Ausgabe 
11 (24.8.1851) 34
Seite
265
URN (Seite)
  
 
Einzelbild herunterladen

Eilfter Jahrgang.

Sonntags-Beiblatt

zur

Augsburger Pojheitung.

24. August M- A^. 1851.

Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonnementspreiskr., wofür es durch alle kom'gl. baycr. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werden kaun.

Die Kirche und drei Gegner derselben. *)

I.

Es liegt in der Natur der Sache, daß, je mehr die Kirche sichtbar vor allenAugen im Ringen gegen den alles Menschliche und Göttliche verhöhnenden Zeitgeistan äußerer Lebenskraft gewinnt, je gefährlicher sie der vor 30V Jahren geborenenund nun zum Riesen herangewachsenen Revolution zu werden droht, desto mehr dieschlimmen Mächte, auf welche diese sich stützt, sich aufraffen, um den gemeinsamenFeind in seinem Vorwärtsschreiten zu hemmen oder zurückzudrängen. Sie kommenallwärtS in Gährung, und versuchen, jede auf ihre Art, gegen die mit der Leidens-krone des Herrn gerüstete und unter diesem Waffenschmucke unbesiegbare Braut des-selben einen Schwertschlag zu sühren.

Die großartige katholische Bewegung, welche in verschiedenen katholischen undprotestantischen Ländern sich kundgibt, hat vorab und hauptsächlich den Ingrimm derReligionspartei auf sich gezogen. Diese begnügt sich nicht mehr damit, vondem vermeintlichen Höhepuncte ihres geistigen Aufklärichts auf die sogenannte Ver-dummungslehre der Kirche oder den Köhlerglauben der Menge herabzublicken, undsie mit den Waffen des Spottes in den literarischen Producten ihres unreinen Geistesanzugreifen und zu untergraben; sie fühlt die Macht, die in der Kirche, in dem vonihr verkündeten und beobachteten Glauben, liegt; sie sieht die Gefahr, welche auseinem neuen Aufschwünge des religiösen GemülheS deS Volkes für die Fortschritteund den Bestand ihrer selbst liegt, und wendet sich darum mit ihrem ganzen Grimmgegen die Kirche und ihre Vertreter.

Das von der Revolution durchwühlte, ihr theilweis schon anheimgefallene,ohne Oesterreichs Armeen und die Schweizer in Neapel ihr gänzlich zur Beute wer-dende Italien wird in seinem politischen Wahnwitze von den ChesS der Revolutionvorzüglich jetzt gegen die Kirche gehetzt. Im Jahre l848 fand sich der Chef derPropaganda, Mazzini, noch bewogen, mit dem verführerischen Anerbieten vorPius IX. zu treten, ihn zum Herrn der Welt machen zu wollen, wenn er sich andie Spitze der Revolution stelle. Dem Antrage folgte unmittelbar die Enttäuschung;man wagte aber nachher dennoch nicht, direct seine Angriffe auf daS Pastthum unddie Kirche zu richten, und Mamiani gab daher bei Eröffnung der römischen Kam-mern dem Papste die höchst bequeme und für die Revolution ungefährliche Rolle,sitzend im heiteren Frieden religiöser Dogmen zu beten, zu segnen und zu verzeihen."Die Revolutionspartei fühlt, daß sie damals irre gegangen ist; sie denkt nicht mehrdaran, dem Papste die Rolle eines Weltbeherrschers anzubieten, oder nach Zerstörung

') A. d. D. Volkshall«.