Ausgabe 
11 (20.7.1851) 29
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ftnster hinaus, lim in die Kirche zu laufen, und man müßte mir die Zähne aus-brcchen, um mir den Champagner einzugießcn und die Pastete in den Hals zustopfen. So kömmt mir aber die Joscphinische Epoche vor, und noch dazuwar es mit dem Champagner und den Pasteten auch nicht so ganz richtig, und dieHerren Philosophen hatten allerhand Teufelsdreck und Laugensalz beigemischt, welchessie nicht, wie bei der Hochzeit zu Canaan, zu trinkbarem Wein zu verwandeln ver-standen."

Wenn Mehemed Ali, dem als Türke und Moslemin wenig an der egyptischenVorzeit liegen kann, eine Pyramide in einen Kavallerie-Stall verwandelt, oder dieAsche einer Nekropole in die Lüfte, streuen läßt, so schreit ganz Europa : Anathema!über den Barbaren. Wenn aber nach den Josphinischen Verordnungen Kirchen undKlöster, welche als ehrwürdige Monumente unserer eigenen Vergangenheit in dieGegenwart hineinragten, zu Casernen und Zuchthäusern verwandelt, wenn die Ascheunserer eigenen Kaiser und Helden, eines Niklas Salm z. B., ja jene derBabenberger und sogar Habsburger, (wie in der Karthause zu Gaming in denachtziger Jahren) :c. :c. ic. in die Lüfte gestreut und der Vergessenheit übergebenwurden, so findet man Fortschritt und lobenswerthe Sanitäts-Obhut darin!"

Es gab eine Zeit, in welcher die Fechtenden, die Männer deSSchwertes, die Männer deö Pfluges und des Gewerbes regierten, weilsie die Stärkern waren, aber sie selbst standen unter der Vormundschaft derKirche, (der Männer deS Geistes, oder vielmehr der Seele, der Geist-lichen.) Damals bezeichnete das Chorhemd und die Eisenrüstung dieFührer der menschlichen Gesellschaft. Da kamen die Klugen, die Männer derFeder, und sie besudelten das Chorhemd mit Galle und Schmutz, bis es inFetzen zerfiel, und bis in dieser Lauge auch der Stahlpanzer vom Rost zerfressenwarv; und seitdem ist der Purpurmantel, das Pallium und die Rüstung zum Kostüm,zum Theateranzug geworden, und eS regieren die Leute im schwarze» Frack,die Schreibenden! Die Leute aber ohne Chorhemd, ohne Panzer, ohneFrack, die Leute, die arbeiten, und eben deßwegen meistens blos in Hemd-ärmeln functioniren, haben keine große Veränderung dabei erlebt, und schwitzendabei auch im Hemde genugsam, ohne gerade die obenbenannten Habite besondersdazu zu benöthigen, sollen aber jetzt mitfechten, mitdenken, und zur Noih mit-lesen und mitschreiben. Mit der Zeit werden Andere, welche blos fechten,und eS darin zur Superiorität gebracht haben, sich wieder vereinigen, und die blosDenkenden oder blos Arbeitenden, die eS natürlich nicht mit ihnen aufnehmenkönnen, wieder unter das vorige Joch bringen. Die Schreibenden werden argu-mentiren, aber die Fechtenden dagegen decidiren, bis sie ermüdet vomKampf und zuletzt vom Sieg wieder deu Schreibern Platz machen werden."

Wo aber werden dann die Geistlichen herkommen, welche nach den Blut-und Tinte-Kämpfen die Aufgabe des VersöhuenS, Trösteus und Mildernö über-nehmen werden?"

Die Kirche, das große Spital für alles irdische Leiden und allen Jammer,der weite Verbandplatz für Wunden, Schmerzen und Erdenkämpfe, wird zerstört undverwüstet seyn, der Dämon deS Unglaubens wird vor ihrer Schwelle stehen, und derkämpfenden, sich zerfleischenden Menschheit nichts lassen als daS trostlose Hinscheidender Verzweiflung!"

Seitdem die Welsen und Gibellinen, Kirche und Staat, sich feindlich gegen-überstanden, ist das christliche Reich, die Christenheit zerfallen, und die Königeund Regierungen haben die Revolution, ich meine die große, wahrhaft diabo-lische, eben so befördert, namentlich im Z7ten und 18ten Jahrhundert,alS später die Lonvention rmtionslk: und ihre Blutmänner."

Ein Mensch ohne Religion ist nichts mehr und nichts weniger als ein böserfleischfressender Äffe."

Man kann nicht durch reine administrative Formen das eigentliche Wesen