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schildern und die Gesellschaft wird in der Regel auch von Seiten des Herrn Bischofsmit einem Lobe und einer Aufmunterung erfreut.
Außer der gewöhnlichen Armenpflege dnrch die besuchenden Mitglieder hat sichder Verein von Metz besonders in folgenden zum Theil neuen Richtungen vervoll,kommnet. Die Bibliothek, wodurch der furchtbaren Ueberschwemmung der siltenver-derblichen und selbst gotteslästerlichen Literatur der Leihbibliotheken Concurrenz gemachtwird, beträgt jetzt 4000 Bände, welche im letzten Jahre 44,500 Leser gefundenhatten, und unter den Handwerkern schon anfangen, eine katholische öffentliche Mei-nung zu bilden. Ein Versuch war nur erst gemacht worden mit einer Hausmiethen-sparcasse. Dagegen hatte das gute Werk des Besuchs der Militärgefängnisse demVerein schon reichen Lohn deS Erfolges gebracht. Man sieht hieraus, daß auch dieMilitärautoritäten dem heilsamen Einfluß christlicher Aufopferung die Thüren öffnenund es nicht unter ihrer Würde achten, mit dem Vincentiusverein über das LooSeines armen Sträflings sich zu verständigen. Allerdings wird dieß den Besuchernicht wundern, der etwa als Mitglied eines auswärtigen VincentiuSvereinS in Metzan einem Freitag Abend in die Conferenz eingeführt und als Bruder aufgenommenworden ist; denn da erblickt er mitten in der Reihe greiser Bürger auS allen Stän-den auch eine ganze Anzahl von Officieren, theils pensionirte alte Schnurrbärte dergroßen Armee, theils active Stabsofficiere, theils auch junge Fähndriche der Artille-rieschule in voller Uniform und in voller eifriger Thätigkeit. Er wird nicht allein dieGeschäftsübung und Geläufigkeit in der Behandlung der vorgeschlagenen Anforderun-gen, sondern viel mehr noch die heitere Stimmung, daS herzliche gegenseitige Ver-trauen bewundern, mit welchem die Fürsprecher bald für alte noch nicht gerathene,bald für neue Pflcgbefohlene in der Versammlung behandelt werden. Er fühlt klar,daß es sich bei den Anwesenden nicht darum gehandelt hat, sich mit den Armenpflichtmäßig abzufinden, sondern daß sie eine beständige Lehre und Uebung der eige-nen Besserung gefunden haben und den Armen für ihren Beitrag auch dankbar sind.Die Conferenz von Metz darf wohl als eine Schule der Demuth und Würde unterden Vereinen gerühmt werden.
Der gute Geist, der in einer Stadt die Unternehmungen christlicher Liebe mirgeringen Mitteln und kleinen Anfängen belebt, erscheint zuweilen als die Inspirationeines einzigen ManneS. In Metz waren Viele geneigt, alles Gute, was langegeschehen ist, auf Rechnung des Abbö Chalendon zu setzen, eines gebornen Lyo-ners, der viele Jahre allerdings höchst segenreich in Metz gewirkt hat; allein nach-dem derselbe, jetzt Bischof von Thaumacum, seit einem halben Jahre zum Coadjutormit Nachfolgerecht in Bellay ernannt und dahin abgegangen ist, überzeugt man sich,daß im Weinberge des Herrn der Segen christlicher Arbeit, wenn derselbe gute Willenur bleibt, nicht von der Kunst eines einzigen Winzers abhängig gemacht ist. Manhört auch wohl im Volke in den Kaufläden Urtheile und Erzählungen von einzelnenwackern Männern aus dem Verein; „dieser hat den armen Schulbrüdern ein HauSgebaut für die christliche Volksschule; aber die zc. sind auch alle brav, sie sind eSimmer gewesen;" „jener war früher St. Simonianer, er kennt deßhalb die Menschenund ihre Irrthümer um so besser, er hat alles reichlich gut gemacht;" „da sehenSie Herrn v. P., der hat nun alle Menschenfurcht überwunden, er trägt ihnen einenKranken auf seinen Schultern nach Hause uud läßt ihn von seinen Mädchen pflegenund doch ist er nicht mehr reich." Aber von denselben also.gelobten Männern hörtman das Anerkenntnis- „nein, unsere Handwerker geben uns oft die treffendstenBeispiele; an ihrer Einfalt und praktischen Weltkcnntniß müssen wir uns spiegeln."Der Vincentiusverein setzt nun eine Ehre darin, nickt eines von den vielen gutenWerken, welche von ihm ausgehen, oder mit ihm in Verbindung stehen, verfallen zulassen. Wir wollen deren nur noch zwei nennen: den Schutzverein für unbe-mittelte sparsame Mädchen (loeuvre tle8 jc-unes 6ecmomo5) mit Arbeitsschu-len unter Leitung von fünf barmherzigen Schwestern und einem eignen Budget vondurchschnittlich 7000 Frcs. und den Verein vom heiligen Franciscuö RegiS,