaft,Van Dam van Seselt, Mitglied der zweiten Kammer, moralisch vernichtet, und zwardurch die Stöße, die er von allen Seiten erhalten hat, zuletzt und besonders nochvon dem Autor der Broschüre:lllno söunro cl<z Ik> 5<>«-i6t6 schrote I^m'tgs," Sohaben nun diese Verbindungen durch ihre Organe Herrn Groen de Prinsterer, das