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Die Missionäre beginnen ihr Werk, indem sie im Mittelpuncte der Gegend, diesie bekehren wollen, ein Kreuz auspflanzen. So ist auch vor Allem eine Kirchenöthig, welche, groß und woblgelegen, in ganz Paris bekannt und den Deutschen ausschließlich vorbebalten ist, ncbst Wohnung für sechs oder acht Missionäre, welchesich bereit halten, überall da zu wirken und dahin sich zu begeben, wo es Noth thut.Ferner sind Schulen für Knaben und Mädchen erforderlich, besonders Abendschulenund Sonntagöschulen. Die armen Kinder, welche genöthigt sind, selbst ihr täglichesBrod zu verdienen, lernen nicht allein niemals Lesen und Schreiben, sondern erlan-gen auch nicht die geringste Kenntniß ihrer Religion, wenn man sie nicht in ihrenFreistunden dazu anleitet. Es gibt Hunderte von erwachsenen Jünglingen und Jung-frauen, welche ihre erste heilige Commnnion nicht gehalten haben, ungerechnet zwcioder drei Tausend von geringerm Alter. Endlich wäre noch ein Asyl zum vorüber-gehenden Aufenthalte junger Mädchen, die ohne Arbeit und ohne Stelle sind, so wieein kleines Hospital für diejenigen Unglücklichen, welche als Fremde keine Unter-stützung und keine Ausnahme in den städtischen WohlthätigkeitSanstalten finden, oderdenen der Aufenthalt in dieselben nicht bis zur völligen Wiederherstellung vergönnt ist,zu gründen.
Bis jetzt ist Folgendes geschehen: In einigen Pfarrkirchen wird Religionsunter-richt gehalten; aber bei allem guten Willen und der größten Zuvorkommenheit vonSeiten der Herren Pfarrer wird der Pfarrdienst dadurch beeinträchtigt und die Stun-den sind nicht zweckmäßig. So kann die Sache nicht vorangehen, und eS zeigt sichdeutlich, daß ein eigenes Gotteshaus da seyn mnß. Es ist deßbalb ein Gebäude inder Nähe einer Barriere des Faubourg St. Martin gemiethet und in eine provisori-sche Capelle umgewandelt worden. Schulsäle für die Knaben sind auch beschafft, sowie eine erträgliche Wohnung für vier deutsche Schwestern vom heiligen Karl Borro-mäus aus Nancy, welche die Kranken in ihren Wohnungen besuchen und schon 300junge Mädchen unterrichten. Da aber die provisorische Capelle nicht für ein Viertelder Gläubigen, welche sich zum Kirchenbcsuche drängen, hinreicht, mußten wir fürein größeres Gotteshaus sorgen, wäre eS auch nur von Brettern gebaut. Wir habendaher einen Bauplatz nebst einer kleinen Wohnung mit dem Rechte des Ankaufs gepachtet,der in der Nähe aller Verbindungswege nach Deutschland liegt. Dort soll der Angel-punct der Mission seyn; dort ist das Centrum einer Bevölkerung von ungefähr2(1,(10» Deutschen , welche eine halbe Stunde von jeder Kirche entfernt wohnen.Im Ganzen haben wir für Miethe 7000 Franken jährlich zu zahlen, wozu noch dieUnterhaltung deS Personals kommt. Die göttliche Vorsehung ist unsere einzigeHilfsquelle!"
Das Comitv beabsichtigt, die Mittel zu vorstehend auseinandergesetzten Zweckendurch freiwillige Beiträge und Subscriplionen für regelmäßige monatliche oder jähr-liche Zahlungen zusammenzubringen, und nimmt auch Geschenke von Kirchengerälhen,Stoffen zu Gewändern, Leinwand u. s. w. mit Dank an. Direktor deS Vereins istder geistliche Herr I. I. Chable, Rue Lafayette 126. Ein besonderes Comite,auS Damen bestehend, hat sich für die Errichtung der deutschen Armenschulen gebil-det; unter mehrern französischen Namen bemerken wir dabei die der Gräfin Elisabetbvon Bergh-TripS aus Düsseldorf und der Gräfin Anna Maria von Wald-burg-Zeil und Trauchburg. Cassirer dieses Comites ist Herr Bourlez,Place du Pantheon 1. — Indem wir die Gründung dieses verdienstlichen Werkeshiermit zur Kenntniß des deutschen Publicums bringen, hoffen wir, daß eS bei allendeutschen Katholiken lebhaften Anklang finde.