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der Throne und neben der politischen Revolutionsanarchie das Papstthum „im heiternFrieden seiner Dogmen" bestehen zu lassen; sie sieht eS ein, daß die stärkste Gegnerinder Revolution die auf dem Felsen Petri ruhende Kirche ist, und ihr gilt daher vorabihr Haß und ihre Zerstörungswuth.
Die Schweiz , wo die Revolution — man kann sagen, mit Erlaubniß dereuropäischen Diplomatie — auf den Thron gekommen ist, führt unS die gleicheThalsache vor Augen. Die Thätigkeit der RevolutionSpartei in diesem Lande istgegenwärtig hauptsächlich auf Ruin der Kirche gerichtet. Die beiden großen katholi-schen Cantone Luzern und Freiburg seufzen unter einem unerhörten Tcrrorismus,der in dem erstem vermittelst der frechsten Wahlverfälschungen, in dem letztern aberganz nackt und offen und ohne Wahlen ausgeübt wird; sie seufzen hauptsächlich unterdiesem TerrorismuS, weil daS Volk dieser beiden Cantone katholisch gesinnt ist. DieSchweiz besitzt gegenwärtig nur noch zwei Lehranstalten, wo ein katholischer oderchristlich gesinnter Vater mit Beruhigung seinen Sohn hinschicken kann; das ErziehungS-Systcm wird allenthalben systematisch so eingerichtet, daß in kurzer Zeit der christlicheGlaube sowohl in den katholischen als in den protestantischen Cantonen auS denHerzen der Jugend ausgerottet seyn muß, und die nächste Generation als eine demUnglauben verfallene von der Revolutionspartei schon jetzt begrüßt werden kann.Wie weit der Hohn gegen den Katholicismus an einigen Orten schon jetzt getriebenwird, beweist die von Ihrem Blatte berichtete Thatsache , daß unter den Augen derobrigkeitlichen Versteigerungsbehörde Juden die gekauften Reliquien aus den aufgeho-benen Thurgauer Klöstern, nachdem sie dieselben von ihrer werthvollen Einfassungbefreit hatten, auf den Misthausen warfen, wo sie der protestantische Hausknecht vollEmpörung über diesen Frevel aufhob und einem andern Ehrenmanne übergab. Diegegenwärtig projectirte Hochschule soll nichts Anderes, als die Krone dieses Entchrist-lichungSsystemS und vorzüglich ein specieller Hohn auf den Katholicismus seyn, indemman sogar auch die Lehrstühle der katholischen Theologie nach Zürich , dem Sitze dcSZwinglianismus, verlegen will.
In Frankreich schlägt die Revolutionspartei in ihrem Anlauf gegen daSChristenthum und die Kirche einen andern Weg ein. Sie hat in Frankreich die durchden Februarsturm errungene Staatsgewalt wieder auS den Händen verloren; siekann daher nicht wie in der Schweiz und Sardinien von StaatSwegen am Ruin derKirche arbeiten; sie geht deßwegen dort darauf los, das Christenthum, mit seinemgöttlichen Stifter an der Spitze, zu einer communistischen Fratze herunterzuzerren undauf die Art alle religiöse Pietät in den Herzen des gemeinen Volkes auszurotten.
Deutschland hatte schon lange das Privilegium eines das Christenthum ver-höhnenden Unglaubens; eS mangelte nur noch Eines, eine gerichtliche Bestätigungdieses Privilegiums; das katholische Bayerland hat nun auch dieses ausgestellt.
Kirchliches Leben in Frankreich .
„Die Idee der kirchlichen Einheit" — so schreibt ein mit den dortigen Zustän-den vertrauter römisch-katholischer Freund — „die Idee der Solidarität derkirchlichen Interessen war in Frankreich nie lebendiger als jetzt. Der Materialis-mus weicht einem höhern Lebenstriebe. Ein bezeichnendes Symptom ist daS Gedei-hen zahlreicher Vereine für kirchliche und religiöse Zwecke. Der Verein des heiligenVincenz von Paul, 1833 durch acht Studenten in Paris gegründet, dehntjetzt sein Netzwerk nicht bloß über Frankreich , sondern zugleich über große Theilevon Deutschland, Holland, England, Amerika, so wie über ganz Bel-gien aus. Er hat ein Jahresbudget von mehrern Millionen und übt und förderteine ganze Reihe von Liebeswerkcn, bei denen stets der Schwerpunct auf der persön-lichen Aufopferung im Geiste des Gebets gelegt ist. Früher schon war der lyonerMissionSverein in ähnlicher Weise aus einem unscheinbaren Samenkorne erwachsen.