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Und da Jeder von uns ein Brüunlein war, oder ist, oder doch werden kann,so schreiben wir die Schlußworte des Mährchens uns tief ins Herz:
Doch horch! Im Tanncnbaum, wie's schauert!Er rauschet mahnend: Wacht und betet!
Katholisches Leben in einer französischen Provinzialstadt.
(Fortsetzung.)
Die freundliche, neue gothische Capelle der Schwestern von St. Chrötienne,im besten Style mit Glasmalereien und gelungenen Fresken vor wenigen Jahrenvollendet, wird dem Fremden als eine der Sehenswürdigkeiten von Metz gezeigt.Ueberbaupt scheint der junge Orden einer großen Verbreitung und Blüthe entgegenzu gehen. Zwischen drei und vierhundert Schwestern mögen jetzt schon in Lothringen und den benachbarten Departements in den Städten und größeren Flecken vertheiltseyn. Da die Schwestern aber nach den Ordensregeln nicht einzeln ausgehen undsich niederlassen dürfen, können sie auf dem Lande in kleinen Flecken und Örtschaftennicht wirken. Hiefür ist also ein anderer Orden nöthig gewesen und er hat nichtlange gefehlt.
Die Schwestern der Vorsehung nämlich bestehen zwar schon länger undwaren bereits in der Capitelversammlung aller Barmherzigen Schwestern und ver-wandten Orden vertrete», welche Napoleon unter dem Vorsitze seiner Mutter 1807abhalten ließ; allein der Stamm des gegenwärtigen Ordens hat nach mancherleiSchicksalen und Verpflanzungen erst in den letzten fünfzehn Jahren gesunde Wurzelngeschlagen, seitdem er durch seinen Almosenier und Reformator, den noch lebendenfrommen und unglaublich unternehmenden Domherrn H.... in dem Schlößchen Peltre ,anderthalb Stunden von Metz, angesiedelt worden ist.
Von diesem jetzt umgebautcu und erweiterten Schlößchen tragen die Kloster-frauen aligemein den Namen Schwestern von Pelrre, sie haben daselbst ihrNoviziat und ein Pensionat sür Kinder von wohlhabenden Familien aus dem Bauern-stande, worauf Unterricht und Erziehung speciell berechnet sind. Die Schwestern vonPeltre also haben vorzugsweise die Bestimmung für die Landgemeinden und zwarnicht allein für den Schulunterricht der Mädchen, sondern auch für Armen- undKrankenpflege auf dem Lande, weßhalb die Ordensregeln ihnen gestatten, auch einzeln,auf die Ortschaften zu gehen. Es werden dazu von Seiten der Gemeinde Verträgemit dem Orden eingegangen, wie dieß auch bei andern Schulschwcsteru der Fall ist,und das Wirken einer einigen solchen Schwester ist in der Regel so segenreich undein so großer Trost sür eine Gemeinde, daß die Beispiele äußerst selten ftyn werden,wo man sich von diesen Verträgen seitens der Ortsbehörde wieder lossagt. Denguten Schwestern soll durch die weltlichen Schullehrer zuweilen das Leben etwassauer gemacht werden, allein ihre Demuth erwirbt ihnen doch meistens den geeignetenSchutz, und die stetig zunehmende Nachfrage und Bewerbung der Ortschaften liefertden besten Beweis, daß hier einem Bedürfnisse des Volkes nach Wunsch entspro-chen wird.
Peltre liegt gerade an der im Bau rasch voranschrcitcnden Eisenbahn von Metznach Saarbrücken. Dadurch wird der nothwendige häufige Verkehr zwischen denSchwestern und dem Mutterhaus in der Diöcese nicht allein sehr erleichtert werden,sondern es können auch die deutschen Nachbarn aus den Diöcesen Trier , Speyer undMainz in wenigen Stunden Kenntniß nehmen 'von einer wahrhaft praktischen Anstalt,welche gewiß auch bei uns verlangt und nachgeahmt werden würde, wenn das VolkeS einmal wieder selbst erfahren hätte, daß die Quellwasscr, welche von ven Höhenrieseln, einen reinern gesündern Geschmack haben, als das Wasser, welches für seinenDurst ihm jetzt aus Cisternen und Filtrirmaschinen zufließt. ES ist eine große GnadeGottcö und eS gehört ein mächtiger innerer Beruf dazu, wenn eine einfache Tochter