Ausgabe 
11 (7.9.1851) 36
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thumS gemacht, in Säckingen , an dem Ort, von wo aus im sechsten JahrhundertSt. Fridolin das heidnische Alemannien zum Christenthum führte. Von da folgtendie Missionen dem Laufe deS Rheines: sie wurden gehalten in Freiburg, Offenburg ,Mljngen, Mannheim, Schwetzinge«; an einigen Puncten in Württemberg ; in derneuesten Zeit bekanntlich in Bonn, Köln, Düsseldorf . Ueberall fanden sie die leb-hafteste Theilnahme von Seite des katholischen Volkes, und waren von einer entschie-denen religiösen und sittlichen Wirkung auf die Gemüther. Wenn auch unter denKatholiken selbst manche dagegen waren; wenn sogar einige wenige Stimmen ausdem katholischen KleruS gegen dieses von der Kirche im allgemeinen und von dendeutschen Bischöfen insbesondere gebilligte und empfohlene Institut sich erklärten undwenn auch in einigen Zeitungsartikeln dagegen gesprochen wurde, so verschwand dieseOpposition in der großen, lebhaften Theilnahme, welche die Mission überall auchbei dem Volke fand. Auch gabeu die Missionen nicht Veranlassung zu konfessionellenZerwürfnissen. Die evangelischen Geistlichen und übrigen evangelischen Glaubens-genossen ließen die Missionen als einen in den Raum der katholischen Kirche beschlos-senen Vorgang gewähren, wenn auch bei den Predigten im allgemeinen darauf Rück-sicht genommen wurde; sie äußerten sogar, in Anbetracht dessen, daß die allen Christengemeinsamen Heilöwahrheite'a in den Geistern und in den Herzen aufs neue gewecktund befestigt wurden, ihre anerkennende und wohlwollende Theilnahme. Nach diesenVorgängen lMte man gewiß allen Grund anzunehmen, daß auch die ueueste Missionin Heidelberg auf keine Schwierigkeiten stoßen würde, und eS war gewiß ein natür-licher Wunsch einer Anzahl von Mitgliedern der dortigen katholischen Gemeinde, wennsie diese von der gesetzlichen kirchlichen Autorität gebilligte und anderwärts mit sogesegnetem Erfolg begleitete Anstalt zur Erweckung und Befestigung des religiösenund kirchlichen SinneS auch bei ihrer Gemeinde eingeführt sehen wollten. Manwußte wohl, daß in gewissen Schichten der Gesellschaft und der Presse allen denjeni-gen in beiden christlichen Konfessionen, welche sich mit einiger Konsequenz zu denerhaltenden Grundsätzen bekennen, wenn sie wie jeder andere Mann des Volkes ihreKirche regelmäsiig besuchen und dabei für Wiederherstellung einer vernünftigen Freiheitder Kirche sich erklären, das WortJesuit " entgegengerufen wird; man wußte wohl,daß denjenigen, welche überhaupt gegen das Christenthum oder gegen die Religionaus GemüthssNimmung oder grundsätzlich feindselig auftreten, eine solche katholischeMission höchst widerwärtig war, und daß sie viel lieber die frühere Mission vonFeuerbach hier wiederholt gesehen hätten; aber solche Rücksichten konnten doch, wienatürlich, nich t von Entscheidung seyn. Selbst wenn man dachte, daß mancher ehren-werthe Protest ant die katholische Mission hier lieber nicht abgehalten sehen würde, sokonnte doch bMigerweise nicht verlangt werden, daß der andere Theil darum auf einRecht und auf eine wohlthätige und wirksame konfessionelle Einrichtung verzichtensollte. Jene auf den frühern Vorgängen und auf der Natur der Sache gegründeteErwartung, die Mission werde zu Heidelberg ungefähr denselben Verlauf nehmenwie an andern Orten des GroßherzogthumS, ging jedoch nicht ganz in Erfüllung.Kaum war eS bekannt, daß der Erzbischof, dessen Entscheidung der Pfarrer deSOrteS die Sache anheimgestellt hatte, eine Misston für Heidelberg angeordnet habe,so wurde sofort nicht bloß in Zeitungsartikeln sehr lebhaft dagegen gesprochen, son-dern wurden heftige polemische Flugschriften, neu verfertigte und ältere, so wieauch satirische bildliche Darstellungen um wenige Kreuzer verkäuflich verbreitet, über-dies; zwei 'Wochen, lang vorher, ehe die Mission hier begonnen hat, sehr stark gegendieselbe von den protestantischen Kanzeln gepredigt. Man wird unö ein näheresEingehen im diese Polemik erlassen.

Die Missionäre sollten Sonntag den 3. August Morgens ihre Vorträge begin-nen. Die. damalige Überschwemmung verhinderte sie zur bestimmten Zeit einzutreffen.Der Geistliche verkündigte der in der Kirche zahlreich versammelten Menge diesenUmstand, und bemerkte: daß, wenn die erwarteten Prediger noch frühzeitig genugeinträfen- um des Nachmittags zu predigen, so würde die Gemeinde davon durch