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dasselbe Kind später mündlich an Se. Majestät richtete, auf deren andern, sich derNamenSzug Sr. Majestät in Blumen befand. Ihnen folgten Knaben, dann die Leh-rer der hiesigen katholischen Schulen, und zwischen dem bisher genannten Theile desZuges vier prachtvolle Fahnen. Den Lehrern folgten die Kirchen- und Schulväter,dann zwölf besuchende, hiesige und fremde Priester, ihnen die zehn amtirendcn Geist-lichen, endlich der hochwürdigste Herr Bischof; den Schluß machten eine Anzahl durchKarten besonders eingeladener Honoratioren der hiesigen katholischen Gemeinde, inerster Reihe Se. Erlaucht Graf Kuefstein, k. k. österr. Gesandter am hiesigen königl.Hofe. Ein feierlicher Choral, comp. vom Kapellmeister Reißigcr, begleitete den erstenTheil der Feier. Nachdem der Zug am Hochaltare angelangt war, leitete ein Lieddie Predigt ein.
Der hochwürdigste Herr Bischof hielt die Predigt selbst über den Tert: „Heuteist diesem Hause Heil widerfahren," und bewährte dadurch von Neuem seinen lang-jährigen Ruf als ausgezeichneter Kanzelredner. Der Predigt folgte ein zu dieserFeier vom Kapellmeister Reißiger besonders componirter Festgesang, ausgeführt vomSängerchore der königl. Hofkirche. Während desselben verfügte sich der hochwürdigsteHerr Bischof an den Communionaltar, legte dort die kirchlichen Gewänder an, schrittzum Hochaltäre und stimmte dort das herrliche Hasse'sche Te Deum an, nach dessenmeisterhafter Ausführung durch die vollzählige königl. Capelle ein feierliches Hochamtfolgte, welches durch zahlreich assistirende Priester (23 im Ganzen) in ihren herrlichenGewändern einen besonders erhabenen Charakter gewann. Der hochwürdigste HerrBischof war während der Feier mit demselben goldenen Kreuze geschmückt, welchesdem Dechant von Bautzen Wosky von Bärenstamm vor 100 Jahren zur Einweihungder Kirche von der Königin Josephine geschenkt worden war.
Dem Hochamte folgte eine ebenfalls von Reißiger componirte Musik, und denSchluß der ganzen schönen Feierlichkeit, welche unter außerordentlich zahlreicher Theil-nahme stattfand, bildete ein Gebet, für Se. Majestät den König und das ganzeKönigshaus verrichtet, worein gewiß nicht nur jeder anwesende Katholik, sondernjeder Sachse mit voller Seele einstimmte. (Fr. S.-Z.)
Urtheil eines Generals über Josepbinische Zustände.
Der ritterliche und geniale Fürst Friedrich Schwarzenberg (gegenwärtig k. k.General) welcher sich auch in der deutschen Literatur durch sein Werk: AuS demWanderbuche eines verabschiedeten Lanzknechtes einen bedeutenden Ruferworben, hat jüngst den zweiten FaScikel seiner „Antediluvianischen Papierschnitzel"(von 1842 bis 1847) als Manuscript für Freunde drucken lassen. ES sind in die-sein Bande auch Aphorismen enthalten, welche für ein katholisches Lescpublicum umso interessanter seyn können, da sie von einem Cavalier und Soldaten herrühren.Wir wollen hier einige folgen lassen:
„Die Josephinische Epoche sollte dem Demokraten d. h. Volks mann,noch verhaßter als vom Standpuncte des Aristokraten erscheinen. Dem Aristo-kraten griff sie nur an den Beutel, — dem Volke an daS Herz, denn im Herzendes Volkes klingen zwei Stimmen vernehmlich, es ist die Muttersprache, d. h.die Sprache, welche die Mutter zum Kinde sprach, — dann die Worte, mitwelchen der Priester ihm Trost und Hilfe von Oben zusichert. Wer diese beidenZungen aus dem Halse reißt, ist ein Hochverräther am Volke, Nationalität undKirche, — Glaube an seine Race und seinen Gott sind Heiligihümer deö gemeinenMannes. Der sie ihm raubt, versündigt sich mehr an ihm, als an dem Fürsteil undGrafen, dessen Wappenschild er in den Staub tritt. Ich will nicht eben behaupten,daß ich täglich in die Frühmesse gehe, und noch weniger, daß ich nicht zuweilengerne ein Glas Champagner mit Accompagnement einer Trüffelpastete zu Leibe nehme.Würde man mir aber verwehren wollen in die Messe zu gehen, und mich zwin-gen täglich Champagner zu trinken und Pasteten zu essen, ich spränge beim Dach-