Ausgabe 
11 (29.6.1851) 26
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Bischöfen, die alle mit Einschluß des WeihbischofeS auf mich einen sehr wohlthuendenEindruck »icichten, kann ich nicht umhin, von dem Fürstbischöfe von Grätz besonderszu sprechen. Daö ist ein Mann! Welche gemessene Kraft, welche Nnhe, welcheKlarheit und Einfachheit! Als ich Clemens August vor mehr als zwanzig Jahren inMünster zuerst sah, war ich ganz ähnlich berührt.IXem.ini 5«zvumlu5" so lautetein Urtheil eines hohen kirchlichen Würdeträgers, der, obwohl fremd, das katholischeDeutschland , wie kein Anderer, kennt. Wie der Cardinal Fürst Schwarzenberg sichüber den Fürstbischof Rauscher auSspricht, darf ich vielleicht, ohne indiscret zu seyn,Ihnen nicht mittheilen. Aber da wir uns in den größten geistigen Kämpfen bewegen,so kann ich doch nicht mit vollem Stillschweigen an den größten geistigen Kräften,an den Feldherren der Kirche vorübergehen, die vielleicht bald auch die Märtyrer desneuen Deutschlands seyn werden. Erlauben Sie mir, diese Kirchenfürsten, die inSalzburg auch berathend versammelt waren, dem Geber Ihrer Leser zu empfehlen,sie und ihre Gebiete und das ganze Oesterreich. (D. Volks!).)

Die Mission in Speyer .

Speyer, am Abende des Fronleichnamsfestes. Die Mission der Väter Jesui-ten ist zu Ende, und ich berichte Ihnen sogleich unter den Eindrücken des Tages.Wohl war schon am verflossenen Sonntage der Dom nicht fähig die Menge der her-beiströmenden Menschen zu fassen, und die Theilnahme täglich, namentlich von Badenher, besonders zum Empfange der heiligen Sacramente, im Zunehmen. Der heutigeTag aber entwickelte hier eine Erscheinung, wie sie vielleicht seit Jahrhunderten dasreligiöse Leben unserer Gegend nicht aufweisen kann, Wohl gegen 15,000, sagesünfzehntausend fremde Menschen, wenn nicht noch mehr, mögen sich heute dahier zu-sammengefunden haben. Daß der Dom nur die kleinere Menge fassen konnte, istbegreiflich. Wer Speyer und seine lange, gerade und breite Hauptstraße kennt, wirdeinen Begriff von der Menge erhalten, wenn ich sage, daß diese ganz voll erfülltwar, sammt dem Dome und seinen freien Plätzen. Es war darum auch im Domeselbst eine unbeschreibliche Anfüllung und Ohnmachten nicht seilen. Beim glänzendenZuge der Prvcession konnte sich nur die kleinere Zahl gehörig entwickeln uud am Zugebetheiligen. Namentlich waren viele Mannheimer aus den bessern Ständen gekom-men, so viele, daß der Eisenbahnzug nach Speyer im eigentlichen Sinne des Wortesganz überfüllt gewesen seyn soll. DaS beste Zeugniß dafür, was die Mission inMannheim gewirkr!

Pater Roder hielt die drei Schlußpredigten, in denen er ganz ausgezeichnetsprach. Die tiefste Erregung war sichtlbar; alle, auch die härtesten Naturen wurdengebrochen. Leget Menschenfurchl ab; seyd beharrlich; liebet Christum ; seyo katholisch,waren die Themata. Als er von den Gegenständen, welche er dem Gebete empfehle,in der Schlußpredigt sprach, und da namentlich unser deutsches Vaterland her-vorhob, welches einstenS die auSerwählle Nation Gottes im Neuen Bnnde und derSchrecken seiner Feinde gewesen, nun aber wegen seiner Sünden so gesunken und derSpott und die Verachtung der Welt geworden sey; da mußte jedes Auge in Thränenschwimmen. So hatten sich denn die Missionäre die ungetheilte Liebe und Verehrunggewonnen. Küsse als Verehrungszeichen sind dem Pfälzcr eben nicht gelegen; alsPater Noder den Dom nach der letzten Predigt verließ, drängte sich aber Alles hin,feine Hände zn küssen. So haben denn auch die Bürger, so haben die Jungfrauenihm nach dem Schlüsse der Mission in Deputationen feierliche Danksagungen abgestat-tet, die Mädchen Kränze und Guirlanden dargebracht. Welcher Enthusiasmus unterder katholischen Menge herrschte, die einer kleinen Völkerwanderung zu vergleichenwar; welches selige Bewußtseyn es sey, innerhalb der Kirche einem Vereine anzuge-hören, der von Gott gestiftet an den Pforten der Ewigkeit steht, und selbst ewig undgöttlich eine sel'ge E>vigkeit allen seinen Gliedern verbürgt: dieß konnte nnr gesehen,aber nicht beschrieben werden. Und bei dieser Menge nicht die geringste Unordnung,