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schaften, den Tanzgesellschaften, den Besuchen der Personen deö andern Geschlechtes,den Spiel- und Trinkgelagen, welche Werke des Satans sind, und womit der Sonntagentheiligt wird, nicht entsagen, noch weniger will man durch AndachtSübungcn, Lesen>» geistlichen Büchern, den oftmaligen Empfang der heiligen Sacramente, durchSelvstverläugnuug und Abtödtung, nach der Lehre und dem Beispiele Jesu , einheiliges Leben führen, wozu doch die empfangene heilige Taufe jeden Christen nachder Lehre der Apostel verpflichtet.
Da ohne heiligen Lebenswandel, nach dem Beispiele Jesu und der Christenin den ersten Jahrhunderten, der Gebrauch der Sacramentalien der Kirche, ausMangel an lebendigem Glauben, ohne Wirkung bleibt, so wollen wir noch auf dieVerpflichtung durch die empfangene Taufe zu einem heiligen Leben aufmerksammachen, um zur Buße zu bewegen, welche die Kinder schon bedürfen durch Unter-werfung ihres Willens und ihrer Neigungen unter Gottes Willen, um so mehr, danur Jenen durch die Taufe der Himmel verheißen ist, die nach der Lehre und demBeispiele Jesu heilig leben.
Möchten wir, um den Sacramentalien Wirksamkeit zu geben und unsre Er-wählung zum Himmel durch die Taufe sicher zu stellen, folgende Ermahnungen derApostel so beherzigen, als wollten wir uns durch ihre Befolgung erst deS Empfangsder Taufe würdig machen, um die verminderte oder Verlorne Gnade derselben durchden würdigen Empfang deS Bußsacramentes wieder zu erhalten! — Der ApostelPaulus sagt: „Wisset ihr nicht, daß wir Alle, die wir in Christo Jesugetauft sind, in seinem Tode (daß auch wir der Sünde absterben sollen)getauft worden sind? Wie ChristnS von den Todten auferstandenist, sollen auch wir im neuen Leben wandeln" (Rom. 6, 3. 4.). „IhrAlle, die ihr in Christo getauft seyd, habt Christum angezogen"(Gal. 3, 27.). Jesum Christum ziehen wir nur dann an, wenn wir die heiligenGesinnungen Jesu annehmen, und, wie er, ein heiliges Leben führen. Daherschreibt der Apostel an die Epheser, welche die heilige Taufe empfangen hatten:„Seyd also Nachahmer Gottes. Unzucht und jede Unreinigkeit, oderGeiz werde unter euch nicht einmal genannt, wie es Heiligen ge-ziemt, noch komme vor unkeusche Reden, Zotten und Possen. DenndaS sollet ihr wissen und wohl bedenken, daß kein Unzüchtiger oderGeiziger einen Erbtheil am Reiche Christi und GotteS habe" (Eph. 5,1—5.). „Die Christo (durch Nachfolge) angehören, kreuzigen ihr Fleischsammt den Lüsten und Begierden" (Gal. 5, 24.). Wie JesuS von den Welt-freuden dachte, lehren folgende Worte: „Hütet euch, daß eure Herzen nichtetwa beschwert werden durch Nöllerei, Trunkenheit und irdischeSorgen und jener Tag euch plötzlich überrasche" (Luk.2l, 34.). „Weheuch, ihr Reichen! ihr habt euren Trost! Weh euch, die ihr gesättigtseyd (die ihr eure irdischen Wünsche immer erfüllt seht, alle Weltverguügen genießet),ihr werdet hungern. Weh euch, die ihr jetzt lachet (und tanzet im Ge-nusse der Welt); denn ihr werdet trauern und weinen (in der Hölle).Weh euch, wenn euch die (Welt)-Menschcn loben" (Luk. 6, 24-26.).
Der heilige Apostel Petrus ermähnte die Christen mit diesen Worten zu einemheiligen Wandel: „Ergebet euch nicht mehr den Lüsten, wie vorher ineurer Unwissenheit (als Heiden), sondern wie der heilig ist, der euchberufen hat (durch die Taufe), so sollet auch ihr heilig werden in euremganzen Wandel" (1. Petr. 1, 14. 15.). Um sie noch mehr dazu zu bewegen,erinnerte er sie an den großen Gerichtstag und an die Verbrennung der Erde durchdas Feuer, und setzte dann hinzu: „Da diesem Allem eine Zerstörung bevor-steht, wie sehr sollt ihr euch bestreben, im heiligen Wandel und inGottseligkeit zu leben" (2. Petr. 3, 11.).
Um wie viel mehr sollen dieß wir thun, da wir der Ankunft des Antichrists,dessen Lehre vom Genusse der Welt ohne Selbstverläugnung von seinen Vorgängern