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wo sich die an dem Acte bethciligten Bischöfe bereits versammelt hatten. Von hierauS begaben sich nun die Bischöfe mit dem KleruS in höchst feierlichem und glänzen-dem Zuge in die Kathedrale. Die ProccssionSordming war diese: der Träger desCapitelkreuzes mit zwei Akolythen, die fürsterzbischöflichen Alumnen, der gcsammteSäcularklerus, die Herrn geistlichen Räthe, die Geistlichkeit der beiden CollegiatstisteSeekirchen und Mattscn, die Stiftsadministration mit dem Prior von Michaelbcuern,die StiftSgeistlichkeit von St. Peter in Flocken, das Domcapitel in cgppa; nun folg-ten der Cardinal und der Fürsterzbischof, in Begleitung der Fürstbischöfe von Trient und von Sekkau, dcS Bischofes von Lavant und deS Weihbischofes von Salzburg .Der Fürstbischof halte ungefähr dieselbe Tracht, wie der Cardinal; ob als leggtusnsws, ich weiß es nicht. Die Handlung war überaus feierlich; ich habe gleichenund ähnlichen Festen nicht selten beigewohnt, aber ich erinnere mich kaum, diese Ein-drücke empfangen zu haben. Da ich ein Pontificale Romanum bei mir hatte —Dank der Gefälligkeit eines dem Fürstbischöfe nahestehenden Priesters — so konnteich Wort für Wort der heiligen Handlung folgen; die Kirche erscheint auch hier soerhaben und so schön, daß die bloße Lesung Geist und Herz bewältigen müßte.Dazu nun der alle Sinne dem Dienste des Geistes unterwerfende riws der Kirche,der dnrch eine fromme Strenge zugleich vollendete und geheiligte Zauber der Trachten,der Farben, der Haltung, der Bewegungen Und endlich, was den Act zu einemdurchaus einzigen stempelte, die Persönlichkeit des Kardinals. Komme man, woherman wolle, glaube, denke man, waS man wolle, wer diesen Mann sieht und hört,und noch einen Funken von guter Art und reiner Bestrebung in sich trägt, dessenHerz wird er unfehlbar an sich ziehen. Der Cardinal ist ein schöner Mann, vonstattlichem, schlankem Bau, er scheint jünger, als er ist, kaum verräih hier und daein weißeS Haar, daß er die eigentliche Jugendzeit deS LebenS beschlossen hat. Erist durch und durch Fürst, und doch ist keine Faser in ihm, die nicht von der Weiheseines hochpriesterlichen Standes durchdrungen wäre; der Fürst ist nicht dem Bischöfegewichen, aber der Fürst ist ganz Bischof. Wer mehr will, will weniger. DerCardinal ist aber als Bischof nicht bloß Fürst geblieben, er ist Alles geblieben, waöer je gewesen; der erhabene Kirchenfürst, der gewandte, ritterliche Edelmann ist zu-gleich ein überaus liebenswürdiger Mensch; ja mehr, als daö, in dem kirchlichenOberhirtcn, in dem Manne von vollendeter reifer Weltbildung steckt noch jetzt oaSKind, so unversehrt, so lauter, daß man den Mann kaum sehen kann, ohne dieMutter herbeizuwünschen, um mit ihr deS Sohnes froh zu seyn.
Gestern, am Montage, empfing der neugeweihle Fürstbischof das Pallium.DaS Fest begann um 7 Uhr; von der Sludienkirche aus bewegte sich eine glänzendeProcession zur Domkirche, voran die Zünfte, Bruderschaften, die Schulen mit Ein^schluß deö Gymnastums, dann die Klostergeistlichen, der Pfarrklcrus, die Alumnen,die StiftSgeistlichkeit von St. Peter, daö hohe Domcapitel, dabei zwei das Palliumund die Bullen tragende Domherren, endlich der Fürsterzbischof und die übrigen Bi-schöfe (der Cardinal nahm an der Procession nicht Theil), und den Schluß bildetender Gemeinderath und andere Honoratioren der Stadt. Se. Eminenz der Cardinalerschienen in der Kirche, wurden zu dem Hochaltare geleitet und begannen das Hoch-amt zur Anrufung deS heiligen Geistes, und nach Beendigung desselben hängte erals päpstlicher Kommissär das Pallium über die Schultern des vor dem Altare kniecn-den FürsterzbischofS.
So ist also der Stuhl von Salzburg wieder besetzt. Man kann nicht sagen,daß das Fest ein ungetrübt freudiges gewesen. Wo ein Cardinal Schwarzen bergscheidet, da läßt sich unmöglich alle Trauer unterdrücken. Maximilian Joseph besitzt,wie man überall vernimmt, sehr ausgezeichnete Eigenschaften; sein Erscheinen verrätheinen Mann von großer Einsicht, von ernstem Charakter und praktischer Tüchtigkeit.Er ist von mittlerer Größe, fest, behend; er erinnert an den hochwürdigsten Bischofvon Münster , hat aber auch manche frappante Ähnlichkeit mit einem berühmten deut-schen Cardinale, der Ihnen persönlich wohl bekannt ist. — Unter den assistirenden