Ausgabe 
11 (10.8.1851) 32
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zwar sagen, solche Stiftungen, wie das HoSpital de St. Constance in Metz , möchtenvoch auch in dem katholischen Frankreich eine Seltenheit, eine zufällige Ausnahmeseyn. Allein obgleich es nicht die Absicht des Schreibers war, an Ort und StelleNotizen mit Namen und Zahlen zu sammeln, und überhaupt einen Bericht zu erstat-ten, zu welchem ihm jetzt erst nur sein Gedächtniß zu Gebote steht, so können hierdoch noch einige Beispiele hinzugefügt werden, welche allein aus Metz und aus denletzien Jahren entnommen, die Ausnahme fast zur Regel erheben. Ein Fräulein S.hat beim Antreten ihrer elterlichen allerdings bedeutenden Erbschaft sogleich den grö-ßern Theil unter die milden Stiftungen ihrer Vaterstadt vertheilt und z. B. denWaisen 60.000 Franken geschenkt. Ferner von Werken der Baukunst, zu weichensonst unter Tausenden collectirt wird, sind neuerlich durch drei einzelne Damen ausMetz drei neue Kirchen in nächster Umgebung der Stadt ganz allein auS ihren Pri-vatmitteln, ohne besondere oder ohne alle Verpflichtung erbaut worden und zwar inTrepy bei Peltre eine kleine Basilika mit gemalten GlaSfenstern, gewiß nicht wenigerals 80,000 Franken anzuschlagen, durch Mad. P. de C.; sooann zu Noiseville einegleichfalls sehr anständige ländliche Kirche durch Fräulein M.; endlich aber in Woip-pieS, eine Stunde von Metz , die meisterbaft und im reinsten Style durchgeführtekleine gothische Kirche, welche über 130,000 Franken gekostet hat, durch Frl. M.Wir können noch ein weiteres Beispiel hinzufügen. Eine würdige Dame hört, daßein junger Priester sich besonders eifrig angelegen seyn läßt, auS der zahlreichenGarnison, welche, wie die ganze Armee, keinen Aumonier mehr hat, die guten christ-lichen Gemüther aufzusuchen und ihnen mit Rath und That, mit Unterricht und geist-lichem Troste nach Kräften beizustehen, Sie stellt ihm einen Saal in ihrer Wohnungzur Verfügung, worin er bald eine kleine militärische Gemeinde von 60 100 Mannversammelt Der Herr Bischof hilft nun seiner Seits nach; er enthebt ihn seinerbisherigen Vicarstelle und übergibt ihm förmlich die Sorge für die selbstgcbildete Ge-meinde. Diese nimmt täglich zu und verbreitet immer größern Segen. Die RäumedeS SaaleS reichen nicht hin und können zum kirchlichen Gebrauche nicht schicklich

dienen. Da baut unsere hochherzige Dame Mad. P____sofort im Hofe ihres Hotels

eine freundliche, ja geschmackvolle Mariencapelle an, welche ihr 46,000 Franken kostet.Die militärische Gemeinde ist nun bereits auf 800 Mann angewachsen; zwar nurein kleiner Theil der großen Garnison, aber auS lauter Freiwilligen bestehend, welchenoch obendrein Schwierigkeiten zu bekämpfen haben, um ihre Capelle öfter besuchenzu können. Die Wohlthäterin hat aber keinen andern Lohn von ihrer Stiftung, alsdaß sie in ihrer nichtsichtbaren Seitenloge im Chor täglich sich dem Dankgebete sovieler frommen und tapferen Soldaten anschließen kann Derselbe würdige jungePriester, Abb6 M., welcher gleichzeitig auch einen Handwerkerverein von mehrerenhundert Mitgliedern gebildet hat und diesen sowohl als seinen Soldaten täglich Mor-gens die heilige Messe lieSt, Abends KatcchiSmuS und geschichtliche Vorträge hält,ist ein geborner Metzer und ein Liebling seiner Vaterstadt. ist ein ganz kind-liches aber feuriges Gemüth, und weiß, indem er sich selbst bescheiden zurückhält,seine Leute bewundernswürdig zur Selbstthätigkeit und zur Verbreitung seiner gutenWerke anzuleiten. Anfangs sah die Militärbehörde seine Bemühungen mit Mißtrauenund einige Chefs argwöhnten legitimistische Umtriebe; junge Officiere mußten ihneine Weile beobachten. Er aber wußte die letztem durch seine unwiderstehliche lie-benswürdige Einfalt unbewußt so sehr zu beschämen, daß sie nicht allein zn seinenGunsten zeugten und ihm Freunde und Zuhörer warben, sondern jetzt selbst mithelfen,den Soldaten in den Abendstunden allerlei nützlichen Unterricht zu ertheilen. AuchSchüler der Leols ä'gppliestion mit Officiersrang kann man da oft bis zehn UhrAbendS noch mit der Kreide an der Tafel stehen und lehren sehen. Der jetzigeKriegsminister, General Randon aber, obgleich selbst Protestant, hat als Gouverneurvon Metz noch vor wenigen Monaten der Einweihung der Capelle beigewohnt undbegünstigt daö gute Beispiel auf alle Art. sSchluß folgt,)