Ausgabe 
11 (17.8.1851) 33
Seite
257
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Eilster Jahrgang.

Sonntags-Beiblatt

zur c

Augslmrger postSeitung.

17. August M»- zz. issi.

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Die Fortschritte des Katholicismus.

Unter dieser Neberschrift brachte jüngst dieNeue Bremer Zeitung" einen Leit-artikel, den wir wegen der seltenen Unbefangenheit und Gerechtigkeit, die er zu erken-nen gibt, seinem ganzen Inhalte nach vorlegen zu müssen glauben. Er lautet:

Eine der großartigsten Erscheinungen unserer Zeit, ja wir dürfen Wohl sagen,die großartigste, ist die Wiedererhebung des Katholicismus aus dem tiefen Verfalle,in welchen derselbe, gleich dem Protestautismus, in Folge der so lange unaufhaltsamum sich greifenden Verbreitung jener flachen Aufklärerei gesunken war, die sich nochheute unrechtmäßiger Weise mit den Namen der Bildung und der Philosophie schmückt,während sie doch das Gegentheil jeder wahren Bildung ist, und jeder tieferen philo-sophischen und wissenschaftlichen Begründung entbehrt. Die revolutionären Bewegun-gen der Jahre 1348 uns 1849 bezeichnen den Wendepunct, der den Sieg desKatholicismus über die Gefahren entschieden hat, die ihn in den vornehmsten Mittel-puncten seiner Macht mit dem Untergange bedrohten. Noch sind kaum zwei Jahrevergangen, seit der Papst nur unter dem Schutze fremder Bajonette in die Haupt-stadt zurückkehren konnte, aus der ihn der Aufruhr vertrieben; und heute sehen wirdie römische Hierarchie eine weltgebietende Macht entwickeln, wie sie dieselbe seitjenen Tagen veö MittelallerS nicht mehr geübt hat, wo Völker und Fürsten vor denBannstrahlen deS Vatikans zitterten. In Italien , im Kirchenstaate selbst, ist dieseMacht zwar auch jetzt noch keineswegs befestigt; sie wird hier nur durch die fremdeGewalt aufrecht gehalten, welche die Revolution äußerlich unterdrückt hat, und dienicht zurückgezogen werden darf, wenn die in die Gemüther zurückgedrängte Gähruugnicht von Neuem in hellen Flammen ausbrechen soll. Aber die Macht der römischenHierarchie ist, als eine geistige, an keinen Ort gebunden. Der Nachfolger deS hei-ligen PetruS kann seinen Sitz an jeden beliebigen Punct der Erdoberfläche verlegen;unv er wird die katholische Kirche , die ihn als den Stellvertreter Gottes auf Erdenanerkennt, seinen Geboten eben so gehorsam -finden, als wenn seine Befehle vonRom ausgingen. Auch dürfen wir die Zustände Italiens nicht nach dem äußernScheine beurtheilen; hier, wie beinahe in dem ganzen übrigen Europa , ist den finsternMächten der Revolution nur ein Theil der sogenannten gebildeten Stände verfallen.Die Massen der ländlichen und selbst der städtischen Bevölkerungen hallen noch festan dem allen Glauben; und die Revolution verdankt ihr Ucbergewichl nur dem all-gemeinen Hasse gegen die Fremden, den sie geschickt zu ihren Zwecken zu benutzen weiß.

In Frankreich hat der katholische Klerus nicht trotz, sondern in Folge derFebruarrevolution einen Einfluß gewonnen, den demselben alle Begünstigungen derRestauration während ihrer ganzen fünfzehnjährigen Dauer nicht zu gewähren ver-mochten. Die Ursache liegt aber keineswegs darin, wie man wohl zu behaupten