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Justin im Jahre i67 in seiner Schutzschrift der Christen: „Wenn man Einige.findet, die nicht so leben, wie Christus lehrte, so muß man die nichtfür Christen halten, wenn sie auch getauft sind und die Lehre Christiim Munde führen; denn JesuS hat nicht dem mündlichen Bekennt-nisse, sondern nur Jenen den Himmel versprochen, die wie Jesus leben."
Wer in den Himmel eingehen will, muß heilig, d. h. ohne schwere Sündeleben, nach der Lehre und dem Beispiele Jesu , und für die Wirkung der Sacramen-talien empfänglich seyn. So lebten die Christen in den ersten und alle Gerechten inden folgenden Jahrhunderten, und in diesem Glauben, der sich durch einen heiligenLebenswandel zu erkennen gab, liegt der Grund der Wirksamkeit der von ihnengebrauchten Sacramentalien. Seit der Zeit, als die Christen nicht mehr heilignach der Lehre nnd dem Beispiele Jesu leben, bleiben die Sacramentalien ohne Wir-kung. Solchen bloßen Namenchristen hat aber JesnS, schreibt der heilige MärtyrerJustin mit den Aposteln, auch den Himmel nicht versprochen.
Christen, bei denen der Gebrauch der Sacramentalien ohne alle Wirkung bleibt,sind daher in großem Irrthume, wenn sie glauben, doch in den Himmel kommen zukönnen, und daher gegen sie gleichgiltig sind. Damit wollen wir aber nicht sagen,daß die Sacramentalien in allen Anliegen sich wirksam erzeigen müßten; denn vonKrankheiten und andern zeitlichen Prüfungen und gerechte» Züchtigungen wird Gott uns nur dann durch sie befreien, wenn sie zu unsrer Besserung und Vervollkommnungnicht mehr nöthig sind., Wenn aber die Sacramentalien anch unwirksam bleiben,wenn sie angewendet werden als Schutz- und Bewahrungsmittel gegen Versuchungenund Sünden, dann glauben wir die Unwirksamkeit derselben und die Gleichgiltigkeitgegen sie als Kennzeichen der Nothwendigkeit der Buße durch wirkliche Erneuerungdes Taufbundes ansehen müssen, die in wahrer Bekehrung zu Gott besteht, welcheaber nur von einer kleinen Anzahl erfolgt seit der Zeit, als die heilige Taufe denKindern nach ihrer Geburt ertheilt wird. Die ersten Christen, denen man erst nachgründlicher Bekehrung zn Gott die heilige Taufe ertheilte, erneuerten nicht nur jähr-lich am Tage des Empfangs derselben, sondern an allen Sonntagen bei dem heiligenMeßopfer das Versprechen, dem Teufel, seinen Versuchungen, und der Gemeinschaftmit seinen Anhängern nach der Ermahnung des Apostels (2. Thess. 3, 6.) zu ent-sagen und aus Liebe zu Gott die Lehre Jesu zu befolgen. Sie glaubten, daß ihnenohne vorhergehende Besserung die vor der Taufe begangenen Sünden durch sie nichtnachgelassen, und ihnen ohne heiligen Lebenswandel der versprochene Himmel nichtzu Theil werde. Wie zur Zeit Jesu die Juden durch die Beschneidung sich fürSöhne Abrahams hielten, ohne die Werke Abrahams zn thun; so hoffen jetzt diemeisten Christen den Himmel, weil sie als Kinder getauft worden sind, dem Meß-opfer und den Predigten beiwohnen, und die heiligen Sacramente empfangen. Zwarsollte jever Empfang des BußsacramenteS eine Erneuerung des TaufbundeS seyn,weil auch die nach der Taufe begangenen Sünden durch die Lossprechung des Prie-sters ohne vorhergehende Besserung nicht nachgelassen werden; eS werden aber vonden Meisten von einer Beicht zur andern die alten Sünden der Hoffart, der Gottes-lästerung, der Unzucht, wenigstens durch unkcusche Reden, der Unmäßigkeit, derHabsucht, Feindschaft u. s. f. begangen. Man glaubt, mit dem gegebenen Verspre-chen, daß man sich bessern wolle, schon Verzeihung der Sünden zu erhalten. Wiewenig solche Namenchristen über die durch die Taufe übernommene Verpflichtung einesheiligen Lebens, um durch sie in den Himmel eingehen zu können, nachdenken,kann man daraus erkennen, daß die meisten Söhne und Töchter, so wie die Haus-väter, vou den bekannten Tugendbündnissen nichts wissen wollen, obgleich man denHimmel nicht erlangt, wenn man die Satzungen dieser Bündnisse, die nur die christ-lichen Standespflichten enthalten, wozu die heilige Taufe sie verpflichtet, nicht befolgt.Man will der Kleiderhoffart in Seide, Gold und Silber, den künstlichen Haargeflech-ten, welche die Apostel verbieten (1. Tim. 2, 9.; 1. Petr. 3, 3.), den Bekannt-