211
Garnison, ist für die Stadt von großem Gewichte und spielt durch die vielen einemgroßen Waffenplatze eigenthümlichen Anstalten, worunter die höchste Artillerie- undGcnieschule (keole cl'gppliestion), eine bevorzugte Rolle.
Die städtische Bevölkerung theilt sich in folgende Kirchspiele, wovon jedes seinenPfarrer und mehrere Vicare hat. ^otre Dame, 8t. Mrtin, 8t. Noximin, 8t. ku-cairo, 8t. 86goIöno, 8t. Vineent, 8t. 8imon. Durch den Umstand, daß der Dom,der dem Bischof und Capitel allein gehört, keine eigne Gemeinde bildet, erklärt essich, daß die weiten und herrlichen Hallen dieser Wohnung des Herrn an Menschenmeist sehr verödet erscheinen; in den leeren Seircngängen sind Berge von käuflichenStühlen aufgethürmt, aber trotz dem, daß täglich von den Domherren ein Hochamtgehalten und Chor gesungen wird, sind die Räume doch nur bei besondern größernGelegenheiten oder in den Predigten während der großen Kirchenzeiten einigermaßenausgefüllt. Die ganze innere Ausstattung, selbst Ordnung und Reinlichkeit lassenviel zu wünschen übrig und erst allmälig wird cS dem gegenwärtigen Herrn Bischofgelingen, dem praktischen WohlthätigkeitSsinn die Richtung auf diese ästhetische An-forderung zu geben. Noch weniger Hoffnung ist zum Ausbau der Kathedrale vor-handen, an deren reinem und kühnem gothischen Schwung Ludwig XV. durch einganz unpassendes antikes Portal und die Neuzeit durch den kindischen Aufsatz einerdünnen Spitze auf die noch stumpfe erste Hälfte des einen Thurms, sich gröblich ver-sündigt haben. Für jetzt werden wenigstens die Glasmalereien der Riesenfenster inden Seitenschiffen nnd im Chor gereinigt und rcstaurirt. Wie gesagt, der Sinn derMetzcr ist nicht nach den idealen Höhen der Dome gerichtet; die kirchliche Heimat derkatholischen Familien ist die rmroissez im täglichen Leben muß bei den Franzosen dieKunst und selbst die Wissenschaft nachstehen der Uebung, der simeti^ue. Man übtdie Religion ganz oder man hat gar keine; die breite Mittelstraße wird den Deutschenüberlassen. Dieß ist französische Ansicht, aber auch Thatsache , uuv gilt vorzüglichauch von der Geistlichkeit. Es wird vielleicht nicht schwer seyn aus dem Klerus vonganz Deutschland 50 Namen zu nennen, die durch Tiefe, Geist oder andere besondreGaben in erster Linie überall anerkannt werden; aber der französische KleruS ist ganzwie auS einem Guß und verdient jetzt, wie ich glaube, seinen Ruhm der Disciplin,deS Eifers und der Sittenreinheit in hohem Grade. Ein für den heiligen Kampfgeweihtes Heer, welches seit 60 Jahren unausgesetzt im Angesichte deS Feindes steht,kann wohl nicht viele Streiter zählen, die keinen wahren Beruf im Herzen, die nurzum Lebensunterhalt oder gar zu Paraden den Waffendienst gewählt haben. Dasungeheure, aber seltene Triumphgeschrei des Feindes, sobald ein Einziger, der Got-teSfahne untreu, aus dem Lager entweicht oder nur um einen Schritt sich verirrt, istwohl die sicherste Bürgschaft für die geringe Zahl der Ausnahme und für die Soli-darität der Mannözucht. Die strenge äußere Sitte, die gleichartige Tracht sind wohlnur äußere Bürgschaften und Stützen ; sie geben vielleicht nicht daS Recht, von einemanders und verschiedenartig gekleideten KleruS die geringe Meinung zu hegen, daßnur Mangel an Achtung des eigenen Standes und Menschensurcht ihn abHalle, überallund immer Priester seyn zu wollen; aber gewiß ist es, daß der französische Klerusmit jenen äußern Mitteln und mit jener rücksichtslosen Festigkeit sich zu einer unab-hängigen äußern Stellung und zur Anerkennung von Freund oder Feind curchgckämvflhat; daß die von Jugend auf geübte strenge Gewohnheit nicht bloß einen äußernHalt, sondern auch eine Schule des innern Lebens und der Demuth enthält. In derneuern Zeit, besonders aber seit der Februarrevolution ist auch die gallicanische Rich-tung und die bei der Geistlichkeit sehr unpassende Nalionalitätseilelleil im Abnehmenbegriffen. Die Diöcese Metz, die mehr als zur Hälfte deutsch ist und mit Trier inso mannigfacher Berührung steht, bildet eine sehr erfreuliche Vermittlung beider Na-tionalitäten. Schon zwei Obere deS bischöflichen Seminars waren geborne Deulscheund haben sich um diese gegenseitige Verständigung wahre Verdienste erworben. Manwürde sich auch sehr irren, wenn man in diesen Seminarien, welche nach den Um-rissen des tridentinischen Concils, in Frankreich besonders durch die von Olier gegrün-