Ausgabe 
11 (6.7.1851) 27
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212
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SIS

dete Schule in 8t. Sulpice ihr Gepräge erhielten, bei der Priestcrjugend Träumereiund finsteren Zwang zu finden vermuthete. Wenn einmal der Beruf erwacht, derMuth zur Vcrzichtleistuug gesaßt ist, so sind die Uebungen der täglichen Entsagungstets mit denen der größten Thätigkeit gepaart und jeder Fortschritt wird durch grö-ßere Geisteöfreihcit, Festigkeit und Ruhe belohnt. Allerdings herrscht in Frankreich nicht, wie bei der deutschen Bureaucratie, die Ansicht vor, daß die dem Priesternöthige Mcnschenkenntniß am sichersten dadurch erworben werde, daß junge Leute,bevor sie noch vorbereitet und sittlich gestählt sind, von vornherein der Wasser- undFeuerprobe eines meist heidnischen Gymnasial-Unterrichts und den Gefahren der Be-rührung mit jeder Gemeinheit deS Studcntcnlebens überantwortet werden. Bei allerAnerkennung für die Zahl derjenigen, welche in Deutschland auS diesen grausamenPrüfungen geläutert hervorgehen und sich gleichsam selbst erzogen haben, gibt manin Frankreich doch für die Mehrzahl dem zuverlässigern Wege der Vorbildung durchdie kleinen Seminarien den Vorzug, wo immerhin den Knaben selbst und ihren Elterneine lange und vielsältige Probe vor der Entscheidung über den Lebensberuf gelassenist. Nur stufenweise und mit langsamer Eingewöhnung in die Weihen deS innernLebens nähert sich der junge Priester seinem heiligen Ziel und die Welt kommt end-lich mit ihm erst dann in Berührung, wenn er nichts mehr von ihr erwartet undverlangt. Daher kömmt eS, daß wie in Metz die Priester eines ganzen Sprengelsderselbe Geist belebt, dieselbe Pietät gegen den Oberhirten, unter dessen Obhut undLeitung ganze Generationen ausgewachsen sind, dessen Wünsche und Entscheidungensie wie die eineS VaterS ehren; dadurch kommt eS, daß Priester auS dieser Schuleder Selbstverläugnung sich niemals zu einer Beförderung, eS sey denn Missionenüber'S Meer, ungefragt melden, sondern die Entscheidung über den Ort ihres Lebens-opferS von höherer Hand abwarten. Daß aber, eben so wie die Geistlichkeit füreinen Nachwuchs von gleichem Schlag bemüht ist, auch daS Volk solche entschiedenePriester schätzt und verlangt, dafür ist ein Beweis, daß der gegenwärtige Herr Bischofvon Metz, der fromme und gelehrte, über alles aber milde Ns^r. vurwnt «lo5 l^ogssin diesem Augenblick denken kann, für sein Knabenseminar in der Nähe der Stadtein großartiges Gebäude, daS auf mehrere hunderttausend Franken angeschlagen wird,allein auS dem Ertrag von freiwilligen Sammlungen in der Diöcese neu zu erbauen.

(Fortsetzung folgt.)

Forschungen in den Katakomben.

Rom , i0. Juni.

Der rühmlichst bekannte Pater Marchi aus der Gesellschaft Jesu und der Cav.Joh. Bapt. de Rossi theilen in der letzten Nummer derCivilts Cattolica"folgenden höchst interessanten Bericht mit über ihre dießjährigen Forschungen in denKatakomben:

Wie von jeher üblich, wurden auch in diesem Jahre mit dem Verlauf deSMonats Mai die jährlichen Nachgrabungen beschlossen, welche die Päpste mit demGelde der apostolischen Datarie seit zwei und einem halben Jahrhundert in den ehr-würdigen Begräbnißstätten deS unterirdischen RomS anstellen lassen. 5) In den sechsverflossenen Monaten haben wir in sünf dieser Begräbnißstätten beträchtliche Arbeitenausführen können, und zwar in der von Saiurninus in der neuen Via Salaria, vonSt. AgneS an der Nomentana, von St. MarcellinuS uud PetruS an der Labicana,von St. SirtuS zwischen der Via Latina und Appia , von St. PrätertatuS rechtsvon der Via Appia . -

Vier dieser unterirdischen Begräbnißstätten waren bereits hinreichend bekannt

") Sobald,die heiße Sommersaison eintritt, können die Arbeiten in den Katakomben ohne diegrößte Gefahr nicht mehr fortgesetzt werden, weil die Lust in denselben sofort Fieber erzeugt.