Eilfter «Jahrgang.
Sonntags-Beiblatt
zur
Angsburger Pojtzeitung.
6. Juli 27. 185.1.
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Katholisches Leben in einer französischen Provinzialstadt. *)
Vom Berge St. Quintln herab sieht man in einer geräumigen von Hügelnumschlossenen, von der Mosel in mehreren Armen durchfurchten Ebene die alteBischofsstadt Metz an beiden Ufern und über die Inseln des .Flusses ausgebrei-tet liegen. Der gewaltige schwarze Dom gebietet noch jetzt in so vornehmerRuhe über alles andere neuere Bauwerk, daß selbst die vielen starken, jetzt gegenDeutschland gerichteten Festungswerke von der Stadt den alten kirchlichen Ausdruckund Charakter nicht ganz zu nehmen vermögen. Vom heiligen Clemens herab, dessensteinerner Thron noch heute im Dom bewahrt wird, alle Jahrhunderte hindurch legeneinzelne Denkmale Zeugniß ab von der bischöflichen Macht und Fürsorge, bis nochein Bischof aus dem Hause Coislin unter Ludwig XV. eine große Caserne, die einganzes Stadtviertel ausfüllt, auS eigenen Mitteln erbaute, um die Bürger von derLast der HauSeinau,articrung zu befreien.
Hier in Metz weilte oft unser großer erster Karl, nahe den Stamm-gütern seiner Ahnen, unter welchen der heilige Arnulf selbst ein Bischof von Metz war, in dem Mittelpuncte seines Reiches, in dem austrasischen Lande, daS, dertreueste Ausdruck der Verschmelzung germanischen und gallisch-römischen Wesens, spätervon seinem Enkel Lothar den Namen für alle Zeiten beibehalten sollte. Hier auchweilte einst der vierte Karl, fern von der böhmischen, aber nahe der luxembur-gischen Heimat, als er, umgeben vom glänzendsten Hofstaat aus allen wälschenVasallenlanden, dem heiligen römischen Reiche deutscher Nation die letzten Capitelder goldenen Bulle verkündigte, in deren Eingang für eine lange Zukunft die Weissa-gung gilt: „Jedes in sich gespaltene Reich wird verwüstet werden, denn die Fürsten desselben sind Gesellen der Räuber geworden, weßhalb der Herr unter sie den GeistdeS Schwindels gemischt hat, daß sie am Mittage wie in der Finsterniß tappen...Du Neid hast daS christliche Reich, das auf Glaube, Hoffnung und Liebe gebautwar,... in Trümmer zu stürzen versucht!" Hier endlich stand auf demselben St.QuintinSberge zuletzt noch Kaiser Karl V. , als der allerunheilbarste Spalt schondurch Deutschlands Herz gegangen war, als er, selbst durch Kummer uud Kranlheitgebrochen, zur Belagerung von Metz und zur Wiedereroberung auS den Händen derFranzosen fast verzweifelnd die letzten Anstrengungen machte; aber vergeblich, denndie deutsche Nation schien ihr eigenes heiliges Reich schon nicht mehr zu wollen und
") Aus dem „Katholiken." Der vorliegende Aussatz rührt, so viel wir wissen, von einem aus-gezeichneten deutschen Staatsmanne her, der einen der berühmtesten Namen der Gegenwart trägt, unddürfte das Seinige dazu beitragen, manche Vorurtheile zu zerstreue», die sich bis jetzt noch in katho-lischen und protestantischen Kreisen geltend zu machen suchen.