Ausgabe 
11 (27.7.1851) 30
Seite
239
URN (Seite)
  
 
Einzelbild herunterladen

239

geben, weiß jedoch die Charaktere, Alter und Nationalitäten so zu mischen, daß einGleichgewicht erhalten bleibt; strenge Kritik wird nach dem Maaß der Fähigkeitenund der Anstrengung nicht gespart; so wird der Wille vielfach geübt in der Unter-werfung, der Charakter dagegen im Wollen und der gute Wille im Können und inder Beharrlichkeit. Was aber endlich als das höchste Lob einer gelungenen Erziehungbetrachtet wird und wofür wir in Deutschland das rechte einzige Wort fast eingebüßthaben, ist die Einsalt.

Wir müssen jetzt nur noch eine der Verbindungen berühren, durch welche dieKlosterfrauen vom heiligen Herzen Jesu nicht allein für sich zur Unterhaltung ihrerMenschenkenntnis) von der Welt sich belehren lassen, sondern auch ihrerseits die Fädenihres wohlthätigen Wirkens unter den Weltkindern durch Rath, Gebet und Werkefortspinnen. Die Belohnungen der Kinder werden theils von den Gespielinnen durchWahl zu gewissen Ehrenämtern mit besondern Bändern ertheilt, theils von denDamen in einem eigenen Capitel beschlossen und durch Aufnahme in kleine geist-liche Genossenschaften, wie die des Kindleins Jesu, dann aufsteigend die der heiligenEngel und zuletzt die der Muttergotteökinder bewerkstelligt. Diesen letztem Ehren-namen mit der Medaille, worauf das Herz Jesu und die schöne Inschrift:dor meumjungatur vodis" (Mein Herz bleibe mit Euch verbunden) vie Vorderseite zieren,behalten die belohnten Kinder, auch wenn sie zu der Familie in die Welt zurückkeh-ren; ja Damen aus der Welt, wie selbst die Gemahlin eines Präsecten, machen sicheine Freude daraus, unter die weltlichen Marienkinder sich ausnehmen zu lassen.Beide zusammen haben im Kloster jede Woche ihre eigene heilige Messe und einenTag der Zusammenkunft, wobei Arbeiten für bestimmte mildthätige Werke verfertigtwerden, z. B. Meßgewänder für die armen Kirchen der ganzen Diöcese. Die Bräuteschenken dahin ihre reichen Hochzeitskleider, eine jährliche Lotterie aber liefert diereichsten Beiträge zu jenen Kirchenschätzen, welche am Ende des Jahres dem HerrnBischof zur Vertheilung, nach seinem Ermessen, überbracht werden.

Dem 8serö eosur steht am nächsten, sowohl nach dem Geiste des OrdenS, alsnach der Bestimmung für die höhern Stände, das Erziehungskloster MariaHeimsuchung (vam<?s clo la Visitation 8t. Usrio 6s U<ztü). Nach den Regelndes heiligen Franciscus von Sales eingerichtet, aber früher mehr dem beschaulichenLeben zugewendet, hat dieser Orden erst seit der Revolution, um seinen Fortbestandzu rechtfertigen und zu sichern, sich mehr dem Erziehungswesen gewidmet. Die Damenhaben noch strengere Clausur als die des 8avr6 cveur, indem sie Besuchende nur amGitter empfangen dürfen. Eigenthümlich ist der eintönige oder vielmehr zweitönigeGesang, in welchem sie ihre Tageszeiten beten; derselbe macht auf die Zuhörer,welche die Hauscapelle besuchen dürfen, einen sehr friedlichen aber überaus wehmü-thigen Eindruck. UebrigenS sind die Visitantinnen in ganz Frankreich sehr geachtet,sie haben im Erziehungswcsen sehr viele Einrichtungen mit dem 8aerö coeur gemeinund stehen auch im Unterrichte kaum nach. Trotz der gleichen Bestimmung, also trotznvaler Interessen, ist unter diesen Klöstern ein steter freundlicher Verkehr; sie theilensich wichtige Nachrichten mit, beten gegenseitig für ihre Kranken und Hingeschiedenenund leisten sich auch andere Dienste.

In dieses freundliche Verhältniß mit eingeschlossen, aber im Uebrigen schon ver-schiedenartiger, sind die Schwestern der heiligen Christi na (Soeurs äs 8te.t^ötionns). Gestiftet (zu Anfang dieses Jahrhunderts) von einer ehrwürdigen Frau,Mad. de M6ganes, die erst vor wenigen Jahren gestorben ist, hat dieser Ordeneinen ganz provinciakn Charakter und ist daher, weil er vorzugsweise den Mittel-classen und dem Volköunterrichte in den Städten sich widmete, in ganz Lothringen sehr populär. Die guten Schwestern haben keine Clausur und man sieht nicht seltenihre Vorsteherinnen zu dreien gravitätisch durch die Straßen wandeln, sey es um ihreSchulen in der Stadt, die ihnen von dem Gemeindcrath vertragsmäßig übergebensind, zu untersuchen, sey es um die Zöglinge ihres Pensionats in ihr freundlichesLandhaus Tivoli, eine halbe Stunde vor der Stadt, spazieren zu führen. Mit die-