Ausgabe 
11 (20.7.1851) 29
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christlicher Institutionen ersetzen. Hunderte von Armenvätern und Tausende vonBettelvögten ersetzen noch keine heilige Elisabeth oder FranciScus dePaulo! DaS ist eben die Wesenheit der christlichen Charitas, daß sie nicht durchden Staat, sondern durch die Individuen, oder die sie anSschließlich repräscn-tirende Kirche ausgeübt werden muß."

Ilr Knoblecher .

Brixen , 9. Juli. Der Missionär Jgnaz Knoblecher kam heute früh auSInnsbruck hier an. Er wurde von unserm hocbwürdigsten Fürstbischof, dem dieGründung der Missionsstation in Chartum viele Freude macht und große Hoffnun-gen für die armen Neger einflößt, mit besonderer Freundlichkeit empfangen, und miteiner glänzenden Gabe entlassen. Er besuchte auch die Domherren, von denen ergleichfalls schöne Geschenke erhielt. Es gingen aber in unserer Bischofs- und Kreis-statt auch noch weitere namhafte Beiträge für ihn ein, z. B. 36 fl. von unsernTheologen im Seminarium. Leid war es uns aber, daß wir diesen merkwürdigenMann in seinem orientalischen Anzüge nur wenige Stunden sehen und hören konn-ten. Um 1 Uhr setzte er seine Reise nach Rom fort, und nahm unsere heißestenSegenswünsche zu seinem großen heiligen Werke mit. ES war uns außerordent-lich angenehm von ihm zu hören, daß unser Kaiser und die Minister die Missionunter ihren besondern Schutz nehmen, und daß sich in Wien ein Comite unter demProtektorate des Cardinais Schwarzenberg zur Unterstützung derselben gebildet habe,welches auch die aus Chartum einlangenden Berichte über den Fortgang der Missionvon Zeit zu Zeit veröffentlichen werde.

Knoblecher, ein Landsmann deS berühmten Missionärs Barraga in Amerika ,ist in Unterkrain zu St. Canzian in der Diöcese Laibach im Decanate St. Marein am 6. Juli 1819 geboren. (K. Bl. a. T.)

Mission in Gernsbeim.

Am Sonntag (13. Juli) Abend wurde die hier gehaltene Mission unter dengrößten Feierlichkeiten beendet. Sie nahm am 28. Juni deS Nachmittags ihren An-fang und wurde gehalten von dem hochwürdigsten Bischof von Mainz selber, vondessen hochwürdigem Bruder, dem Freiherrn Richard von Keitel er, dem PaterSchlosser aus der Gesellschaft Jesu , zu denen in den drei letzten Tagen noch derPater Ketterer auS derselben Gesellschaft hinzu kam. Am Sonntag war der Zu-drang zu den Missionsprcdigten ein sehr großer, der dnrch die vielen Processionen,die von allen benachbarten Orten herbeikamen, noch verstärkt wurde. Mau sah sichdeßhalb des Mittags genöthigt, da die Kirche in Gernsheim die Menschenmasse zufassen nicht im Stande war, nach Einsiedeln zu pilgern, um dort die beiden Nach-mittagspredigten im Freien abzuhalten. Das Wetter begünstigte diese großartigeProcession. An den beiden folgenden Tagen entsprach der Besuch der Predigten nichtden Erwartungen der Herren Missionäre . Es waren hieran eines Theils die Heu-ernte, die sich freilich nicht gut verschieben ließ, andern Theils die Vorbereitungenzu dem WallfahrtStagc, der in diesem Jahre auf den 2. Juli, Mariä Heimsuchung,gesetzt war, Schuld. Doch schon am Vorabende vor diesem schönen Feste sah mandie Kirche angefüllter. An dem Fest- und Wallfahrtstage selber strömte eine unge-heure Menschenmasse, größtentheils in wohlgeordneten Processionen, die von denPfarrgcistlichen geleitet wurden, zusammen. Man hatte dieses schon vorhergeschenund daher festgesetzt, daß daö Hochamt und alle drei Predigten vor der Wallsahrts-Capelle CinsieDeln abgehalten werden sollten. Die Menschenmenge wurde auf 10 bis12MV angeschlagen. Damit alle, die die heiligen Sacramente zu empsangcn wünsch-ten, hierzu hinreichende Gelegenheit fänden, wurde von den Missionären in der Kirche