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wieder weiter fliegen. Betreten wir zuerst daS Waisenhaus der Knaben, wo dieSchwestern nur als Mütter erscheinen, so finden wir in den Morgenstunden diejüngsten der anwesenden Kinder in ihren Schulclassen versammelt; eine Abtheilungvon 45 Knaben von 10 bis 14 Jahren von einer Schwester, die kaum 30 Jahreerreicht haben kann, in ganz musterhaficr Zucht und doch in vertraulicher Liebe zu-sammengehalten; die ä leren Zöglinge, nur zum Theil unter Overgesellen von fünfHantwerken in verschiedenen Werkstätten, im Hofe unv im untern Stocke vertheilt,während ein anderer Theil schon in der Frühe zu guten Meistern in die Statt geführtworden ist; die Schlassäle zum Lütten weit geöffnet, Küche, Vorrathskammern undKeller, besonders aber daS einfache Hauscapellchen in reinlichster Ordnung, Alles,waS zur Verwaltung gehört, wiederholt sich in sämmtlichen Anstalten, die den Schwe-stern übergeben sind, unv findet sich natürlich am sorgkältigsten da geordnet, woihnen auch die Leitung und Rechnungsführung unmittelbar anvertraut ist, wie hierin beiden Waisenhäusern. DaS der Märchen ist viel zahlreicher, viel geräumiger.Hier ist natürlich daS Nähen und Behandeln der Wäsche die Hauptsache; der Wech-zcugvorrath ist die Schatzkammer, und dieses ganze Fach bildet die künftige Lautbahnder Zöglinge. Wenn sie entlassen werden, treten sie unter den Schutz eines beson-dern religiösen Francnvereins (I'oeuvre clo jcrmes seoriomes), welcher sie in eigenenWerkstätten oder Arbeilksälen unter Auflicht eines Mitgliedes vereinigt, ihnen Beschäf-tigung gibt, ihre Sparpfennige anlegt, ihnen für passende Dienststellen sorgt, ineinem Worte, mit ihnen in Verbindung bleibt, um sie vor der Nothwendigkeit undden Gefahren .anderer zufälliger und zweifelhafter Verbindungen zu schützen. Indem Mädchenwaisenhause zu Metz , einem ehemaligen Klostergebäude, ist der schönelange Schlifsaal berühmt. Es ist damit auch eine Apotheke verbunden, in welchervier Schwester von besonders guten Anlagen und Vorkenntnissen, unter zeitweiligerAnweimng eines Provisors au>a der Start, die Arzneimittel für das Haus und fürdie Stadiarmen bereiten. Wie sie dabei die Schwierigkeiten und Vornrthcile derZunft überwinden, hat schon Brentano beschrieben unv gerechtfertigt. Müssen nichtauch unsere gelehrten ungläubigen Aerzte vom Glauben an ihre große Wissenschaftleben? Unv man frage die aus Hospitälern beiderlei Arten entlassenen Kranken, anWen sie mehr glauben? ob ihnen besser mit der liebevollen Wartung, dem Trosteunv den Hausarzneien der Schwestern, over vielleicht mit den gelehrten Receptenwirklicher geheimer Hofräche und den Mieihlingshandlhierungen ächt weltlicher Kran-kenwärter qevient gewesen sey? Glücklicher Weise nimmt doch allenthalben die Zahlder einsichtigen Aerzte zu. die sich nicht mehr gegen den Anblick der demüthigen,gehorsamen Schwestern mit Scheuledern bewaffnen; müssen sie ja doch schon in vielenprotestantischen Gegenden Deutschlands die viel schwierigere Schule der D>acomssendurchmachen.
Unter den beiden städtischen Hospitälern zu Metz, welche den Schwestern vomheiligen Vincenz von Paulo vertragsweise übergeben sinv, ist das eine, an der Mosel gelegen (Aotre vamo cls linn seoourg), von geringerm Umfange und nur für vor-übergehcnve Krankheiten und Unfälle berechnet; eS trägt hier AlleS den thätigen,hoffnungsvollen Charakter einer balv bestandenen Prüfung; das große Bürger-hoSpiial (8t Aielgs) dagegen zählt unter der Aussicht und Pflege von einigenzwanzig Schwestern mehr als 700 Seelen, und darunter eine große Anzahl Unheil-barer und Pfründner. Das HauS hat sei' en eigenen Aumonivr, der den beschwer-lichen und mannigfaltigen Pflichten seines Priesteramtes nur mit äußerster Anstren-gung allein .^ugen kann. Ein bloßes Durchwandeln der Höfe, zahlreichen Treppenunv Gär;e .'ch drei Stockwerke hindurch ist eine halbe Tagereise. Der Anblick somancher ubschnckenden Gestalten in dieser vollzähligen Sammlung und Aufstellungmenschlicher Gebrechen, Laster und Leiden erfüllt den Zuschauer mit der Ueberzeugung,daß eS hier nicht auszuhalten ist, ohne eine bestimmte Sendung von Gott ; und wenner sich in mancher Stunde eingebildet bat, daß er doch auch ein Herz für seinenNächsten habe und daß gute pflichtmäßige Vorsätze für alle Fälle im Leben ausreichen