Ausgabe 
11 (3.8.1851) 31
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Gott, vollkommen betritt er die Welt, seine Natur ist die absolute Vollkommenheit,seine Krone ist die Läugnung aller Autorität, sein einziger Fehler: das Glauben!Gebt solchen Leuten Eure Kinder in Erziehung, daß sie Götter daraus machen; dannerspart ihr dem Vögelein die Arbeit! Die Pädagogik ist aufgefahren und sitzt fest.Ruft sie nicht nach dem Tannenbaum, sie ist verloren! Sie führt die Kinder zurSchlange, von der ja jenes Wort ist: Ihr sollt seyn wie die Götter! Die Wahrheitaber ist die Bestimmung, die Gott gegeben! Der Grund aller Erziehung, der Zustandder zwar erlösten aber zum Bösen neigenden Seele! Die Mittel, die Seele im Gutenfestzumachen, sind in erster Reihe die von Christus gegebenen Heiligungsmittel. Aus,durch und für Christus! sey das Princip aller Bildung! Er ist der Tannenbaum desBrünnleins Pädagogik.

Was macht wohl Hofers Weib und Kind? Es mag manche Thräne ihnen ausdem jammernden Auge geflossen seyn? Und die Flüchtlinge, die über dem Meere vorden Gendarmen Ruhe suchten verlassend die heiligen Gräber, in die sie ihrenVater oder ihre Mutter gelegt hatten wie mögen sie sich wohl befinden? Und dieUnglücklichen, die dem Arme der Gerechtigkeit verfielen und jetzt öffentlich vor denAugen ihrer Schulkinder aus dem Gefängniß zur Anklagebank und von da zurückge-führt werden, wie mögen sie sich fühlen? Wohl nicht am Besten! Der Rausch ist aus-geschlafen, die Folgen dauern lange. Davon, ihr übrigen Alle, die ihr Eure Mit-schuld zu verbergen wisset, die ihr dieselbe Lust nur aus Klugheit zurückgehalten, undihr, die ihr den Vogelpfiff durchschauend treu bliebet, nehmt Euch ein Erempel!Ungestraft ist das Brünnlein nicht vom Tannenbaum gewichen. Darum, und weiles also vernünftig und christlich ist, wollen wir Alle Wahrheit, Gesetz und GottesWort ehren. Wir wollen halten zu dem Herrn! und weil der Herr zu seinen Ver-waltern Kirche und Staat gesetzt hat, wollen wir zu diesen uns schlagen. Und for-dert ein Beamter auch mit stolzer Miene die Steuer und ein Pfarrer mit unfreund-lichen Worten den Dienst was beunruhigt uns die Form: das Wesen ist daSWort der Autorität, die sie zu vertreten haben. Laßt ihnen ihre harten Herzen undgehorchet! Knechte und Sklaven braucht ihr deßhalb nicht aus euch machen zu lassen!Ihr sollt nur freie Diener seyn! Freie Diener um Gottes willen! Ja kehren wirAlle, wir Lehrer der Jugend, zurück zu Gott . Er ist unser Tannenbaum uns armenBrunnen.

Dann werden wir auch im Stande seyn, das Verderben wenigstens zu schwä-chen, daS der fremde Vogel in unsere Kinder hineinpfeift, wir werden im Standeseyn, wenigstens daS Bild und die Erinnerung deö Tannenbaums tief in die jungenHerzen zu graben.

Wohl wird manches Kind, das jetzt noch ganz harmlos in der Schulbank sitzt,einst andere Wege gehen, denn jetzt. ES mag stolz an Gottes- und Königshäuscrnvorübergehen und vielleicht mit verbissenem Grimme die Steine vor denselben mit demFuße wegschleudern; es mag manchen Damm sprengen, den Recht unv Zucht aufge-baut und nur die Schwäche zu hüten vergessen; manches Blümlein, daS lustig undheiter in die Welt geblickt und alle reinen Herzen entzückt hatte, mag es in trauri-gen Augenblicken knicken allein eS wird auch für dasselbe der Tag des Unglückes,des Elendes und der Reue kommen. Haben wir dann die Lehre vom Tanncnbaumfest ins Herz, gelegt, dann wird der Tannenzweig auS der untersten Seele des un-glücklichen Verbrechers heraufsteigen, Heilung und Rettung bringen. Mögen allejungen Sünder nnd Sünderinnen dann die Rückkehr zum Tannenbaum finden; dennder Tannenbaum ist Gott , der allein sie dann retten kann.

Das nun habe ich dem Mährchen vom Tannenbaum und Brünnlein abgelesen;aber AlleS ist das nicht. Noch viel mehr liegt drin verborgen. Wer ein reinesHerz hätte, der könnte den Schau erheben. Darum, liebe Freunde vom katholischenSchullehrcrverein, verschafft Euch das Buch. Es ist so wunderbarlich schon und sin-nig, daß ich eS Euch nicht zu sagen vermag. Es enthält die Vergangenheit,Gegenwart und Zukunft der Schule.