Ausgabe 
11 (17.8.1851) 33
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261
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welcher den ganz speciellen Zweck hat, durch Verwendungen aller Art die wilden Ehenunter den Armen zu gesetzlichen zu machen. In Metz und nächster Umgegend wurdenso im vorigen Jahre 80 Ehen legalisirt und 33 Kinder durch Hilfe des Vereinslegitimirt. Die letzten hier angeführten Thatsachen und Zahlen sind den gedrucktenJahresberichten entnommen und könnten durch viele interessante Bemerkungen ausdenselben Quellen bereichert werden; die ganze frühere Erzählung dagegen ist auSplanlos und zufällig empfangenen Eindrücken, aus gelegentlichen Besuchen und Wahr-nehmungen entstanden. Wer auf den Fußstapsen des Berichterstatters mit Fleiß undAbsicht dasselbe Feld besuchen wollte, würde ohne Zweifel eine reichere Aehrenlesehalten. Ich weiß wohl, daß eS eine große Illusion wäre, den Zustand der französi-schen Welt nach Schilderungen aus Lothringen oder auö der Bretagne und Franche-Comit6 zu beurtheilen, die wie Goldadern in unermeßlichen Steinmassen erscheinenkönnen; allein noch irriger wäre es, wenn man das Leben des Volkes, des über-wiegend noch katholischen Volkes der Franzosen nach den Pariser Zeitungen und un-sern meist daraus nachgeklalschten deutschen Blättern aburtheilen'wollte; selbst Paris hat seine katholische Seite, die nur die wenigsten Fremden kennen lernen. Frankreich hat in nächster Zeit noch große nothwendige Krisen und Prüfungen zu bestehen; eShat große Sünden in der Weltgeschichte zu büßen, allein dort werden sich bald diewahren urgründlichen Gegensätze im Kampfe einfach und klar gegenüber stehen; mögedann Gott das feurige Gebet so vieler auserwählter Seelen erhören und ihre Sühn-opfer in Gnaden annehmen, als welchem gewiß Viele, gleich dem Erzbischof Affre,ihr eignes Leben der Rettung ihres ganzen Geschlechtes auS dem Verderben zu wei-hen bereit stehen. Auch für uns können dort Siege errungen werden. Denn wenngleich das Leben der Heiligen mit gutem Rechte von der eignen Nationalität für sichin Anspruch genommen wird, so kennt doch ihr Tod keine engen LandeSgränzen; dasBlut der Märtyrer gehört der katholischen Welt. 5)

Blumen aus dem Schriftgarten des heiligen Bernardus. **)

(Fortsetzung.)

210. Versuchung.

Es kann der Feind die Bewegung der Versuchung erregen, aber an dir liegteS, ob du ihm Beistimmung geben oder versagen wollest. In deiner Macht steht eS,

*) Wir können uns nicht versagen, in Bezug auf die Verdienste einzelner christlichen Heldenund ganzer Orden, einen verwandten Gedanken aus Cl. Brentano'sbarmherzigen Schwestern"hier wieder abzudruckein

Daß diese heilbringenden Orden so häufig in Frankreich sind, ist eine Gnade, die Frankreich durch die heiligen Priester und gottseligen Menschen zu Gute kömmt, welche diese scgcnbringcndenInstitute mit Gottes Beistand gegründet und unterhalten haben. Der Staat bezahlt diese'wohlthä-tigen Orden nicht, er schützt sie und gibt ihnen seine Hilfsbedürftigen zur Pflege, weil er diese Pflegebesser uud wohlfeiler bei ihnen erhält; ja der Staat hat sie sogar in seinen revolutionären Rasereienzertrümmert, gemartert und gemordet, nnd doch sind sie demüthig und ohne Rache zurückgekehrt, alser sie wieder wünschte.

Wenn nun andere Länder die Wohlthat solcher Institute in solchem Maaße entbehren, daß siebei dem oberflächlichen Anblicke derselben schon in Staunen gerathen, so ist dieses ein Beweis,daß sie nicht in den unmittelbaren Bereich der Gnaden gehören, welche die heiligen Stifter dieserOrden ihrem Vatcrlandc vorzugsweise errungen haben, daß sie kein Erbrecht auf diese Gnaden haben,welche man nicht mit Geld erkaufen kann, sondern die aus dem religiösen Zustande des Vaterlandesselbst erwachsen.

Man ist in vielen Ländern gewohnt, ans Frankreich zu schmähen, weil man gewohnt ist, allesUeble an Grnndsätzcu, Sitten und Moden mit vielem Gelde dort zu erkaufen, während man denübergroßen Schatz des Guten nnd Heiligen dort leichtsinnig am Wege liegen läßt, und kaum zu wür-digen, viel weniger aus eigenem Grnndc Aehnliches zu erzeugen vermag, welches Letztere doch, so manauf die rechten Grundlagen baute, möglich seyn müßte, denn Frankreich hat Solches auch aus sichselbst erzeugt, und zwar in seinen lururiösestcn Zeiten. Es sind aber diese Heilsanstaltcn einzig undallein die Früchte der kirchlichen Einigkeit und der großen Seelen, die aus ihr hervorgegangen."S, Nro, 10 des Sonntagsbciblattcs,