Ausgabe 
11 (20.7.1851) 29
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Selbst" undIch" ganz vergessen, für andere zu leben und in diesen jugendlichenAndern den Heiland zu bedienen, zu ehren und immer zu lieben lehrt. Außer diesergleichen Widmung für die Erziehung der Jugend besteht zwischen bciven Orten wederin Metz noch anderwärts eine engere Verbindung. Die Väter linsen nicht einmaldie regelmäßigen Beichtväter der Damenklöster seyn, sondern nur die jährlichen geist-lichen Uebungen für die Zöglinge sowohl als für die Klosterfrauen selbst halten.Der Hausgeistliche oer Anstalt wirv von dem Bischof auö den Weltpriestern und zwarunter vielen sorgfältig gewählt und eigens angestellt.

Nur in katholischen Ländern, wo auf die Frage:wozu bist du erschaffen?"einfach und frisch geantwortet wird:um Gott zu erkennen, zu lieben und zn dienen;"nur in katholischen Familien kann der Begriff eines weiblichen religiösen LebenslaufeS,kann dessen Erkenntniß und Fvlgeleiftung eine rücksichtslose Geltung haben. Derabstracle Beruf zum Unterricht ist allerdings nicht häufig, nicht unmittelbar undselbstständig in die weibliche Natur gelegt; er läßt sich auch weder erzwingen nochandichten. Aber es ist auch nicht der abstracte Beruf zum Lehrfach, sondern der leben-dige Ruf des Herrn zu seinem eigenen Dienste, zu dem Dienste in seinen Kindern,denen ihr Erbthcil, das Himmelreich, offen gehalten werden soll, es ist die unwider-stehliche Stimme des guten Hirten, der die liebende Seele bei ihrem Namen ruft,daß sie aus Dankbarkeit für das eigene Glück der Erkenntniß, ohne Zögern, mit demfreudigen Opfer von Schönheit und Jugend auch andern zeigen muß, Gott zu erken--nen, zn lieben und zu dienen, sobald, so weit und so wie er es gerade will. Wenndann auch die innern und äußern Kämpfe nicht mit einem Male weggenommen sind,so findet doch jeder Erdensieg schon hier seine Himmelskrone, uuv ein Heimweh zurückmich der überwundenen Welt ist unerhört. Hier werden zahlreiche Stimmen aus derWelt, auS der überwindlich gebliebenen Welt vielleicht einwerfen:Aber der Berufder Mädchen ist das Hcirathen und die Familie; Nonnen zu werden ist für sie nichtnatürlich; wie kann man auch seine Töchter solchen der Welt unkunvigen Nonnenanvertrauen, die wahrscheinlich ihr Möglichstes thun werden, ikncn künstlich gleich-falls diesen Beruf aufzudrängen?" Auf den ersten Einwurf ist nicht viel Anderes zuerwidern, als daß die hier angerufene Natnr, welche übrigens die Bestimmung derMenschen nicht gleich, sondern mannigfaltig erscheinen läßt, nicht das höchste Gesetzist in den Augen von Christen, deren eigentliche und letzte Bestimmung vielleicht eineübernatürliche ist; daß auch die wahre christliche Ehe eine übernatürliche Weihe nndErgebenheit, also eine Vorschule verlangt, wodurch die eigenwillige Natnr gebrochenwirv, und daß endlich die unfreiwillige, ungeweihte Ehelosigkeit der auf's Heiralhenallein abgerichteten und vertrösteten Mädchdn eine wachsende trostlose Plage der Gesell-schaft wird.

Solche Eltern, welche einen religiösen Beruf ihrer Töchter überhaupt für un-zulässig oder für ein Unglück halten, mögen allerdings wohl daran thnn, sie nichtin die Lage zu setzen, die 'Stimme des guten Hirten zu vernehmen und das ernste,doch so liebevolle Vorbild seiner Bräute täglich vor Augen zu haben. Für schwan-kende Gemüther möge jedoch der zweite Einwurf hier einer bestimmtern Beruhigungbegegnen. Abgesehen davon, daß das beschauliche Leben den Geist und dessen That-kraft durchaus nicht schwächt und daß auö solcher Schule, wie leicht nachzuweisen,schaffende Geister vorzugsweise hervorgehen, sind die Vorsteherinnen der Erziehungs-klöster der Welt so wenig unkundig, daß sie den Eltern oft auf den ersten Blick an-sehen oder am ersten Brief durchfühlen, in welcher irdischen oder ge stigen Luftschichtesie leben; auch nehmen sie wie natürlich auf bestimmte Familienverhältnisse und beson-dere Wünsche gern alle Rücksicht, da ja sonst wiederholte Klagen dem Kloster, alsErziehungsanstalt, das Vertrauen weit und breit entziehen würden. Aber es ist anchin der That die Gefahr nicht groß, daß die Bäume in den Himmel wachsen, und nichtallein, daß der Beruf mit dem vollen guten Willen schwer und selten ist, auch demguten Willen fehlen oft noch die Fähigkeiten, so daß manche jnnge Postulantin nachwenigen Tagen verzichten muß, unter den Novizen aber weit mehrere als nicht bc-