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des Landvolkes durch eine Schule und Einübung von wenigen Jahren innerhalb derGemeinschaft so weit im Unterrichte gelangt und sich im geistigen Leben so ganz befe-stigt, daß sie ohne Gefahr allein, ohne höhere oder gegenseitige Aufsicht, in entlegeneOrte ausgesandt werden kann, wo sie an ihr Gelübde streng gebunden, Allen nütz-lich werden soll, ohne von Jemanden etwas ansprechen zu können, als nur vomOrtspfarrer den nöthigen geistlichen Trost und Rath. Aber die uneigennützige, un-entgeltliche Widmung, die unbezahlte Dienstleistung der christlichen Liebe stickt dochdem Bauer wie dem Handwerker so in die Augen, daß der Lebensberuf der Schwe-stern von Peltre bereits ein Ehrenstand geworden ist, und daß auch angesehene Fami-lien der lothringischen Landbevölkerung es als ein Glück und eine Ehre für sichbetrachten, wenn ihre Mädchen den Beruf bekommen und etwa auö dem Pensionatesogleich in den Orden eintreten.
Doch wir kehren in die Stadt zurück und verfolgen weiter die Wege, aufwelchen katholische Liebe die Bedürfnisse deS heutigen Volkslebens, wenn auch dietraurigsten, zu stillen sucht. Da begegnen uns denn noch zwei Anstalten, die wirnicht unerwähnt lassen dürfen. Zunächst die sogenannte Natermtö, Entbindungsan-stalt und FiudelhauS, eine städtische Einrichtung, in welcher jetzt durch die Anstren-gungen eines verdienten alten Arztes und die einsichtsvolle Fürsorge desselben thäti-gen Domherrn, der die Schwestern der Vorsehung erneuert hat, die angestelltenPflegerinnen durch kurze Gelübde allmälig aus Miethlingen zu Berufenen umgebildetwerden (8vvurs cle 8ts. I^Iicie). Im Vorbeigehen mag hier angeführt werden, wiedie verschiedenen Orden vom Volke vorzugsweise nach der Dauer der Gelübde, alsnach dem Grade und Werthe ihres Lebensopferö, abgeschätzt und behandelt werden.Nach diesem Maaßstabe stehen denn am allerhöchsten Diejenigen, die sich selbst amtiefsten stellen und für ihr ganzes Leben zu den Verworfensten der Erde gesellen, dieFrauen vom guten Hirten. Sie werden zwar nicht in obigem Verhältnisse vomVolke mit allen Mitteln versehen und mit Almosen unterhalten, denn Wer denkt soleicht an jenen heimlichen Winkel ewiger freiwilliger Verbannung deS Lasters, — solange arme Waisen und Kranke öffentlich nach dem Almosen die Hand ausstrecken,sie sind vielmehr ost wie vergessen und der härtesten Entblößung preisgegeben. Dafürhaben sie die Ehre, den Herrn und Meister auf jenem Pfade, wo ihm von denPharisäern rie Herablassung zu den Sündern als Sünde vorgeworfen wird, stetsallein zn begleiten; die Frauen vom guten Hirten können sich niemals auf grünerheiterer Wiese bei den gesunden und unscknlvigen Lämmern ausruhen. Diese meistden höhern Ständen angehörigen erhabenen Seelen tragen unschuldig und freiwilligdas Kreuz der Sünden einer ganzer Stadt mit unbegreiflicher Ueberwindung jedermenschlichen Regung nach Freude und Erholung; sie scheinen selbst des heiligen Jg-natins dritten Grad der Demuth hinter sich zu lassen, indem sie nicht allein Armuth,Krankheiten und Verachtung lieben und aufsuchen, sondern auch fast unausgesetztensittlichen Ekel, indem sie, wie man glauben sollte, eine Hölle auf Erden von demHerrn sich erbitten und von den Menschen sich auflegen lassen. Welche Bnße, welcheHärte kann den Sünderinnen hart erscheinen, wenn sie sehen, daß die edelsten, rein-sten Wesen der Erbe ein so hartes Leben aus freier Wahl mit ihnen theilen; derAnblick solcher übermenschlichen Widmung wird gerade den wahren MagdalenenAnfangs fast unerträglich, aber auch nur unter solchen Eindrücken bleibt die Reueunermüdct und lange, lange unersättlich an Buße. Den Büßerinnen steht der ersteEintritt wie der Austritt frei; Zwang und Strafe findet gegen die Austretenden nurdadurch statt, daß ihnen ein zweiter Eintritt unerbittlich versagt ist. Die Büßerinnensind natürlich in verschiedene Grade abgetheilt, auch iu der Kleidung von einanderunterschieden; in einem besondern Verhältnisse und von den eigentlichen Büßerinnenganz getrennt stehen die von ihren Eltern zur Aufsicht und Besserung übergebenengefallenen, oder sittlich sonst gefährdeten jungen Mävchcn. Endlich haben die Frauenvom guten Hirten auch wenige andere Kinder zur Erziehung bei sich, eine Last, diebei ihnen fast als eine Erholung erscheinen könnte. So sind ihnen einige, durch