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kein Fluchen, Schelten, Stoßen, keine Trunkenheit; Aller Gesichter freudestrahlendund die Herzen friedenerfüllt — kurzum es war ein Festtag der reinsten, edelsten,ächtchristlichen Huiuauität. Derselbe Geist ging durch die Theilnehmer aus allenClassen und Bilduugsstufen. Professoren, Beamte und Taglöhner, Damen undMägve, alle Classen und Stände waren dabei vertreten. AuerkennuugSwerth ist abernamentlich auch das edle Benehmen der protestantischen Bevölkerung,welche nicht bloß zahlreich an den Predigten Theil nahm, sondern auch nicht durchden mindesten Mißklang die Freude uud die religiöse Weihe ihrer Mitbürger uudMitmenschen störte. Von Rohheiten oder Demonstrationen im Sinne uud Geiste der„Speyerer Zeituug" war eben so wenig etwas zu schauen, als von dem von ihrprophezeiten Glüheuden-Zangen-Zwicken der Jesuiten . So verlief sich die ganze Mis-sion ohne den geringsten Unfall, ohne die mindeste Störung. Es war innere undäußere Harmonie.
Wohl berichtet die Speyerer Zeitung vom 13. Juni: die Mission sey „gegenden Willen des Herrn v. Hohe," unseres Regierungspräsidenten, abgehalten worden,und daS rothe Blatt scheint sich etwaö zu Gute darauf zu thun, einmal mit Herrnv. Hohe einstimmig zu seyn. Wir können nicht sagen, ob DaS vollkommen begrün-det sey; aber EiueS wissen wir, daß eS wohl nichts gibt, was jeden Verständigenmehr über die Missionen belehren könnte, als eben diese Stellung der Demokratie zuihr. Herr v. Höbe wird sich wohl für die Ehre bedanken, hierin mit der Speyerer Zeitung übereinzustimmen. Wir halten auch unsern Präsidenten für einen zu gewieg-ten Staatsmann, als daß er einen solchen Bund deS schaalsten Zvpf-BureaukratiSmuSmit der rothen Demagogie (welcher bei einem Bekämpfen oder Chikaniren, oder poli-zeilichen Jnvigiliren der Mission doch wieder augewendet seyn müßte) nicht in seinemWerthe und seiner rechten Bedeutung erkennen und von sich stoßen sollte. In gewissenSphären in München mag unter bekannten Einflüssen wohl wieder die chikanöseStrategie gegen die Kirche beliebt und versucht werden; Herr v. Hohe ist nicht sobefangen, in der Knechtung des Religiösen durch die Polizei das Heil des Staateszu suchen. So waren denn auch Militär- und Gcudarmeriepersonen nur als Christenan der Mission autheilnehmend zu erblickeu. Rühmend muß noch hervorgehoben wer-den, daß der hochwürdigste Herr Bischos und sein ganzes Capitel, so wie die gesammteGeistlichkeit der Stadt ununterbrochen allen Predigten und gottcSvienstlichen Verrich-tungen der Mission beiwohnten uud durch ihr Beispiel das Volk nicht wenig erbaute».Am letzten Tage war eS trotz der hiesigen zahlreichen Geistlichkeit rein unmöglich dieBeichten aller hierzu Bereiten abzunehmen. Hunderte konnten nicht ankommen. WieeS darum mit dem kirchlichen Leben der Katholiken bei uns stehe, mögen Sie hierausentnehmen. (M. I.)
Das Vincenz- und Elisabethen-Hospital in Mainz .
Dr. Heurich gibt (in den Rheinischen Blättern) folgendes kuud: „Nach mit ganzunbedeutenden Symptomen aufgetretener, kaum halbtägiger Erkrankung wurde am Abendedes 3V. Mai ein hiesiger Arbeiter von der Wasserscheu befalle». Da ich michals Arzt drmgend verpflichtet fühlte, seine Umgebung und Nachbarschaft gegen jedemögliche Gefahr so schnell wie thunllch sicher zu stellen, so verfügte ich mich augen-blicklich in daS Vincenz-Hospital und muß gestehen, daß ich durch die freundlichsteBereitwilligkeit der Schwester Oberin, den Kranken augenblicklich aufzunehmen, ausdas Angenehmste überrascht war. Die Schwester Oberin hat ausschließlich und ganzallein diesen Kranken gepflegt und bedient; und ich gestehe cS offen, ich bin in Ver-legenheit, mit welchen Worten ich die Saiiftmuth, die Geduld, die Selbstaufopferungdieser eben so würdevollen alö demüthigen Pflegerin auösprcchen soll. Alle ärztlichenVorschriften wurden von ihr mit so großer Pünkllichkeit, Verständigkeit, Schnelligkeitund Gewandtheit ausgeführt, daß auch der größte ärztliche Pedant nichts zu tadelngehabt haben würde. Mehr aber vielleicht als unsere Arzneien haben die würdevollen