Ausgabe 
11 (6.7.1851) 27
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vor dem geöffneten Portale auf dem Paradeplatze stehen. Trotz dieser Theilnahmewar der Eindruck in den ersten Tagen bei Weitem nicht der beste, vielmehr zeigtesich Unwillen und Aufregung, wie das sehr natürlich ist. Aber schon gegen Endeder Woche wurde die Stimmung eine andere. Es wäre auch mehr als zu verwun-dern und gewiß ein trauriges Zeichen für eine Stadt, wenn man den Vortragen deSPater Zobel, den man wohl einen gcbornen Missionär nennen kann, widerstehenkönnte. Wer nicht fortgerissen wird durch die Kraft der Ueberzeugung, mit welcherdieser für die heilige Sache glühende Sendbote spricht, der wird sicher erschüttert underweicht durch seine unermüdete Anstrengung und Aufopferung. Leider sind durch diesortgesetzte Anstrengung seine Brust und sein Hals so afficirt, daß eine stehende Hei-serkeit ihm die abendlichen Vorträge sehr erschwert. Nichts desto weniger spricht erjeden Abend fünf Viertel bis anderthalb Stunden und sitzt von früh Morgens bisspät AbendS im Beichtstuhle. Dieser seiner sich ganz hingebenden Aufopferung fürdas Gute, so wie dem uuermüdeten Eifer der übrigen Patres, deren Vorträge ebenso gern gehört werden, ist eS wohl zuzuschreiben, daß seit dem Anfange dieser Wocheunsere Mission eine vollkommen gelungene genannt werden kann. Die sieben Missio-näre nebst den drei Pfarrgeistlichen von hier sitzen von Morgens bis AbendS fastununterbrochen im Beichtstuhle. Die Theilnahme, besonders der Männer auSallen Ständen ist eine großartige und rührende. Die Zufriedenheit, ja die Liebezu den Missionären wird täglich größer und fehlt es nicht an Beweisen dieser Liebe.So war z. B. heute Morgen schon um vier Uhr der Weg aus dem Pfarrhause indie Kirche mit Rosen bestreut. Ich verspreche mir eine großartige Schlußfeierlichkeit,welche am 6. Juli, dem Feste Mariä Heimsuchung, stattfinden wird. Weil diefranzösische Sprache hier neben der deutschen noch gleiche Rechte behauptet und eSnoch Manche hier gibt, die nur französisch sprechen, so wird vom folgenden Montagab jeden Tag außer den drei deutschen noch eine französische Predigt gehalten werden.Die vier letzten Tage der Mission werden wahrscheinlich der hiesigen Garnison, diejetzt überwiegend katholisch ist, gewidmet seyn. (M. I.)

Münster , 14. Juni. Vor einigen Tagen nahm der bisherige Pfarrer vonHopsten, Richard Freiherr von Ketteler, Abschied von Westfalen , um seine Reisenach Tyrol zu den Kapuzinern anzutreten. Vor ungefähr zwölf Jahren stand er nochals Ofsicier bei den blauen Husaren in Düsseldorf , er nahm seinen Abschied, studirteTheologie, trat in das Priesterseminar zu Münster , ward Caplan, dann Pfarrer,ging init den Soldaten aus Westfalen als Seelsorger nach Holstein und Jütland ,ritt kühn mitten im Kugelregen mit der Stola bekleidet an ihrer Seite, half auf demSchlachtfelde den Verwundeten und Sterbenden, ward Ritter des rothen Adlerordens,sollte zum Propste in Berlin ernannt werden und gab zur Antwort:Ich werde einarmer Capuziner." Bei seinem Abschiede als Officier ließ einer seiner Vorgesetz-ten die bittere Bemerkung fallen:Ihre Aussicht im geistlichen Stande ist nicht gün-stig, denn der Erzbischof von Köln ist noch jung." Er gab zur Antwort:Siehaben meine Beförderung nicht zu fürchten, denn ich will so katholisch leben, daß ichbei dem jetzigen System niemals persons Zrats werde; ich verlange nichts, alsden Himmel von der Barmherzigkeit Gottes." Durch seinen Eintritt in das Novi-ziat der Capuziner hat er seine damalige Aussage bestätigt. In der letzten ZeitlaS er fleißig das Leben des heil. Gottfried, Grafen von Kappenberg, der mit seinemBruder Otto zur Zeit des heil. Norbertuö so viel für Westfalen gewirkt. Nach ihremBeispiele verlangte er alles Besitzthum der Welt abzustreifen. In unserer materiellenund durchaus selbstsüchtigen Zeit gereicht unS ein solcher Entschluß und seine festeAusführung zu desto größerer Freude. Gott wird'S lohnen. (D. V.H.)

Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen.

VerlagS-Jnhaber: F. C. Kremer