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denn so ist er bereit, den Fallenden aufzunehmen und den Fliehenden herauszureißen,daß man es sehen kann, er verwende die Mühe auf Einen, während die übrigenzurückläßt. Daher ist es für jede Seele heilsam, immer auf Gott zu merken, nichtnur als auf ihren eigenen Helfer, sondern auch Zuschauer.
Man weiß nämlich, daß die Teufel das Menschengeschlecht um sein doppeltesGlück beneivcn; sie wetteifern, die Menschen um ihr beiderseitiges Wohl zu betrügen,nämlich um ihr himmlisches und irdisches, jedoch mehr um den Thau des Himmels,als um das Fett der Erde. Das ist von großem Nutzen zu wissen, auf welcherSeite die hartnäckige Menge der Feinde heftiger andringe. Dort nämlich muß manum so eifriger entgegen kämpfen, wo eine größere Versuchung drängt, wo daS ganzeGewicht des Krieges droht, wo der Grund des Kampfes liegt. Daher steht entwe-der den Besiegten eine schmähliche Gefangenschaft oder den Siegern ein triumphiren-der Ruhm bevor. Denn eS ist bekannt, daß uns die Teufel zwar um Himmlischesunv Ewiges mehr beneiden: doch geschieht dieses nicht, damit sie erhalten, was sieunersetzlich verloren haben, sondern damit nicht der auS dem Staube gehobene Armedorthin gelange, von wo sie, geschaffen in Herrlichkeit, unwiderbringlich gefallen sind.Ihre verstockte Bosheit ist unwillig und schwillt auf vom Neide, daß die menschlicheGebrechlichkeit erhalte, waS sie selbst zu behalten nicht verdient hat. Aber wenn siezuweilen Jemanden zeitlichen Schaden zuzufügen sich bemühen, oder sich freuen, wenneiner zugefügt wirv, so zeigt sich ihre ganze Bosheit besonders darin, daß der äußereSchaden, der einem Menschen zugefügt wird, entweder diesem selbst oder einem An-dern Gelegenheit zu innerm werde.
Denn das ist der ganze Kampf der Schalkheitsgeister gegen uns, daß sie unSverführen und hinführen auf ihre Wege und zu dem bestimmten Schicksale, daS ihnenbereitet ist.
„Auf Nattern und Basilisken wirst du wandeln, und treten aufLöwen und Drachen." Was wird der menschliche Fuß unter diesen thnn? WaSfür eme menschliche Zuneigung kann gegen solch fürchterliche Ungeheuer bestehen? ESsind nämlich die Bosheitsgeister, und zwar mit nicht unpassenden Namen bezeichnet.Wer kann aber wissen, ob unter ihnen die Handlungen der Bosheit vertheilt sind,die Geheimnisse der Schlechtigkeit, so, daß sie nach den verschiedenen Verrichtungenoder vielmehr Uebelthatm auch verschiedene Benennungen erhalten haben? Einer heißtNatter; ein anderer Basilisk, einer Löwe, ein anderer Drache, weil sie näm-lich auf ihre unsichtbare Weise auch verschieden schaden, einer durch den Biß, derandere durch den Anblick, einer durch Gebrüll und Anfall, der andere durchHauch.
ES ist nicht nachzugeben, noch zurückzuweichen, auch wenn eine heftige Hitzeder Versuchungen den beiderseitigen Zustand deS Menschen belästiget. Wählen wirlieber zu brennen, als einzuwilligen.
Was will ich mit dem Siege, wenn ich nicht einmal im Treffen gewesen bin?Unverschämt masse ich mir Ruhm an ohne Sieg, oder Sieg ohne Kampf.
Vier Arten von Versuchungen gibt es, welche unS durch prophetische Rede sobeschrieben werden: „Wie ein Schild umgibt dich seine Wahrheit, dudarfst nicht fürchten nächtlichen Schrecken: nicht den Pfeil, der amTage fliegt, nicht das Ding, so im Finstern wandelt: nicht den Anfalldes mittägigen Teufel.S." Dieß sind die vier Versuchungen, die unS überallumgeben und eS nöthig machen, daß wir auch umgeben scpen durch den Schild deöHerrn, daß er uns zur Rechten und Linken, vor unS und hinter unS sey. DieWahrheit aber umgibt, weil er der Wahrhastige ist, der eö verspricht.
So stachelt die Erstlinge unserer Bekehrung zuerst die Furcht auf, die sogleichden Eintretenden einjagt die Strenge einer beschränkenden und ungewohnten Zucht.Und diese Furcht wird nächtlicher Schrecken genannt, weil in der heiligen Schriftdie Nacht das Widerwärtige zu bezeichnen pflegt, und wir wegen des Guten, daSWir nicht sehen, uns fürchten, die gegenwärtigen Uebel zu ertragen.