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einen frommen italienischen Priester aus der Sklaverei in Egypten befreite Neger-kinder zur Pflege anvertraut, für deren Unterhalt, wenn ich nicht irre, ihre Tauf-pathinnen, die oben erwähnten Marienkinder, Sorge tragen. Uebrigens ist eS nichtleicht und für männliche Besucher ganz untersagt im Kloster zum guten Hirtenweirer als bis zur Capelle oder zum Sprachgitter der Vorsteherinnen vorzudringen.Der Neugierde, welche so selten etwas bringt, wird hier auch wenig zu suchengestatten; auf Touristen sind überhaupt die Klöster der ernsten neubelebten Ordennicht eingerichtet.
(Fortsetzung folgt.)
Bonn . 22. Juli. Der berühmte Pater Jgnatius (Lord Spencer) hält sichseit einigen Tagen hier bei^uns auf, um auch hier für seine heiligen Zwecke zuwirken, und findet überall, nicht bloß bei seinen Glaubensbrüdern, sondern auch beiden fremden Glaubensgenossen die liebevollste und freundlichste Aufnahme. Ungemeinrührend und erhebend war es, wie er in der Generalversammlung der Mitgliederdes Nincenzvereins, die am vergangenen Sonntage im hiesigen Convictorium statt-fand, das Wort ergriff, und die Versammlung mit dem Zwecke seiner Mission ineiner herzlichen Ansprache bekannt machte, deren Inhalt auch für einen weitem Kreisvon Interesse seyn dürfte, und den wir daher auf seine specielle Erlaubniß nach-stehend zur Kenntniß Ihrer Leser bringen: „Mit großer Dankbarkeit ergreife ich dieGelegenheit, die mir der Herr Präsident gütig gegeben hat, um dem Hauptzweckemeiner Reise durch Deutschland zu dienen. Ich komme, um Hilfe für die BekehrungEnglands , meines Vaterlandes, zu erbitten oder, wie ich zu sagen gewohnt bin, ummeinen Kreuzzug für die Ueberwindung Englands zu predigen und an allen OrtenSoldaten für die heilige Armee zu werben. ES ist nicht nöthig, zu bemerken, daßdieser Krieg nicht mit irdischen Waffen geführt wird, die den menschlichen Körpertödten. Nein, die Waffen, womit wir kämpfen, sind nicht fleischlich, sondern gött-lich, stark, daS Herz deS Menschen zur Unterwerfung unter Christus zu bringenund gefangen zu nehmen. Und welche sind diese Waffen, womit die Kreuzfahrerversehen seyn müssen? Sie sind dreifach: Erstens Gebete, zweitens das heilige Bei-spiel, drittens die christliche Lehre und Unterweisung. Und welches sind die Classen,auS deuen diese Soldaten gewählt seyn müssen? Alle Classen; aber besonders dieArmen, die Kranken und die Kinder, jene, sage ich, die Gott selbst für sich auSer-wählt hat: die Armen, die Verachteten, die Verworfenen der Welt, aber die reichsind durch den Glauben; und dieses ist eS, was mich antreibt, mich Euch zu empfeh-len, eifrige Nachfolger des heiligen Vincentius, des Vaters der Armen. Ihr besor-get die Armen; Ihr erquicket sie in allen ihren geistigen und leiblichen Leiden undBedürfnissen, und darum seyd Ihr es, die ihre Herzen bewegen können. Vielleichtwerbet Ihr mir bemerken: Ja, es ist wahr, unser armes Volk kann wohl für Eng-land beten, aber wie kann eS England durch das Beispiel und durch den Unterrichtzu Hilfe kommen? Es ist wahr, sie können es nicht; aber mir müssen auch anunsere irrgläubigen Brüder in Deutschland denken. Warum sollen wir in diesemUnternehmen auf England allein schauen? Wir können hoffen, daß, wenn England katholisch wird, dieses der Todesschlag deS Protestantismus auf der ganzen Weltseyn wird. Und Ihr solltet für Englands Rettung mehr besorgt seyn um Deutsch-lands, als um Englands willen. Der Vorschlag also, den ich, wie es auf meinemkleinen Zettel steht, zu machen wage, ist, daß alle Katholiken der ganzen Welt ihregetrennten Brüder überall in den Schooß der Mutterkirche durch heilige, liebevolleGewalt zu kommen nöthigen, uud daß sie diese Brüver selbst einladen, Gott zu bitten,er möge sie alle zur Einheit in der Wahrheit führen." (D. Volksh.)
Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen.
Verlags-Jnhaber: F. C. Krem er.