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Durch die definitive Annahme der Titel bill in der Sitzung deS Hauses derGemeinen vom 4. Juli ist der umviderlegliche Beweis für die Unduldsamkeil der ang-licanischen Kirche vor aller Welt geliefert. Die englische Geistlichkeit wollte sich denruhigen Besitz ihrer unermeßlichen Reichthümer, so wie die ausschließliche Herrschaftüber daS religiöse Bewußtseyn der Bewohner der britischen Inseln sichern, und dasist ihr in so weit gelungen, als eS von ihr selbst und von dem unter ihrem Einflüssestehenden Parlamente abhängt. Zweierlei wird durch dieses Ereignis, offenbar: erstens,daß der Katholicismus in England bereits dergestalt gekräftigt ist, um die Eifersuchtund die Besorgnisse eines Bekenntnisses zu erregen, daS aus der Genußsucht einesenglischen Königs hervorgegangen ist; zweitens, vaß man die englische Nationalitätvorzugsweise als die Verfolgerin deS Katholicismus betrachten muß Daß der katho-lische Glaube in England täglich mehr Kraft und Ausdehnung gewinnt, unterliegtum so weniger einem Zweifel, je mehr man nicht bloß die Zahl der dort fast täglichstattfindenden Uebertritle zum Katholicismus, sondern auch die hohe sociale Stellungvieler Personen in daS Auge faßt, welche daö Schisma verlassen und in den Schooßder wahren Mutter der Völker zurückkehren. Unwiderleglich geht auch aus der Ge-schichte unserer Tage hervor, daß der Haß und die Verfolgung deö Katholicismusjetzt mehr als je ein Charakterzug der englischen Nationalität ist. Allerdings zeigtzu unsern Zeiten der Nachrichter dem Volke nicht mehr das Haupt eines Hingerich-teten Thomas MoruS , allerdings färbt das Blut englischer Märtyrer nicht mehrdaS Schaffst, dennoch ist es leider eine unbestreitbare Thatsache, daß die englischeVerfolgung an Grausamkeit nicht abgenommen, wohl aber an Schlauheit zugenom-men hat. Elend' und Hunger reiben in Irland die katholische Bevölkerung auf, unddas reiche Albion weiß kein Mittel, will keines finden, ihre Leiden zu mildern.Binnen wenigen Jahren hat die katholische Bevölkerung Irlands um zwei Millionenabgenommen. AIS im Jahre 1829 die Emancipationsbill die königliche Genehmigungerhielt, hatte eS den Anschein, als sollte der katholische Cultus von seinen Fesselnbefreit werden. Da schmiedet sie plötzlich nach einundzwanzigjähriger PrüfungSzcitLord Russell wieder fester. Dadurch hat er ein Werk vernichtet, dessen Zustandebrin-gung dem Herzog von Wellington tausendmal mehr zur Ehre gereicht, als seineSiege in Spanien und Belgien . Es fehlte im englischen Parlamente keineswegs anvielfachen Betheuerungen des Liberalismus und der Toleranz; es waren aber nurleere Worte, nur höhnische Phrasen. In dem zwanzigjährigen Zeilraum, währendwelchem das Joch anglikanischer Unduldsamkeit minder schwer drückte, athmete derKatholicismus wieder auf und gewann frische Kraft, und bereits bedrohte die in ihmliegende Wahrheit die Herrschaft deS AnglicauismuS. Auch die den Katholiken nochbelassenen bürgerlichen Reckte werden ihnen wieder entrissen werden, sobald ein kaiho-lischeS Votum dem Protestantismus auch nur einen Schatten von Besorgnis) einflößenwird. (Bilancia.)
K öl n.
Köln , 24. Juli. Gestern fand im großen NathhauSsaale dieser Stadt dieGeneralversammlung der Vjricenz vereine in (Nord-) Deutschland statt.Vertreten durch Deputirte waren die Vereine von Aachen, Düsseldorf, Neuß ,Bonn , Koblenz und Andern ach; von den übrigen Vereinen, deren entferntesterin Schwerin mit vielem Erfolge sich gebildet, waren die Berichte an den Provin«zialrath eingelaufen, welche, nachdem die persönlich Anwesenden ihre Vorträge geHal-len, vorgelesen wurden. Die Versammlung war (durch die hiesigen zahlreichen Con-ferenzen) sehr groß, auch der Oberbürgermeister, welcher mit großer Bereitwilligkeitden schönen NathhauSsaal zu dem Zwecke eingeräumt kalte, so wie der Präsident der