Ausgabe 
11 (3.8.1851) 31
Seite
242
URN (Seite)
  
 
Einzelbild herunterladen

Doch umsonst! Sie zogen weiter.

Da trafen sie ein Königshaus.Und von dem stolzen Bau gedecktStand manch ein prunkender Palast,Die üppige Freude saß zu Gast ....

Der Sturm begann; die Wächter alle hatten die Hut hintangesetzt und baldwäre es gelungen. Doch

Da sank im stummen bleichen KreisSo still auf's Knie die Königin,Und hob ihr Kind zum Himmel hin,Und betete so tics und heiß.

Ihr Gebet fand Erhörung und Gott rettete den König und sein Haus. DieWellen zerstoben.

Und ach! mit den empörten Wogen

War auch das Bächlein überall «

In blindem Laufe mitgezogen.

Da bracht' es auf den letzten Wegen

Ein friedlich Hüttlcin noch zu Fall;

D'riu sprach eine Mutter den Abendsegen,

Und drückte gcrad' in frommer Lust

Ihr Kindlein an die junge Brust;

Da stürzten die Mauern und sargten sie ein.

O Bächlein, Gott erbarm' sich dein!

DaS mag beim Beginne der Reformation ein lustiges Leben gewesen seyn.Die Thüren der Klöster wurden erbrochen und verdorbene Mönche konnten Nonnenin die Arme sinken und lang ersehnte Genüsse kosten. Gold gab es vollauf, undder Wein floß über die Straßen: denn die Kisten und Keller der geistlichen Häuserwurden aufgeschlagen. Da ging es manch Jahr in cluloi subilo und die Pädagogenliefen mit. Die hatten es seit jenen Tagen gar gut. Die Sorge ward den Fürsten überlassen, sie striechen gemach die Gehalte ein, und aßen höchstens als Nachtisch-Ideen von Menschen- unv Bürgerthum. Doch bald begann auch die Arbeit. DieWasser ergossen sich in alle Lande und hier gab es eine Kirche, dort einen Adelssitzzu erstürmen, die Pädagogik mußte voran, um manches Herz in die Festungen selbstherüber zu ziehen. Viel gelang, viel nicht. War aber vorher in Allem Sicherheitund Einheit, so fiel jetzt Alles in Kampf und Zersetzung. Ja! Uneinheit und Tren-nung ist seit jenen Tagen der Grundcharakter der Pädagogik. Bekanntlich ist sie eineNachgeborene und nimmt ihre Grundsätze und Mittel aus andern Wissenschaften.Die Wissenschaft aber, wie das Leben, hat seitdem verschiedene Gänge gemacht, istvon Stufe zu Stufe auf der Gottesleiter der Wahrheit herabgestiegen und hat sichfestgesetzt. Da liefen nun die Pädagogen je nach des eignen Herzens Drang in dieApotheken der Gelehrten und holten sich der eine destillirte Frömmigkeit, der anderechristianisirteS Heidenthum, der dritte sociales Bürgerthum, der vierte absolute Ab-straction und jeder erhielt, was er verlangte. In unsern Tagen endlich hat mansich mit Divinität nicht weiter mehr begnügt, sondern holte sich aus der großenGarküche der Philosophie jene dekannte Salbe, die in geordneter Weise gebraucht,den Menschen Gott gleich macht. Das wird den losen Vogel freuen, daß daS Brunn-lein so treu ihm nachgelaufen. Ja er ist ihm nachgelaufen, der Brunnen der Cultur,unv hat mitgeholfen seines guten Theiles an allen Versuchen, die in den verschiedenenLanden von Wittenberg bis Rom zum Umsturz der Altäre und der Throne gemachtwurden. Sie mag so manche Mutterseele in den Abgrund geworfen, und die Kin-der ihr nachgeschleudert haben. Warum nicht? Schaut an unsere Frauen, die Frauender Zeit und des Fortschrittes! Sind sie Mütter voll Liebe, Ernst und Gottesfurcht?