Ausgabe 
11 (10.8.1851) 32
Seite
249
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Cilfter Jahrgang.

Sonntags-Beiblatt

zur

Augsburgrr Pojheitung.

10. August M- 2851.

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Deutsche Mission in Paris unter dem Schutze deS heiligen

Joseph.

Für daS in der Uebcrsckrift bezeichnete ^ute Werk hat sich in Paris ein Comitögebildet, besteh.nd aus dem Gencralvicar Bautain , den Volksvertretern Graf Mon», talembert, de CoetloSauet, de Foblant, de Heeckeren, Prudhomme, dem Bicomte deLambel und dem Grasen Arco-AaUey, bayerischem Reichörath. Protecioren sind: derErzbischof von Paris und die Bischöfe von LangreS und Slraßburg. Dieses Comilöhat folgende Ansprache erlassen:

In Paris und seinem Weichbilde wohnen 60- bis 80.000 katholische Deutsche;darunter sinv Handwerker, Taglöhuer und Dienstleute, deren große Mehrzahl nieeine hinreichende Kenntniß der französischen Sprache erlangt, um von dem in denPfarrkirchen eriheilten religiösen Unterrichte Nutzen ziehen zu können. So ist dieseganze Bevölkerung durch ihre unglückliche Lage dem Vergessen ihr^r Religion, derGleichgilligkeil gegen dieselbe und allen Uebeln, welche davon die Folge sind, imVoraus überliefert. Wenn eine so traurige Thatsache in der neuen Welt, in Indienoder China sich zeigte, würde man sich nicht verpflichtet fühlen, den Eifer des KleruSuuv die christliche Liebe der Gläubigen anzurufen? Sollten wir denn gleichgillig dabeibleiben, da sie in der Haupistart des katholischen Frankreich , im Herzen der civili-sirtcn Well besteht? Diese Tausende von Seelen, die durch das Blut unseres gött-lichen Heilandes losgekauft und dnrch die heilige Taufe wiedergeboren, die auch Kin-der unserer Mutter, der Kirche, sind, sollen wir sie mitten unter uns irren undverloren gehen lassen, diese armen Schafe ohne Hirt und Hurte? Stehen sie unSnicht lausend Mal näher, müssen sie uns nicht tausend Mal theurer seyn, diese katho-lischen Seelen, als jene nicht wiedergeborenen Seelen wilder und heidnischer Länder?Welche Gefahr mochte zudem der ihrigen gleichkommen? Die tiefste Unwissenheit,Unsiitlichkeit, Gottlosigkeit, Abfall vom Glauben, schleuniger und verderblicher Rück-fall in eine wahrhaft sittliche und religiöse Barbarei, sollen das die Früchte ihrcSAufenthaltes unter uns seyn? Sollen sie diese früher oder später in ihr Vaterlandmitnehmen?

In unsern eigenen Häusern zählen wir Tausende von Kindermägdcn, Erziehe-rinnen und Dienstleulen deutschen Ursprungs; das heilige Interesse der Familie istalso mit dem Interesse der Stadt, der menschlichen Gesellschaft, der unsterblichenSeelen auf'S Innigste verknüpft. In Paris hat man kein gutes Werk vergessen,nur mit diesem hat man sich noch nicht ausreichend beschäftigt. Rom, London , New-Uork, New-Orleans besitzen Kirchen für die Franzosen und für die Deutsche«; Wien hat eine Kirche für die Franzosen gegründet. Sollte Paris allein zurückbleiben? Nein,die Welt ist von Paris solcher Ausnahmen nicht gewohnt!