SS8
fähigt entlassen werden, als aus eigener Enttäuschung zurücktreten. Wenn die Novi-zen nach zweijähriger Prvbe in den Noviziaten zu Paris oder Kinzheim (in der Nähevon Colmar) ihr erstes Gelübde auf sechs Jahre abgelegt haben und eingekleidet sind,werden sie nach Maßgabe ihrer besondern Eigenschaften durch die Generalvbcrin ineines der 6V Häuser abgesandt, wo sie dann als Damen ihre Nummer in derGemeinschaft uud ihre Verwendung im Pensionate von der örtlichen Oberin erhaltenund die Mauern der neuen Heimat nicht wieder verlassen, als mit dem Tode oderdurch Abberufung und Versetzung in ein anderes Haus, was zuweilen sehr plötzlichgeschieht. Als Unterlehrerin unter der steten Leitung älterer Damen macht die Ncu-eingetretene dann ihre ersten praktischen Proben; sie erhält nicht einmal eine eigeneZelle, da sie als Aufseherin in einem der Schlafsäle zubringt, und die Lossagung vonaller Gewohnheit des Eigenthums geht so weit, daß während Kleidung und Wäschenur von der Gemeinschaft verwaltet und herausgegeben wird, die Klosterfrauen,welche noch keine eigene Zelle habe», keinen andern Ort als ihre Schlafstelle, auchzur Aufbewahrung ihres Gebetbuchs, als ihnen eigen benutzen können. Aber mitwelcher bewundernden Aufmerksamkeit, mit welcher Rührung werden solche kleine Zügevon den Kindern, welche oft nicht viel jünger sind, als ihre Vorbilder, beobachtetund durch liebevolle Folgsamkeit belohnt; die Entdeckung einer einzigen schweren, dochstillen Entsagung wirkt oft tiefer, als sonst die Lehre einer ganzen Woche.
(Fortsetzung folgt.)
Das hundertjährige Jubiläum der Hofkirche in Dresden .
Dresden . Am Sonntag den 29. Juni feierte die hiesige katholische Gemeindedas hundertjährige Jubiläum der Einweihung ihres herrlichen Gottes-hauses, der königl. katholischen Hof- und Pfarrkirche, dieser Zierde un-serer freundlichen Stadt. Die Geschichte dieses prachtvollen Tempels muß jeden katho-lischen Christen mit dem innigsten Danke erfüllen gegen den Gründer desselben, derdieses Denkmal seiner Frömmigkeit so prachtvoll ausstattete, gegen dessen Nachfolgerund alle Glieder des königl. Hauses, welche zur Herstellung und Erhaltung eineswürdevollen Gottesdienstes in demselben unablässig beitrugen, gegen den König, wel-cher erst bei der jüngsten Restaurirung des Innern der Kirche für die Ausschmückungder Altäre, Capellen u. s. w. die größten Opfer brachte, aber auch gegen die Re-gierung, welche zu dieser Erneuerung einen nicht unansehnlichen Beilrag aus derStaatscasse bewilligte. ES war also diese Jubelfeier recht eigentlich ein Fest, anwelchem die Dresdener katholische Gemeinde ihren Dank und ihre Freude an den Tagzu legen halte, und von diesem Grundsatze scheint die Festordnung ausgegangen zuseyn, welche der hochwürdigste Herr Bischof entworfen hatte. Ihre Majestäten, derKönig und die Königin, so wie die übrigen in Dresden anwesenden hohen Mitgliederder königl. Familie nahmen in ihren Oratorien an der Feierlichkeit Theil, der Hof-staat befand sich in den südlichen Logen der Kirche, in den nördlichen wohnten derFeierlichkeit, welche von Morgens 10 bis 12 Uhr dauerte, als eingeladene Gäste bei:die Herren Minister, viele Herren Officiere, Räthe der höbern Kollegien, und imNamen des Stadtrathes von Dresden , welcher ein sehr entsprechendes Glückwunsch-schreiben geschickt hatte, Herr Bürgermeister Ritter :c. Pfotcnhauer.
Die Feierlichkeiten begannen mit einer großen Procession, welche, nachdem sieam Hauptporlale die Ankunft deS hochwürdigsten Herrn Bischofs erwartet hatte, sichdurch die ganze Kirche an alle Altare bewegte, vor denen die üblichen Ceremonienstattfanden. Die Spitze der Procession bildeten in sür das Auge höchst wohlthuenderWeise die weiblichen Zöglinge des hiesigen katholischen Stiftes, dann Mädchen ausden andern katholischen Schulen, weiß und grün gekleidet; — zwei von ihnen trugenje ein weißes grüneingefaßtes AtlaSkissen, auf deren einem sich „Worte des Dankes"ein Gedicht im Namen der Gemeinde Sr. Majestät dem Könige gewidmet, welches