Ausgabe 
11 (13.7.1851) 28
Seite
222
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lichen streng untergeordnet, ohne jemals selbst Priester zu werden oder irgend eineBeförderung, oder einen persönlichen Vorzug, oder irgend ein Eigenthum erhalten zukönnen; die in derselben Stadt angestellten Brüder lebe» zusammen in einem Hause,wo sie zur MittagSmahlzcit und am Abend wieder zusammen kommen, haben aberden ganzen Tag über nicht die Stärkung, Erholung und Freude des gemeinsamenLebens wie andere Klosterleute, sondern alle Laste» und Verdienste, auf welche unsrebureaukratischen weltlichen Schullehrcr ihre täglich wachsenden Ansprüche an die ganzebürgerliche Gesellschaft, ihren Beruf zur Beglückung, und daher zur Leitung undRegierung der Völker mit Ungestüm gründen. Während nun dieses Wunder sich voraller Welt Augen in dem nahen Frankreich wirklich ereignet, bleibt für unS die Be-handlung und Bezahlung der zur guten Hälfte aufwieglerischen Schulmeister nach wievor ein Problem der Polizei- und Finanzwissenschaft, der Gegenstand zahlloser Ge-setzentwürfe, Reden, Schriften, Berichte und schlafloser Nächte unserer Staatsmänner!Weit leichter, weit allgemeiner als für die männliche Jugend, wird in Frankreich jetzt daS Bedürfniß einer strengreligiösen Erziehung für die weibliche empfunden. Wiebei unö fühlen alle Wohldeukenden, daß eigentlich die christliche Familie die Jung-frauen und die künftigen jungen Frauen allein bilden sollte. Aber wie viele selbstverständige, selbst fromme Mütter müssen sich sagen, daß sie zu dieser Aufgabe nichtden Beruf, nicht den Gleichmut!), nicht die nöthige Charakterstärke, oder nicht dieZeit und die Mittel haben. Weltliche Institute, deren Ruf in der Regel doch nurauf der zufälligen ephemeren Wirksamkeit einer einzigen, wenn auch noch so begabtenPersönlichkeit bernht, können ohne den Schatz lebendiger Ueberlieferung, ohne dieMittel steter innerer Wiedergeburt, ohne die Ergänzung und den Nachwuchs ausdemselben innigen Geiste, wie solche allein bei religiösen Körperschaften möglich sind,nie und nimmermehr die gleichen Bürgschaften geben, geschweige denn die himmlisch,reine Atmosphäre ersetzen, in welcher die zarten Blüthen durch den Thau deS Gebetsso vieler vereinigter heiliger Seelen erfrischt, vor den Insekten und dem heißen HauchdeS allzufrühen Sturmes in wunderbarer Unschuld behütet bleiben.

(Fortsetzung folgt.)

Pater JgnatiuS a Sto. Paulo.

Der berühmte Sohn Lord Spencer'S, der vormalige anglikanische Pfarrer, jetztPater JgnatiuS a Sto. Paulo, Proprovincial der Congregation der Passionisten inEngland , hat vielleicht'mehr als irgend einer seiner Zeitgenossen für die BekehrungEnglands gethan. Seine Hauptwaffe im Kampfe gegen den Irrglauben ist daSGebet. Er bildet überall Gebetvereine, und wendet sich zu diesem Zwecke nicht alleinan die Katholiken, sondern in gleicher Weise auch an die Protestanten. Vielleichtwird in den nächsten Monaten die Hand deS einfachen liebevollen Pilgers an dieThüre manches protestantischen Predigers anklopfen. Wer ihn aufnimmt, wird schwer-lich der Bitte widerstehen können, daß er seine Gemeinde einladen möge zu einerdauernden GebetSvereinigung mit den englischen Mönchen. Wie Vater JgnatiuS dieseDinge behandelt, mag man aus einem Aufrufe ersehen, den er in England erlassenhat, und den wir in deutscher Uebersetzung unsern Lesern hier mittheilen wollen:

Vorschlägezur Ausgleichung unserer religiösen Spaltungen.

ES wird von allen Seiten anerkannt, daß die religiösen Zwistigkeiten, welcheunter unS bestehen, wie mit ihnen nothwendig eine Störung unseres Verhältnisseszu Gott und eine Verkennung göttlicher Wahrheit verbunden ist, auch den Völkerngroße gegenwärtige Uebel bereiten, und künftig die Quelle noch größerer Uebel zuwerden drohen, nicht allein geistlicher, sondern auch politischer, socialer und moralischer.

Darum mache ich den Vorschlag, daß alle Diejenigen, welche in diesen Landenan das Daseyn Gottes glauben, sich bewegen lassen, täglich Gott zu bitten, daß Er