Ausgabe 
11 (29.6.1851) 26
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Oberhaupt einer orthodoxen Faction, eingeladen, sich an die Spitze der Armee zustellen, welche Rom auf Leben und Tod bekämpfen, und ihre Befehle mit unerschütter-licher Treue befolgen will. ES ist also höchst wahrscheinlich, daß sich diese feind-lichen Kräfte eines Tags verbinden werden, um die niederländischen Katholiken zuvernichten: diese dürfen sich sicherlich kampfbereit halten, und Europa wird ein skan-dalöses Schauspiel sehen. Aber an jenem Tage wird auch die Partei, die heuteHolland regiert, mit den Katholiken zugleich fallen oder siegen. Nach Allem, wasman hört, scheint der Augenblick eines entscheidenden Kampfes heranzunahen. Solltees wohl wahr seyn, was man versichert, daß man bereits einen Staatsstreich vorbe-reitet, der die Katholiken sowohl, als auch die ministerielle Partei vernichten soll,und daß dieser Staatsstreich von einigen konservativen vorbereitet wird, die ehemalsLiberale waren, und sich nun auf die Orthodoxen und einige Mitglieder der geheimenGesellschaften stützen, und daß alle Anstalten diesen Streich, der dem Lande die Con-stitution von 1314 wieder geben soll, schon getroffen, und sogar weit vorgerückt sind?Sollte eS, wie man versichert, wirklich wahr seyn, daß man ernstlich daran denkt,das Ministerium zu entlasse», die Kammern auszulösen, und das Grundgesetz von1348 über Bord zu werfen, daß man von Neuem erklären will, der König müssesich zur reformirten Religion bekennen? Wir wagen es nicht zu behaupten. So vielist aber gewiß, nnd höhern OrtS ist bereits Rede davon gewesen, daß man auf dieUnterstützung einer hohen Person rechnet, welche unglücklicher Weise nur für dieProtestanten Sympathien hegt, nämlich für die drei Fünftel des holländischen Volkes,und welche, wie eS scheint, die Katholiken, die übrigen beiden Fünftel der Nation,von sich abwenden will. Wir wollen indeß glaube», daß sie die Interessen deS Lan-des und ihrer Dynastie zu gut kennt, und daher so unglückselige Vorschläge mitSchaudern zurückweisen wird. Gott gebe, daß eS doch noch nicht so weit gekommenist, wie man versichert, oder daß die frühzeitige Veröffentlichung so schmählicherPläne dieselben vernichten möge. Die Lage ist eine ernste, und verdient von alleneinsichtsvollen Männern der Niederlande wohl erwogen zu werden.

DaS Kirchenfest in Salzburg .

Gmunden am Traunsee , 3. Juni.Da ich heute von einem Ausflüge nach Salzburg komme und dort Zeuge einesgroßen kirchlichen Festes gewesen bin, so mag es Ihnen vielleicht lieb seyn, wennich dieser Feier mit kurzen Worten gedenke. Am 1. d., vorgestern, empfing der vompäpstlichen Stuhle confirmirte Fürsterzbischof von Salzburg , Maximilian Josephvon Tarnoczy, die bischöfliche Weihe, gestern daS Pallium. Der Bischof von Lavant,ein ausgezeichneter Kanzelredner, hielt am Sonntag um 8 Uhr die Predigt in derDomkirche. Leider hinderte mich meine entfernte und erhöhte Stellung in einem derbeiden Oratorien des Chors, der Predigt zu folgen. Mir gegenüber nahm das andereOratorium die bekanntlich in den Schooß der katholischen Kirche zurückgekehrte Gräf «lich von Lippe'scke Familie ein; morgen wird, wie ich vernommen, der Graf nebstzweien seiner Kinder von Sr. Eminenz dem Cardinal Fürsten Schwarzei.bcrg daSSacrament der Firmung empfangen. Graf von der Lippe wohnt gegenwärtig einStündchen oberhalb Salzburg auf dem Kreuzhofe z eS ist eine wunderschöne Gegend,und besonders der Besuch des kaiserlichen Schlößchens Hellbrunn jedem Reisenden zuempfehlen. Indessen, ich habe von dem Feste in der Domkirche zu melden. Als diePredigt beendigt war, läuteten alle Glocken des DomS, und das hohe Domcapitel,der Herr Prälat von Sr. Peter mit den Geistlichen seines Stiftes, dieses Stifthat nämlich das Vorrecht dcö unmittelbaren Anschlusses an das Domcapitel, sernerdie geistlichen Räthe und Ruraldecane und vann der gesammte übrige Klerus vonStadt und Land versammelten sich in den Chorstühlen. Vor 9 Uhr zog dieser ver-sammelte Klerus feierlich zu den sürsterzbischöflichen Gemächern (in der k. k. Residenz),